Erfreuliche Entwicklung in Tempo-30-Zonen

Städtische Statistik mit Licht und Schatten: Mehr Raser, weniger Rotlichtverstöße

+
Städtische Statistik mit Licht und Schatten. (Symbolbild)

Das Strafmaß sollte dem Temposünder eine Lehre sein: 600 Euro Bußgeld, zwei Punkte in Flensburg und ein dreimonatiges Fahrverbot – das bekam ein Autofahrer aufgebrummt, der anstelle der erlaubten 60 Stundenkilometer mit 134 km/h geblitzt wurde.

Dreieich – Erwischt wurde der Raser auf der L 3117 zwischen Neu-Isenburg und Heusenstamm in Höhe der Müllerwiese. Klingt so, als wäre es ein Fall fürs Ordnungsamt der Hugenottenstadt, ist aber Dreieicher Gemarkung. Dieser Fall ist bei Weitem nicht der einzige Ausreißer, von dem Karin Eisenhauer bei der Vorstellung der Verkehrsüberwachungsstatistik für 2019 berichtet.

295 Geschwindigkeitsmessungen hat die Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung im vergangenen Jahr veranlasst. Das sind 27 Termine mehr als 2018. Allerdings wurden bei den Kontrollen nur 212 511 Fahrzeuge erfasst. Zum Vergleich: Im Jahr davor waren es fast 240 000 Fahrzeuge. Das ist auf die Standorte der ausgewählten Kontrollstellen zurückzuführen. In einer Tempo-30-Zone ist die Frequenz gemeinhin niedriger als auf einer Landes- oder Bundesstraße.

Doch obwohl weniger Autos die Messorte passierten, ist die Zahl der Tempoverstöße gestiegen. In 11 407 Fällen wurde eine Verwarnung erteilt. Das sind 651 mehr als 2018. Entsprechend häufiger, nämlich in 626 (2018: 582) Fällen, erfolgte wegen einer erheblichen Geschwindigkeitsüberschreitung – das ist der Fall, wenn die zugelassene Höchstgeschwindigkeit um 21 Stundenkilometer überschritten wird – die Weiterleitung der Ordnungswidrigkeit an das Regierungspräsidium in Kassel.

Deutlich mehr Autofahrer mussten 2019 den Führerschein vorläufig abgeben. Die Zahl stieg von 40 auf 50. Die meisten Raser gerieten außerorts in den Fokus der Kamera, doch auch innerorts waren elf Verkehrsteilnehmer so schnell, dass sie für einige Zeit auf ihren Lappen verzichten mussten. Eklatantestes Beispiel: Im Tempo-30-Abschnitt der Fichtestraße wurde ein Autofahrer mit 67 km/h gemessen. „Das tut noch mehr weh als außerhalb, weil dort viele Kinder und Jugendliche unterwegs sind“, sagt Eisenhauer.

Immerhin: „Die Zahlungsmoral ist einen Ticken besser geworden“, hat die Fachbereichsleiterin festgestellt. Von den 11 407 Verwarnungsgeldverfahren mussten mangels Zahlungseingang nur 502 an das RP weitergeleitet werden, eine minimale Verbesserung um 0,1 Prozent. Es gilt aber auch für die Parksünder. 8 577 Knöllchen wurden verteilt (2018: 9 614). Die Anzahl der Zahlungsunwilligen sank von 982 auf 834.

Von einer insgesamt „erfreulichen Entwicklung“ spricht Eisenhauer mit Blick auf die 30er Zonen, in denen die Stadt von Jahr zu Jahr weniger Geschwindigkeitsüberschreitungen verzeichnet. Hier wird verstärkt kontrolliert, auch weil viele Bürger sich eine bessere Überwachung wünschen. Die trägt Früchte. 2011 lag der Anteil der Temposünder bei 17,3 Prozent, inzwischen ist er auf 7,9 gefallen.

Demgegenüber nimmt eine gefährliche Unsitte am Steuer zu. 52 Mal leitete die Stadt Bußgeldverfahren gegen Autofahrer ein, die mit dem Handy am Ohr erwischt wurden. Das ist ein Plus von neun im Vergleich zu 2018.

Geringer fiel indes die Zahl der Rotlichtverstöße mit 305 Fällen aus – 161 weniger als im Jahr zuvor. Ein Rotlichtverstoß ist immer ein Bußgeldtatbestand. Wer die Ampel passiert, wenn sie länger als eine Sekunde rot zeigt, dem droht zudem ein vierwöchiges Fahrverbot. 2019 wurde dieses Verbot in 60 Fällen (2018: 72) ausgesprochen. Fußgänger wurden laut Eisenhauer nicht gefährdet.

Nach dem Urteil des OLG Frankfurt, dass Knöllchen nur von staatlichen Kontrolleuren ausgestellt werden dürfen, hatte die Stadt den Vertrag mit einer Sicherheitsfirma umgehend gekündigt. Einen Mitarbeiter hat sie jetzt als Hipo eingestellt.

VON FRANK MAHN

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare