In bunte Lichter getaucht

Musikerin Katharina Martini fängt mit der Kamera besondere Momente ein

Katharina Martini liebt es, mit ihrer Kamera durch die nächtlichen Städte zu streifen. Diese Aufnahme des Frankfurter Mainufers war in ihrer ersten Ausstellung zu sehen.
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Katharina Martini liebt es, mit ihrer Kamera durch die nächtlichen Städte zu streifen. Diese Aufnahme des Frankfurter Mainufers war in ihrer ersten Ausstellung zu sehen.

Musiker sind auf ihren Konzertreisen in vielen Städten unterwegs. Die Zeit, die ihr neben den verschiedenen Auftritten und Proben noch bleibt, nutzt Katharina Martini für Streifzüge mit der Kamera, vor allem nachts.

Dreieich – Einige Ergebnisse präsentierte die junge Dreieicher Flötistin bei einer Ausstellung in Frankfurt, als das noch möglich war. „Ich habe als Kind eine Kamera geschenkt bekommen, mit der ich alles fotografiert habe, was mir vor die Linse gekommen ist“, erzählt sie. Mit ihren musikalischen Reisen kam auch die Lust am Fotografieren zurück.

Ein Schlüsselerlebnis war ein Aufenthalt in Venedig. „Da habe ich plötzlich die Stadt aus einem neuen Blickwinkel betrachtet und es hat mir unglaublichen Spaß gemacht, die wunderschönen Bauwerke, die Architektur, die Kanäle und das Leben der Venezianer festzuhalten und die Atmosphäre der Stadt in Bildern einzufangen.“ Katharina Martini liebt es, durch Städte zu streifen. Ein besonderer Reiz sei es, das Motiv im richtigen Moment zu finden. Hinzu komme, dass sich dieses immer wieder verändert, wenn man mit dem Winkel, der Blende oder der Belichtungszeit spielt.

Bei den Konzertreisen ist ihre Nikon Spiegelreflexkamera nun immer dabei. „So kann ich originalgetreu durch den Sucher sehen.“ Das sei für sie auch etwas ganz anderes, als ein Smartphone zu nutzen. Da würde man abgelenkt, wenn Nachrichten aufblinken. Mit der Kamera versucht Martini, ihren Blick vor allem auf die nächtliche Stadt zu richten. Meist geschieht das auf dem Weg nach den Auftritten ins Hotel.

Eine erste Serie entstand so in Amsterdam, als die Flötistin vom Concertgebouw entlang der romantischen Grachten lief. „Manche Bilder entstehen zufällig, manche Orte suche ich bewusst auf.“ So informiert sich Martini meist vorher über die jeweilige Stadt und sucht nach Insidertipps. In London war sie beispielsweise auf dem Skygarden, einem tollen Aussichtspunkt mit einem hervorragenden Blick unter anderem auf die Tower Bridge oder das London Eye. In Hamburg richtete sie die Kamera von der Rooftop Bar mit einer einmaligen Perspektive auf den Hafen, die Elbe und die Innenstadt. „Von dort aus kann man fantastische Bilder von der ganzen Stadt machen.“ In Frankfurt entstanden eindrucksvolle Aufnahmen beim Drohnenspektakel zur Eröffnung der neuen Altstadt.

Die junge Dreieicher Künstlerin sieht die Fotografie als wunderbare Ergänzung zu ihrer musikalischen Tätigkeit.

Und warum unternimmt sie ihre fotografischen Streifzüge in den Abendstunden? „Speziell in der blauen Stunde und bei Nacht hat das Fotografieren für mich einen besonderen Reiz. Dann verändert sich das Bild der Stadt, alles wird in bunte Lichter getaucht. Das fasziniert mich.“ Die Auswahl am Computer erfolgt intuitiv. Maßgeblich seien die außergewöhnliche Situation oder die besondere Stimmung. „Ich kann bei der Nachbearbeitung weiterhin künstlerisch aktiv werden, mit Effekten spielen und diese verstärken.“

Mit ihrer musikalischen Tätigkeit möchte Martini das Fotografieren nicht vergleichen, sie spricht eher von einer wunderbaren Ergänzung. „Beim Fotografieren nehme ich ein Bauwerk oder die Natur mit meiner Kamera auf und zeige dem Betrachter meinen Blick darauf. Mit der Musik kann ich mein Innerstes nach Außen kehren und meine Emotionen dem Menschen weitergeben.“ Das sei eine direkte Kommunikation, ein Zauber.

In diesem Sinne plant sie weitere Ausstellungen, möglichst verbunden mit Konzerten. So war es bei der ersten Schau ihrer Bilder in der Camaleo Art Lounge in Sachsenhausen. Dort trat die Flötistin mit ihrer Duo-Partnerin Jinju Oh (Klavier) auf – unter anderem mit russischen und modernen Kompositionen – und präsentierte Ergebnisse ihrer fotografischen Streifzüge. Mit der Resonanz war sie sehr zufrieden. „Ich liebe es, mich mit den Besuchern auszutauschen.“

Und die junge Musikerin hofft, dass das bald wieder möglich ist und ausgefallene Konzerte nachgeholt werden können. Darüber hinaus warten einige Projekte wie beispielsweise zum Beethovenjahr die Aufführung einer seiner Sinfonien in einer Kammermusik-Besetzung mit Flöte, Klavier und Cello. Geplant sind im Spätsommer unter anderem Auftritte bei einem Festival für junge Künstler in Bayreuth und einem Konzert mit Frankfurter Solisten.

Besonders stolz ist Katharina Martini auch auf ihre erste CD „Meisterwerke für Flöte“, die Ende 2018 erschienen ist, mit einem breiten Spektrum von der Barockzeit über die Romantik bis zu Astor Piazolla. Erhältlich ist die CD unter anderem in Dreieicher Buchläden oder kann per E-Mail an meisterwerkefuerfloete@ gmx.de bestellt werden.

VON HOLGER KLEMM

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