Dieses Jahr anders 

Offene Gärten Dreieich – Mit Feuerlilien und sieben Kräutern

Trotz Absage ein Einblick: Gartenbesitzerin Natascha Schmidt (rechts) und Kim Bagus im grünen Paradies, das unter anderem durch die schöne Frühstücksterrasse bezirzt. Schmidt ist dann bei den Offenen Gärten 2021 dabei. Foto: jost
+
Trotz Absage ein Einblick: Gartenbesitzerin Natascha Schmidt (rechts) und Kim Bagus im grünen Paradies, das unter anderem durch die schöne Frühstücksterrasse bezirzt. Schmidt ist dann bei den Offenen Gärten 2021 dabei.

Normalerweise hätten am Wochenende wieder die Offenen Gärten Neugierige nach Buchschlag gelockt: Doch dieses Jahr ist es nicht möglich, dass Gartenbesitzer ihre Prachtstücke in der Villenkolonie präsentieren. 

Buchschlag – Als kleines Schmankerl haben wir aber ein besonders schönes Exemplar besichtigt. Der große, rote Ahorn ist ein besonderes Schmuckstück im Garten von Natascha Schmidt. Der alte Baum, erklärt die Buchschlager Gemälderestauratorin, sei von einem Fachmann einst als „Rarität“ bezeichnet worden. Mit seinen gleich drei gesunden Stämmen ist er der erste Blickpunkt, wenn man das grüne Areal hinter dem Haus betritt. „Ich nenne unseren Garten auch manchmal die grüne Hölle. Es ist ja doch eher natürlich hier und manchmal wachsen mir die Pflanzen auch schon mal über den Kopf“, sagt Schmidt mit einem Lächeln.

Trotz der beachtlichen Größe erledigt sie alle Arbeiten selbst, ein Gärtner kommt für die Liebhaberin nicht in Frage. Ihr Vater hat das grüne Paradies einst angelegt, er hatte selbst ein Faible für englische Gärten und besondere Sichtachsen. Die versetzte Hainbuchenhecke, die das Areal begrenzt und Nischen bildet, die nahezu nach füllenden Skulpturen rufen, ist nur ein Beispiel dafür. Seit 2007 lebt Natascha Schmidt wieder in Buchschlag, mit ihrem Mann, vier Kindern und dem Hund im Elternhaus.

Von grüner Hölle kann in diesen letzten Junitagen aber keine Rede sein, es ist eine wahre Oase der Ruhe und Erholung, in gepflegt natürlicher Umgebung, die auch die Eichhörnchen und Vögel der Villenkolonie schätzen. Die zahlreichen Rosen stehen in voller Blüte, neben dem Haus scheinen die Feuerlilien fast zu brennen, so orange-rot leuchten sie und in einem Hochbeet sprießt der Sauerampfer und die vielen Kräuter verströmen ihren Duft. „Den Brokkoli, der jetzt eigentlich erntereif war, haben die Vögel schon verspeist“, nimmt Schmidt den Mundraub mit Humor. Der Familie bleiben aber alle sieben Kräuter für die echte Frankfurter Grüne Soße und aromatische Wilderdbeeren, die prächtig gedeihen, landen jeden Morgen im Frühstücksmüsli.

Gleich zwei lauschige Sitzplätze hat Schmidt in dem Garten geschaffen, einen auf einer winzig aufgeschütteten Anhöhe mit Blick aufs Haus und einen zweiten, die Familienterrasse, die mit Morgensonne ein perfekter Open-Air-Frühstücksplatz ist. Die leidenschaftliche Gärtnerin verrät: „Ich kaufe ganz selten mal Pflanzen. Viele der Rosen, die hier heute blühen, sind gerettet – aus den Gärten der Nachbarschaft.“ In den vergangenen Jahren wurden viele der alten Jugendstilvillen abgerissen und der Garten dabei komplett umgegraben. „Ich mag es gar nicht, wenn Pflanzen sterben. Ich habe dann vorher die neuen Besitzer gefragt, ob ich sie mir ausgraben darf.“ So kommen auch die kleinen Buchsbäumchen auf die Terrasse.

All diese Schönheit hätten dieses Wochenende rund tausend Besucher der Offenen Gärten in Buchschlag sehen sollen. Zum ersten Mal wollte Natascha Schmidt, die die Veranstaltung viele Jahre begleitet, ihren Garten selbst öffnen. Die 15. Veranstaltung, die inzwischen Gäste aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet, aber auch aus Hamburg, München oder Wien anzieht, die durch sonst verschlossene Gärten wandeln dürfen, muss wegen der Corona-Pandemie ausfallen. „Der Garten der Familie Schmidt wäre unser Hauptgarten gewesen, der zentrale Treffpunkt, wo die Pflanzenbörse, das Konzert mit den zauberhaften Rotkehlchen und das gemeinsame Essen stationiert ist“, bedauert Kim Bagus, stellvertretende Vorsitzende des gastgebenden Buchschlager Geschichtsvereins. Schon im April fiel die Entscheidung – wegen der nicht vorhandenen Planungssicherheit – die diesjährige Veranstaltung abzusagen. „Wir hätten die Offenen Gärten jetzt sowieso nicht durchführen können. Und ein mögliches Infektionsgeschehen bei unserer Veranstaltung wäre der Tod der Offenen Gärten gewesen. Wir tragen schon genug Verantwortung und sind sehr vorsichtig, dass nichts passiert“, betont Bagus. Sie habe gerade in den letzten Tagen viele Anrufe erhalten, ob es nicht doch klappen könnte – aber die 15. Ausgabe des größten, nicht kommerziellen Gartenfests der Region muss auf nächstes Jahr warten. „Wir haben schon mit allen Gartenbesitzern gesprochen, wir können das komplette Programm auf 2021 verschieben und freuen uns schon jetzt“, sagt Bagus. Am 20. Juni 2021 dürfen Besucher dann durch die Kleinode wandeln und Schmidt zeigt erstmals ihr Paradies. (VON NICOLE JOST)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare