„Lesehelden 2.0“ produzieren Fotostorys mit dem Tablet

Eine Geschichte in sieben Bildern

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Es muss nicht zwingend Papier sein, auch mit dem Tablet lässt sich natürlich Leseförderung betreiben. Das Projekt machte den Fünftklässlern viel Spaß.  

Dreieich - Albert Schobbe grübelt. Wie war noch gleich der PIN-Code? Cem eilt herbei. Der Fünftklässler muss nicht lange überlegen, das Tablet ist schnell entsperrt. Schobbe ist wieder mal verblüfft: „Ich kann von den Jungs mehr lernen als sie von mir." Von Manuel Schubert 

Der frühere Leiter der Weibelfeldschule hat als Ehrenamtlicher das Projekt „Lesehelden 2.0“ unterstützt – und dabei augenscheinlich auch selbst einiges mitgenommen. „Unsere Treffen vergingen wie im Flug“, schwärmt der Rentner. Seit November haben sich sechs Jungs der fünften Klasse Woche für Woche getroffen und Fotostorys produziert. Kurzgeschichten dienten als Grundlage, Tablets als Kamera und Computer in einem. Die fertigen Storys beschäftigen sich mit Themen wie der Angst vor einer Virusinfektion, einem geklauten Portemonnaie oder einer Schlägerei. Trotzdem ist keine der drei Geschichten allzu ernst geworden. Die kurzweiligen Ergebnisse können sich sehen lassen.

„Das war Leseförderung mal anders“, erklärt Linda Hein, Leiterin der Schul- und Stadtteilbücherei in der Weibelfeldschule. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sich das Projekt vor allem an Lesemuffel richtete. Die Kurzgeschichten für ihre Fotostorys suchten sich die Teilnehmer selbst aus. „Da waren sie alle fleißig am Lesen“, berichtet Hein. Die Jungs scheint es nicht gestört zu haben. Schließlich war das Projekt freiwillig und fand außerhalb der regulären Schulzeit statt. Abgesprungen ist keiner.

Mit Tablets kennen sich die Fünftklässler aus

Marcel und Timm, beide zehn Jahre alt, können das bestätigen. Mit Tablets kannten sich die Fünftklässler bereits bestens aus, sowohl Marcels als auch Timms Familie haben eins zuhause. Das Projekt habe trotzdem „viel Spaß gemacht“, sagt Marcel und sei „mal was anderes“ gewesen. Und einige Herausforderungen gab es auch zu meistern. „Wer steht wie? Von wo schießen wir die Fotos? Das war gar nicht so einfach“, erinnert sich Timm.

Herausgekommen ist die Fotostory „Wollen wir uns kloppen?“, die auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Peter Härtling basiert. Sie handelt vom gewaltbereiten Bernd und dem eloquenten Frieder. Letzterer steht Ersterem im Weg, es kommt zum Streit, doch am Ende triumphiert natürlich der clevere Frieder über den frechen Bernd. Um diese Geschichte darzustellen, hatten Timm und Marcel nur sieben Bilder Platz. Gar nicht so einfach, und ein weiteres Problem kam dazu: „Wir mussten immer dieselben Klamotten anhaben“, erzählt Timm. Denn ein plötzlicher Kleidungs- wechsel in der kurzen Fotostory würde auffallen. Deswegen beließen die beiden es an manchen Tagen bei einer Nahaufnahme von einer Faust. Mit Sprechblasen hauchten sie den Fotos anschließend Leben ein, mit bunten Zahlen machten sie deutlich, von wo nach wo gelesen werden muss.

Zwei weitere Gruppen von Schülern werden dieses Jahr die Gelegenheit haben, am Projekt „Lesehelden 2.0“ teilzunehmen. Die sechs Jungs der ersten Gruppe sind bei den nächsten Treffen dabei und lernen ihre „Nachfolger“ an. Und nicht nur die Schüler haben von der Aktion profitiert. Denn die Tablets, gestiftet vom Deutschen Bibliotheksverband, darf die Schul- und Stadtteilbücherei behalten. „Aber einfach in eine Ecke legen will ich sie nicht“, sagt Linda Hein. Daher arbeitet sie gerade an einem Konzept, wie man die Tablets sinnvoll zum Lernen und bei der Leseförderung einsetzen kann.

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