Für naturnahes Stadtgrün

Magistrat legt Stadtverordneten Strategie zur Förderung der Artenvielfalt vor

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Die Stadt bekennt sich zur naturnahen Gestaltung der kommunalen Grünflächen. Bürgermeister Martin Burlon An der Robert-Bosch-Straße hat der DLB Staudenmischpflanzen gesetzt, die den Vorgaben der Grünflächenstrategie entsprechen.

Mit einer modernen Grünflächenstrategie möchte die Stadt einen Beitrag zum Erhalt der Arten- und Insektenvielfalt leisten.

Dreieich –  Eine Arbeitsgruppe hat in einem mehrstufigen Prozesse dazu ein Papier erstellt, das von den Stadtverordneten verabschiedet und zu einer Leitlinie werden soll. „Das ist kein Papier für die Schublade, sondern ein Handlungsgerüst“, betont Sylvio Jäckel, beim Dienstleistungsbetrieb zuständig für Grünpflege und Baummanagement.

Ziele sind es, ein vielfältiges Stadtgrün zu entwickeln und zu erhalten, die Artenvielfalt zu fördern, ein gesundes Stadtklima zu schaffen sowie grüne Architektur und Planung zu unterstützen. „Mit der Grünflächenstrategie bekennt sich die Stadt zur naturnahen Gestaltung der kommunalen Grünflächen und stellt die Dauerhaftigkeit der angestrebten Maßnahmen und Projekte sicher“, unterstreicht Bürgermeister Martin Burlon.

Allerdings habe die Stadt auch schon vorher in dieser Richtung gearbeitet. Das sei der Ausgangspunkt für eine Arbeitsgruppe gewesen, die im Rahmen des Labeling-Prozesses „Stadtgrün naturnah“ die Strategie erarbeitet hat. Mit dabei waren Vertreter der Stadt, des DLB, der Fraktionen des Stadtparlaments und der Naturschutzverbände.

Zu den Inhalten zählen Anforderungen hinsichtlich der Neuanpflanzung und Pflege von Rasen- und Wiesenflächen, Stauden, Gehölzen und Bäumen, die gezielte Förderung der biologischen Vielfalt und des Artenschutzes sowie der Verzicht auf Pflegepraktiken, die der Umwelt schaden. Die Grünflächenstrategie enthält beispielsweise folgende Punkte: Wiesen haben, wo nutzungsbedingt möglich, Vorrang vor Rasenflächen. Die Saat von heimischen Gräsern, Kräutern und Blumen ist zu bevorzugen. Die Wiesenmahd erfolgt maximal zweimal jährlich, die erste ab Mitte Juni. Auch bei der standortgerechten Pflanzenauswahl sollen nach Möglichkeit heimische Arten bevorzugt werden.

Sogenannte „Schottergärten“ sollen in Bebauungsplänen verboten werden. Zu den weiteren Vorschlägen zählen die Aufstellung von Schildern zur Sensibilisierung der Bevölkerung, der Pestizidverzicht auf allen kommunalen Flächen, die Bürgerbeteiligung bei kommunalen Grünprojekten sowie Vorträge und Exkursionen zu naturnahem Stadtgrün.

Mit dem Strategiepapier findet der Labeling-Prozess „Stadtgrün naturnah“ seinen Abschluss. Dabei handelt es sich um ein Zertifikat für kommunales Engagement in dem Bereich, gefördert durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt. Nach einem ersten erfolglosen Anlauf wurde Dreieich Anfang 2019 als eine von 15 weiteren Kommunen ausgewählt. Beteiligt war unter der Federführung des Dienstleistungsbetriebs (DLB) die lokale Arbeitsgruppe, die nach der Bestandserfassung die Vorgaben entwickelt hat. Jäckel bezeichnet die Zusammenarbeit der 20 Teilnehmer als sehr konstruktiv und zielorientiert. „Wir haben für viele strittige Punkten sehr weitgehende Konsensentscheidungen getroffen, die Eingang in die Grünflächenstrategie gefunden haben“, führt er aus.

Das Label „Stadtgrün naturnah“ winkt Kommunen, die sich in vorbildlicher Weise für die biologische Vielfalt im Stadtgebiet einsetzen. Es wird in Gold, Silber und Bronze verliehen. Ob Dreieich dazu gehört, wird bei einem bundesweiten Fachkongress in Hildesheim am 2. April bekannt gegeben. Unabhängig davon bewertet die Arbeitsgruppe die Teilnahme der Stadt am Verfahren bereits als Erfolg. Jäckel: „Die Mitglieder wollen auch in diesem Jahr zusammenkommen, um die Strategie weiter mit Leben zu füllen.“

Infos im Internet

stadtgruen-naturnah.de

VON HOLGER KLEMM

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