DLB markiert 50 Bäume mit Höhlen

Lebensraum für Tiere schützen

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Der DLB hat mit solchen grünen Plaketten 50 Bäume in allen Stadtteilen markiert. DLB-Mitarbeiter Sylvio Jäckel erläutert die Bedeutung an einer Eiche in der Hengstbachanlage in Buchschlag.  

Buchschlag - „Ein Freund von Plaketten und Schildern an Bäumen bin ich nicht. “ Eine Ausnahme macht Sylvio Jäckel, der beim DLB für den Baumbestand in der Stadt zuständig ist, bei den grünen Zeichen an mittlerweile 50 Exemplaren in allen Stadtteilen. Damit soll der Artenschutz im urbanen Umfeld in Zukunft gestärkt werden. Von Holger Klemm 

Die Markierung findet sich an so genannten Habitatbäumen, die Lebensraum für Vögel, Fledermäuse, Eichhörnchen oder Insekten bieten. Für Kontrolleure und Pfleger sind sie ein wichtiger Hinweis, für Bürger eine Information, dass dort mit hoher Wahrscheinlichkeit Tiere zu beobachten sind. Ziel ist ein Ausgleich zwischen Verkehrssicherungspflicht und Naturschutz – in der Hoffnung, die in der Regel alten Bäume so lange wie möglich zu erhalten.

„Schauen Sie mal hoch. An der Astgabelung auf der linken Seite findet sich das Loch zu einer kleinen Höhle, die aktuell von einem Starenpaar genutzt wird“, zeigt Jäckel gestern an der Hengstbachanlage in Buchschlag auf eine mit der Plakette markierte Eiche. Die Stare sind aber nicht die ersten Mieter der 14 bis 17 Zentimeter langen Höhle. Es sind Spechte, die sich weiches und marodes Holz suchen, um für sich Höhlen zu schaffen – allerdings nur für ein Jahr. „Wahrscheinlich liegt das an der Reinlichkeit“, sagt er. Als Nachmieter kommen an die 20 Vogelarten in Frage. „Für die Stare spielen die Größe und die Zugänglichkeit eine Rolle“, führt Jäckel weiter aus. In den Folgejahren sind es dann auch Eichhörnchen, Fledermäuse, Käfer und weitere Insekten, die in den Höhlen Unterschlupf finden.

Bislang habe man auf solche Eigenarten bei älteren Bäumen zu wenig Rücksicht genommen. Pflege- oder Verkehrssicherungsmaßnahmen hätten dazu geführt, dass viele solcher Lebensräume verschwunden und bestimmte Tierarten in Städten gefährdet sind.

Jäckel verweist darauf, dass das Artenschutzrecht durch EU-Richtlinien und die Übernahme in die nationale Naturschutzgesetzgebung vor wenigen Jahren noch einmal deutlich verschärft worden seien. In aktuellen Leitfäden für Baumpfleger gebe es aber derzeit noch keine oder unzureichende Hinweise zum Umgang mit solchen Höhlen. „Allerdings wird an entsprechenden Verbesserungen gearbeitet.“ Ein Beispiel sei der erste Praxis-Leitfaden, der 2013 vom Frankfurter Umweltamt mit dem Institut für Tierökologie und Naturbildung erarbeitet wurde.

Die schrägsten Tiere der Welt

Der DLB hat nun 50 Bäume in allen Stadtteilen markiert. Die meisten davon stehen in Buchschlag. Möglich wurde dies durch das Baumkataster, bei dem Kontrolleure Schäden festhalten. Und zu diesen zählen nun einmal die Höhlen, auch wenn sie eine positive Funktion haben. Pfleger werden so darauf aufmerksam gemacht, dass bei dem Baum eine besondere Aufmerksamkeit erforderlich ist. Die entsprechenden Pflegemaßnahmen werden dann mit dem DLB abgesprochen. Jäckel: „Wir wollen damit Sorge tragen, dass solche Höhlenbäume so lange wie möglich – und aus Sicht der Verkehrssicherungspflicht vertretbar – im städtischen Baumbestand bleiben.“ DLB-Chefin Petra Klink spricht von einem geringen Aufwand, „der im Einzelfall aber sehr wertvoll sein kann“.

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