Kunstinitiative verschönert Absperrung

Gemäldegalerie am Bauzaun

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Noch sieht der Zaun an der Hainer Chaussee trist aus, doch nächste Woche wird er zur meterlangen Open-Air-Galerie.

Dreieich - Sie sind normalerweise nicht schön, aber notwendig: Bauzaunplanen. Die Kunstinitiative und die Dreieich-Bau AöR erproben nun eine ungewöhnliche Zusammenarbeit: An der Baustelle Hainer Chaussee kommen Kunstwerke auf über 150 Metern Länge auf die Plane. Von Julia Radgen 

„Wir freuen uns immer, wenn wir Flächen im öffentlichen Raum gestalten dürfen“, sagt Ilse Dreher von der Kunstinitiative, die die Idee zu dem Projekt hatte, das in die Kunsttage Dreieich (siehe obiges Bild) eingebettet ist. 2015 hat die Gruppe bereits den Egenberger Parkplatz in Sprendlingen mit einem großformatigen Wandbild, gebannt auf Fassadenfolie, verschönert. Statt „Kunst am Bau“ heißt es nun „Kunst am Zaun“: Insgesamt 30 Bauzaunplanen entlang des Grundstücks an der Hainer Chaussee 49-55 werden mit Kunst verschönert. „Das ist auch für uns sehr spannend“, sagt Dreher.

Bekanntlich errichtet die DreieichBau AöR auf dem ehemaligen Opel-Gelände 100 überwiegend öffentlich geförderte Wohnungen. Es ist das erste große Projekt des 2017 gegründeten, hundertprozentigen Tochterunternehmens der Stadt, das mehr Wohnraum für Menschen mit geringem und mittleren Einkommen schaffen soll. „Die Bauplanen hätten wir ohnehin anbringen müssen, um die Baustelle zu sichern“, sagt deren technischer Vorstand Dirk Böttcher. Da habe man spontan zugesagt, die Planen entlang des Zauns künstlerisch zu gestalten und im Rahmen der Kunsttage zu präsentieren. Es sei eine gute Gelegenheit für das junge Unternehmen, sich zu präsentieren, so Böttcher. Auch finanziell unterstützt die DreieichBau die Aktion.

Ilse Dreher, die für den Kunstverein die Konzeption übernahm, hat daraufhin Werke ausgewählt, die großformatig auf sogenanntes Meshmaterial, einen luftdurchlässigen Netzstoff, gedruckt wurden. „Die Originalgemälde und -skulpturen stammen alle von Dreieicher Künstlern“, sagt Dreher. Vertreten ist Kunst von Tobias Ballweg, Barbara Beisinghoff, Esther Bott, Gloria Brand, dem verstorbenen Robert Chariot, Walter Diewok, Tanja Hofmann, Norbert Holick, Hanne F. Juritz (Gedichte), Robert Kögel, Waltraud Munz-Heiliger und Dreher selbst. Sie habe bunte Motive ausgewählt, die gut auf den Planen in den Formaten 3,40 beziehungsweise 2,40 Meter auf 1,70 Meter zu erkennen sind. „Darunter sind freie Arbeiten, aber auch solche mit Bezug zum Bauen und der Stadt“, so Dreher. So zeigt ein Motiv von Chariot einen Bagger, aber auch Tanja Hofmanns Nymphen aus dem Hainer Burgweiher finden sich wieder.

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Die Bauzaunplanen sollen für die gesamte Dauer der Arbeiten auf dem Grundstück bleiben. Im kommenden Jahr soll es mit dem Projekt losgehen: Der erste Abschnitt soll Mitte 2020, der zweite spätestens Anfang 2021 fertig zur Vermietung sein. Danach könnten die kunstvollen Planen weiterwandern, wenn es ihr Zustand erlaubt. Hoffnung gibt das Egenberger-Kunstwerk: „Das war nur temporär gedacht, sieht aber immer noch super aus“, sagt Dreher.

„Kunst am Zaun“ wird am Samstag, 15. September, um 11 Uhr auf dem Gelände an der Hainer Chaussee 55 eröffnet.

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