Schreib- und Druckkunst zum Mitmachen

Faserbrei und Lettern-Suche: Neue Ausstellung im Dreieich-Museum

Fasern fischen wie im Mittelalter: Die Sonnenblumenschüler schöpfen ihr eigenes Papier, Museumsleiterin Corinna Molitor hilft beim Ablösen des „Blattes“.
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Fasern fischen wie im Mittelalter: Die Sonnenblumenschüler schöpfen ihr eigenes Papier, Museumsleiterin Corinna Molitor hilft beim Ablösen des „Blattes“.

„Das ist wie eine Suppe“, sagt Raphael, der fleißig in dem großen Bottich rührt. „Das ist aber kalt!“ und „Sieht irgendwie eklig aus!“, kommentieren seine Mitschüler, die sich über den großen Trog gebeugt haben, in dem gräuliche Fäden schwimmen.

Dreieich - Die Kinder der 3b der Langener Sonnenblumenschule lernen im Dreieich-Museum, wie Papier hergestellt wird – und zwar im Stile des Mittelalters. Das ist ein Teil der neuen Kinder-Mitmach-Ausstellung „Lumpen, Ruß und Tintenklecks“ zur Buchherstellung und Druckkunst, die das Museum an der Burg momentan zeigt.

„Dafür brauchen wir keinen Kleber, nur Wasser und Fasern“, erklärt Museumsleiterin Corinna Molitor zum Inhalt des Bottichs. „Aber wie kriegen wir das denn jetzt da raus?“, fragt ein Junge. Molitor macht’s vor und zeigt den Drittklässlern, wie sie mit dem Holzrahmen, in den ein Gitter eingezogen ist, das Material für ihr späteres Blatt Papier schöpfen. „Ihr müsst möglichst viele Fasern fangen“, bläut Molitor den Kindern ein. So mancher muss mehrfach im Bottich nach Fasern fischen, bis eine vorzeigbare Masse herauskommt. Wie ein Kuchen wird der Rahmen dann auf ein Stück Filz gestürzt und das Papier vorsichtig herausgelöst. Das erste fertige Exemplar entlockt den Drittklässlern ein beeindrucktes „Ohhh“. Jeder darf es mal selbst versuchen – und bald hat sich ein ansehnlicher Stapel gebildet.

„Dieser Faserbrei wurde früher aus alten Lumpen gewonnen“, erklärt Molitor. Um den Rohstoff zu beschaffen, zogen im Mittelalter Lumpensammler durch die Stadt. Das können die Kinder auf einer alten Zeichnung genauso sehen wie die erste Papiermühle Deutschlands, die 1390 in Nürnberg in Betrieb genommen wurde. Aus der zweitgrößten Stadt Bayerns kommt auch die Schau: Ihre Einzelteile stammen aus dem Nürnberger Museum im Koffer, in Dreieich ist sie dennoch eine Premiere. „Wir haben die drei Teile Papiermachen, Schreiben und Drucken hier kombiniert – im Original sind sie einzeln“, erklärt Molitor.

Jetzt geht’s ans Drucken: Wie einst Gutenberg nutzen die Kinder dafür bewegliche Lettern.

Die Ausstellung, die für fünf- bis 15-jährige Besucher geeignet ist, spannt den Bogen von der Papierherstellung über die Entstehung der ersten handschriftlichen Bibeln, wie die prächtige Wenzelsbibel, bis zur Gutenberg-Bibel – der ersten mit beweglichen Lettern. Ältere Kinder können sich in der Ausstellung auch am Schreiben mit Federkiel und Tinte versuchen und wie früher die Mönche und Nonnen prächtige Buchstaben schreiben – „mit echten Gänsekielen“, hebt Molitor hervor. Die Drittklässler wandeln jedoch gleich auf den Spuren Gutenbergs. Da ihr selbst geschöpftes Papier erst mal gut durchtrocknen muss, gibt es moderne Blätter für sie. Den Rest müssen sie aber genauso machen wie die Mitarbeiter in einer mittelalterlichen Druckwerkstatt. „Überlegt euch ein Wort und sucht die Buchstaben dafür“, fordern die Museumshelfer die Kinder auf. Sofort wuseln die Grundschüler in schwarzen Schürzen und mit knallgrünen Handschuhen los, um die passenden Lettern zu suchen. An einer Leine hängen schon fertige Drucke. Beim Wort „OKAY“ hat sich ein Fehler eingeschlichen – die letzten beiden Buchstaben stehen auf dem Kopf. Auch Raphael hat die Buchstaben schon gesammelt, um seinen Namen zu drucken. Dann rennt er noch mal los: „Mir fehlen noch zwei A“. Auch im Namen von Fußball-Idol Messi ist ein S zu wenig. Angelie kontrolliert ihren Schriftzug mit dem Handspiegel, dann trägt sie die schwarze Farbe auf, streicht alles glatt und zieht das Papier vorsichtig ab: Glück gehabt, darauf prangt „Happy“. „Das war schwierig, die Buchstaben zu legen“, gibt sie zu. Mit dem Ergebnis ist die Schülerin aber zufrieden und gibt ihren Druck an der Leine ab, wo er sich zwischen den Namen der anderen Kinder und ihrer Lieblings-Fußballvereine einreiht.

Die Ausstellung

ist bis zum 24. Mai im Dreieich-Museum, Fahrgasse 52, zu sehen – samstags von 14 bis 18, sonntags von 11 bis 18 Uhr (Eintritt frei, Spendenbasis). Kitas und Schulen können auch Führungen buchen (z 06103  84914).

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