Lärmbelastung

A661 bei Dreieich: Bürgerinitiative fordert Tempo 80

Seit dem Bau der Lärmschutzwand vor dem Neubaugebiet Heckenborn in Sprendlingen klagen Anwohner der A 661 auf der Dreieichenhainer Seite über mehr Krach.
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Seit dem Bau der Lärmschutzwand vor dem Neubaugebiet Heckenborn in Sprendlingen klagen Anwohner der A 661 auf der Dreieichenhainer Seite über mehr Krach.

Seit dem Bau der Lärmschutzwand an der A661 in Sprendlingen klagen Anwohner in Dreieichenhain über zunehmende Lärmbelastung. Die Bürgerinitiative fordert ganztägig Tempo 80.

Dreieich – Im Garten von Bernd Neitzel ist ein ständiges Hintergrundgeräusch zu hören, auch im Büro, bei gekipptem Fenster, ist das Rauschen der Autos aus der Ferne wahrnehmbar. „Heute ist ein guter Tag, wenn es immer so wäre, würde ich gar nichts sagen. Aber es gibt Tage, da können wir im Sommer nicht im Garten sitzen bleiben, so laut ist der Lärm von der A 661“, berichtet der Dreieichenhainer, der mit seiner Frau in der Parkstraße lebt.

Schon seit 2015 kämpft die Bürgerinitiative gegen den Lärm. Damals wurde das Neubaugebiet Heckenborn in Sprendlingen entwickelt – verbunden mit dem Bau einer gut 800 Meter langen und vier Meter hohen Lärmschutzwand entlang der Autobahn. „Damit begannen für uns die Probleme. Die schallabsorbierende Wand reflektiert nicht alles, sondern streut den Lärm zurück. Das ist eigentlich ganz pfiffig. Aber die davor gesetzten Betonleitplanken, die laut Vorschrift die Schallschutzwand im Falle eines Unfalls schützen sollen, reflektieren den Schall, bevor er überhaupt auf die Wand trifft“, hat Bernd Neitzel nach intensiven Recherchen mit Fachleuten herausgefunden. Die Folge: deutlich mehr Lärm in Dreieichenhain.

Tempo 80 auf A661 bei Dreieich im Kreis Offenbach: Lärmschutzrichtwerte erreicht

Neitzel und Christoph Ebert, beides Ingenieure, haben sich tief in die Materie eingearbeitet. „Wir sind nicht die Krawall-Menschen, wir haben uns fundiert mit der Sachlage auseinandergesetzt und Hilfen bei Universitäten und Hochschulen gesucht“, sagt Neitzel. Die Bilanz fällt nach viel investierter Zeit mager aus: Erreicht hat die BI bislang nicht viel, der Lärm ist noch immer da. Es sei ein physikalisches Problem mit medizinischer Auswirkung. Aber weder Physik noch Medizin interessiere, welche Couleur die Politik hat, betont Neitzel.

Die in Deutschland zulässigen Richtwerte werden in Dreieichenhain erreicht. „Lärm wird nicht gemessen, ein Durchschnittswert wird berechnet“, erläutert Neitzel. Während er selbst Spitzenwerte bis zu 90 Dezibel (dB) in seinem Garten aufgenommen hat, gelten offiziell die berechneten Werte, die in der Danziger Straße auf einzelnen Grundstücken Höchstwerte bis zu 70 dB im Durchschnitt erreichen. Welche Lösungen gibt es? Der Bau einer zweiten Schallschutzmauer auf Hainer Seite wurde aus Kostengründen früh abgelehnt. Die wichtigste Forderung von Neitzel und Ebert ist jetzt, die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der A 661 auszuweiten. Nachts zwischen 22 und 6 Uhr gilt auf dem rund drei Kilometer langen Streckenabschnitt Tempo 80. „Die Unterschiede nehmen wir deutlich wahr. Übrigens ist es in den Randstunden, etwa um sieben und um 21 Uhr, fast lauter als zur Hauptverkehrszeit, weil dann bei freier Autobahn schneller gefahren wird“, erklärt der Dreieichenhainer. Tempo 80 auch tagsüber hat im Jahr 2016 Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) in Wiesbaden abgelehnt. Das sorgt für Unverständnis.

Kreis Offenbach: Lärmschutz auf der A661 Dreieich: Tempo 80 würde Entlastung bringen

„Das würde uns sieben bis acht dB Entlastung bringen und ein Tempolimit ist sicher deutlich günstiger als die Ausstattung eines ganzen Viertels mit Lärmschutzfenstern“, sagt Neitzel. Eine weitere Chance sei schlicht vertan worden: Der Asphalt auf der Autobahn wurde 2017 saniert. Hessen Mobil habe damals Flüsterasphalt angekündigt. Recherchen der BI haben ergeben: Aufgebracht wurde ein Material, das eine Lärmminderung von zwei dB bringt, dabei gibt es moderne Materialien, die acht dB versprechen.

Die BI ist über die Jahre gewachsen, es sind inzwischen 120 Anwohner aus Dreieichenhain, aber auch aus dem Heckenborn und anderen Teilen von Sprendlingen, die sich von dem Autobahnlärm gestört fühlen. „Wir geben nicht auf. Wir wollen keine Orden und kein Geld, wir wollen am Schild zum Tempolimit den Zusatz von 22 bis 6 Uhr abgeschraubt haben. Ich bin sicher, dass es keinen Aufschrei bei den Autofahrern geben würde. Sie verlieren im Vergleich zu Tempo 130 auf den drei Kilometern 67 Sekunden auf der Strecke. Das ist zu verkraften, wenn es die hier lebenden Menschen leiser haben“, sagt Neitzel abschließend. Auch ein Erdwall als Lärmschutz auf Dreieichenhainer Seite sollte diskutiert werden.

Tempo 80 auf der A661 bei Dreieich: Rechtsweg als letzte Lösung

Welche Möglichkeiten hat die BI noch? „Der nächste Schritt wird ein Antrag auf Geschwindigkeitsbeschränkung beim Land Hessen sein“, kündigt Ebert an. Wird dieser abgelehnt, bleibt der BI nur noch der Rechtsweg. Das schließen die beiden Hauptverantwortlichen nicht aus: „Dann stünde vermutlich eine Vereinsgründung an, um die Kosten über Spenden gegen Spendenquittung decken zu können“, so Ebert.

Wer sich für die BI interessiert, kann sie unter der E-Mailadresse miristzulautA661@gmail.com erreichen. Weitere Infos gibt es auf bi-A661.info, der gerade erst veröffentlichten Internetseite. (Von Nicole Jost)

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