Nach Gretas Vorbild

Klimakrise: Max-Eyth-Schüler debattieren mit Politikern und Aktivisten

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Klimawandel im Fokus: Politiker und Umweltschützer diskutierten mit gut 250 Jugendlichen der Max-Eyth-Schule.

Dreieich – Zehntausende Schüler haben gestern wieder unter dem Motto „Fridays for future“ für Klimaschutz protestiert. In Hamburg erhielten die Jugendlichen sogar prominente Verstärkung von Greta Thunberg. Von Julia Radgen

Die 16-jährige Schwedin hatte den Klimastreik während der Schulzeit begründet, der mittlerweile zu einer globalen Bewegung geworden ist. Auch die Schülervertretung der Max-Eyth-Schule (MES) hat sie damit angesteckt. Demos gebe es an der beruflichen Schule in Hinblick auf die Prüfungsvorbereitung zwar keine, berichtet Schülersprecher Florian Rossignol, der selbst gerade in der Abiturphase steckt. „Wir wollten aber unbedingt etwas zu dem Thema machen“, so Rossignol. Und zwar nicht nur im stillen Kämmerlein.

Deswegen haben die Schüler mit Unterstützung ihrer Lehrer Vertreter von Stadt, Politik und Klimaschutzorganisationen eingeladen, um über ihre Befürchtungen zu sprechen und Lösungen zu diskutieren. Denn, so sagt ein Schüler: „Politiker reden zwar viel über das Thema, aber sie machen zu wenig.“

Auf dem Podium in der Aula sitzt mit Katy Walther (Grüne) eine Landtagsabgeordnete, dazu der ehemalige MES-Lehrer Jürgen Klei, Vorsitzender des Kreisverbands der Linken. Die Gästerunde komplettieren der neue städtische Klimaschutzmanager Theo Felber, Heiko Nickel, der Geschäftsführer des Verkehrsclubs VCD, und Thaddäus Matheis, ebenfalls pensionierter Lehrer der Berufsschule und Vertreter der Anti-Atomkraftbewegung.

Moderation in Schülerhand: Die SV um Florian Rossignol (rechts) hat die Veranstaltung organisiert.

Der Großteil der gut 250 Schüler aus den Stufen zehn bis zwölf ist sensibilisiert für das Thema. Die Jugendlichen berichten allerhand Konkretes, das sie für den Klimaschutz unternehmen: Mit dem Fahrrad zur Schule, weniger Fleisch essen, Obst auf dem Wochenmarkt kaufen und nicht solches, das um die halbe Welt transportiert wurde. Eine junge Frau erzählt, sie benutzt gar kein Plastik mehr. „Ich kaufe nur noch Sachen aus Holz oder Bambus. Es gibt viele tolle Alternativen zu Plastik. Man muss sie nur nutzen“, sagt sie und erhält viel Applaus und Jubelrufe von ihren Mitschülern.

Dass das Thema ernst ist, ist ihnen klar. Ein Schüler betont: „Wenn wir jetzt nichts unternehmen, werden wir uns das später vorwerfen – und bereuen, dass wir nicht früher aktiv geworden sind!“ Dieser Wink geht vor allem in Richtung der Politiker. „Wir wissen, welche Maßnahmen wir ergreifen müssen“, erklärt Walther. Aber es sei ein mühsamer Weg durch die politischen Instanzen. „Selbst im Landtag müssen wir noch mit Fraktionen diskutieren, ob der Klimawandel real ist“, betont die Abgeordnete. Sie appelliert an die Jugendlichen mit Bezug auf Greta: „Sie ist 16 und hat die Welt bewegt. Diese Macht hat jeder von euch. Wartet nicht darauf, dass die Erwachsenen es für euch tun!“

Darüber, dass der Klimawandel eine echte Bedrohung ist, herrscht im Saal Konsens. Aber es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, was zu tun ist. Immer wieder geht es um kleine Beiträge zum Klimaschutz durch jeden Einzelnen, dann wieder um große Schritte durch die Industrie und Politik. „Wenn wir das 1,5-Grad-Ziel erreichen wollen, müssen wir vor allem die Verkehrs- und Energiewende schaffen“, sagt der Ex-Lehrer Matheis. Dem widerspricht Klimaschutzmanager Felber: Natürlich seien die Bundespolitik und Weltgemeinschaft am Zug. „Aber es kommt durchaus auf jeden Einzelnen an! Wie lange wollen wir denn warten?“, ermutigt Felber die Schüler. Das untermauert er damit, dass in Dreieich ein Drittel der Wärme durch Privathaushalte verbraucht wird. „Es ist nicht immer nur die Industrie.“

Greta Thunberg demonstriert mit Tausenden in Hamburg

Doch an den ganz großen Stellschrauben, wissen die Schüler, können sie nicht selbst drehen. „Unsere Ideen müssen den Raum der Schule verlassen! Jemand muss uns zuhören! Deshalb freue ich mich, dass sie hergekommen sind“, sagt ein Schüler zu den Gästen. Und an guten Ideen mangelt es den Max-Eyth-Schülern nicht: Von Trinkwasserspendern bis zu Recycling-Kopierpapier – den Jugendlichen fällt jede Menge ein, was sie auch in der Schule umsetzen können. Sie wollen nun eine Arbeitsgemeinschaft zu dem Thema gründen. „Wir sollten klären, was wir konkret erreichen können“, schlägt ein Schüler vor. Dazu geht eine Teilnehmerliste im Saal herum, die sich in Windeseile mit Namen füllt. Für die Schülervertretung ist das ein erster Erfolg. „Das zeigt, dass großes Interesse an dem Thema besteht“, freut sich Sprecher Florian Rossignol. „Und dass wir unserem Ziel, etwas zu erreichen, näherkommen.“

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