Gegen die Tristesse

Kunst-Aktion auf dem Götzenhainer Dorfplatz in Dreieich ruft Erinnerungen wach

Die vier Hasen von Ottmar Hörl werden täglich neu um den Brunnen platziert.
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Die vier Hasen von Ottmar Hörl werden täglich neu um den Brunnen platziert.

In Dreieich-Götzenhain sollen bunte Hasen gegen die Tristesse helfen - und Erinnerungen wecken.

Götzenhain – „Der Dorfplatz sah so grau aus – und das in Corona-Zeiten“, erinnert sich Margarete Habernoll vom dortigen Kunstraum. Und das wollte sie in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Alt-Götzenhain natürlich so nicht hinnehmen. Nun erfreut seit einigen Wochen die Kunstaktion „Mit dem Hasenkarussell durch den Frühling“ Passanten und Anwohner. Und diese erinnert zugleich an zwei große Kunstprojekte in den vergangenen Jahrzehnten, die in Götzenhain großen Nachhall gefunden haben.

Durch den Sturm mussten Bäume auf dem Dorfplatz stark zurückgeschnitten werden. „Das sah schon sehr trist aus“, meint Habernoll. Zudem wird der Brunnen voraussichtlich erst Ende Mai sprudeln. Um den Bereich zu beleben, entwickelte sie mit den Künstlerinnen Hanna Rut Neidhardt und Kerstin Krone-Bayer die Kunstaktion, mit der auch Corona getrotzt werden soll. 

Mit Hasen gegen die Tristesse

Vier Hasen, die aus der Nürnberger Kunstinstallation von Ottmar Hörl von 2003 stammen, umrahmen seit Ostern – auf Stangen befestigt – den Brunnen, der zugleich grün ausstaffiert ist. In einer ersten Phase waren es Birkenstämmchen, die nun durch Kirschlorbeer ersetzt wurden. Die Hasen, die um den Brunnen herumzutanzen scheinen, werden jeden Abend eingeholt und am nächsten Morgen neu montiert.

Unterstützung kam von Edgar Liebig, der die Hasen auf Stangen montierte, und Christian Peter, der für das Grün zuständig ist. Wegen der Einschränkungen in Zeiten von Corona verzichtete Habernoll auf eine Eröffnung. Mit der Resonanz ist sie sehr zufrieden. Unter dem Motto „gehen und sehen“ bleiben Passanten stehen und freuen sich über das kleine Projekt. Zugleich lesen sie das Plakat, das einige Infos zum Hintergrund der Aktion bietet.

Das Plakat zum Hasenkarussell schuf die Frankfurter Künstlerin Hanna Rut Neidhardt.

Erinnerungen an ein viel beachtetes Projekt

Hörl platzierte im Jahr 2003 70000 Hasen auf dem Nürnberger Marktplatz – in Anlehnung an das berühmte Dürer-Bild. „Da dieses in Wien hängt, wollte Hörl den Hasen zumindest auf diese Weise nach Nürnberg zurückbringen“, erklärt Habernoll.

Der Künstler hat bis heute sichtbare Spuren in dem Stadtteil hinterlassen. Mit den Bewohnern setzte er 1999 das viel beachtete Projekt „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ um, bei dem er den Götzenhainern die Frage stellte, was ihnen wirklich wichtig ist. Dazu wurden 1 800 Kleinbildkameras im Stadtteil verteilt und die Ergebnisse zu einer Installation zusammengefügt.

Ausstellung mit frühen Werken von Hörl geplant

2009 folgte der einzigartige Kunstweihnachtsbaum „Ort der Engel“. Die Skulpturen von Hörl finden sich bis heute an vielen Häusern in Götzenhain und weit darüber hinaus. „Ich verkaufe immer noch die Engelsfiguren, vor allem auch an Neubürger in Götzenhain“, berichtet Habernoll. Gerne erinnert sie sich auch daran, dass auf dem Dach des mittlerweile abgerissenen Kunstraums 300 Frösche aus einer weiteren Installation von Hörl montiert waren. Habernoll überlegt, den Kunstraum neu zu eröffnen. „Und da will ich zum Auftakt frühe Werke von Hörl zeigen.“ Doch erst einmal sollen die Hörl-Hasen weiter um den Dorfbrunnen herumtanzen und die Passanten erfreuen.

VON HOLGER KLEMM

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