Offenthal

Umdenken angesagt: Nahversorgung in Offenthal langfristig sichern

Um die Nahversorgung in Offenthal (Dreieich) langfristig zu sichern, soll der Magistrat sich für eine Änderung des Flächennutzungsplans stark machen (Symbolbild).
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Um die Nahversorgung in Offenthal (Dreieich) langfristig zu sichern, soll der Magistrat sich für eine Änderung des Flächennutzungsplans stark machen (Symbolbild).

Um die Nahversorgung in Offenthal (Dreieich) langfristig zu sichern, soll der Magistrat sich für eine Änderung des Flächennutzungsplans stark machen.

Dreieich – Die Zukunft der Nahversorgung in Offenthal treibt nicht nur die Bürger des Stadtteils um, sie ist auch ein immer wiederkehrendes Thema auf dem politischen Parkett. Nachdem Rewe den Standort in der neuen Ortsmitte als endlich erklärt hat und offenbar auch kein anderer Lebensmittler die Lage für gewinnbringend hält, ist ein Umdenken angesagt. CDU und SPD haben dabei den Schulterschluss geübt und zwei zunächst getrennt vorgelegte Anträge in einen gemeinsamen gegossen. Dessen Ziel ist es, die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Ansiedlung eines Marktes am südwestlichen Ortsrand zu schaffen. Im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Energie regt sich am Dienstagabend zwar leichter Widerstand, aber letztlich geht der Antrag – bei Enthaltung von Grünen und FDP – einstimmig durch.

Eine lebendige Ortsmitte mit einem intakten Einzelhandel – so wäre es allen am liebsten. Im Fall von Offenthal ist diese Idealvorstellung ziemlich weit von der Realität entfernt. „Wir müssen der Wahrheit ins Gesicht sehen“, sagt SPD-Fraktionschef Holger Dechert. Er erinnert an eine Umfrage seiner Partei aus dem Jahr 2012. Von knapp 90 Bürgern, die sich beteiligten, sprachen sich 58 für einen Umzug des Rewe-Marktes auf die grüne Wiese aus. Nachdem der Konzern erklärt habe, in den aktuellen Standort nicht mehr investieren zu wollen, sei es höchste Zeit zu handeln. Als Standort kommt aus Sicht von SPD und CDU nur die Fläche direkt neben dem Autohaus Milzetti infrage, direkt an der Straße Im Stadtgäßchen. Ein Markt dort sei von der Ortsmitte aus am besten zu erreichen, so Karin Holste-Flinspach (CDU).

Doch es gibt auch Bedenken. „Wir wollen doch die Zentren lebendig halten. Wir tun genau das Gegenteil“, moniert Dr. Heidi Soboll (Grüne) und fragt in die Runde: „Warum geben wir Offenthal denn so schnell auf?“ Wenn es in der Borngartenstraße keinen Markt mehr gebe, sei die Ortsmitte mehr oder weniger tot.

Es sei Konsens der Stadtpolitik, „Ortszentren so lange zu schützen und erhalten, wie es geht“, entgegnet Bürgermeister Martin Burlon (parteilos). Doch für Rewe und andere Anbieter sei die Offenthaler Ortsmitte „keine dauerhafte Option“. Deshalb müsse man sich notgedrungen dem Thema Ortsrand widmen. „Es besteht die Gefahr, dass Rewe irgendwann den Geschäftsbetrieb einstellt und kein anderer in die Liegenschaft zieht“, warnt der Rathauschef. „Wir müssen uns Gedanken machen für den Fall, dass keiner mehr die Mitte bedienen will.“

Gleichwohl mahnt Burlon ein „strukturiertes Vorgehen“ an. Auf seine Anregung hin wird der Antrag von CDU und SPD bis zur Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses um einen Passus ergänzt. Demnach soll der Magistrat in Gesprächen mit den Eigentümern abklären, wie es um die Verfügbarkeit der Grundstücke bestellt ist. Kontakt gebe es bereits, sagt Burlon.

Wenn das Stadtparlament Ende März der Ausschussempfehlung folgt, ist der Magistrat am Zug, beim Regionalverband eine Änderung des Flächennutzungsplans zu beantragen „sowie alle weiteren für die Entwicklung des Areals notwendigen Schritte mit dem Ziel, bis spätestens 2022 Baurecht zu schaffen, einzuleiten“ – im besten Fall auf dem Weg eines vorhabenzogenen Bebauungsplans mit einer Kostenübernahme durch ein Einzelhandelsunternehmen. Der Markt, so schwebt es den Antragstellern vor, sollte eine Verkaufsfläche von etwa 1 200 Quadratmetern haben. Dr. Günter Gericke hält eine solche Vorgabe nicht für klug. „Das sollte man dem Verband und potenziellen Investoren überlassen“, meint der FDP-Mann. „Die Zahl ist nur ein Richtwert“, sagt Holger Dechert. Karin Holste-Flinspach ergänzt: „Wenn ein Anbieter hundert Quadratmeter mehr plant, wird es daran nicht scheitern.“

Von Frank Mahn

Ein weiteres drängendes Thema in Dreieich: Die Verlängerung der Straßenbahn bis zum Sprendlinger Bahnhof. Jetzt zeichnet sich ab, dass es dazu bald Untersuchungen geben könnte.

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