Gotteshaus öffnet wieder nach Renovierung

Offenthaler Kirche strahlt dank Bier-Lasur in neuem Glanz

Goldiges Schmuckstück: An der Orgel des Offenthaler Gotteshauses fanden die Restauratoren sogar Echtgold.

Offenthal – Pfarrer Marcus Losch macht‘s spannend. Seit August waren die Gemeindemitglieder nicht mehr in ihrer Kirche. Zur Wiedereröffnung des Offenthaler Gotteshauses gibt es erst ein Glas Sekt im Festzelt im Kirchgarten. Von Nicole Jost

Erst nachdem das minutenlange Glockengeläut verklingt, öffnen sich die dunkelbraunen, noch nach Farbe riechenden Kirchenpforten knarrend. Bürgermeister Dieter Zimmer fragt beim Anblick der voll besetzten Kirche schmunzelnd: „Ja ist denn schon Weihnachten?“ Währenddessen lassen die rund 250 Besucher am Samstagnachmittag staunend ihre Blicke gen Decke und Empore schweifen. „Ein Schmuckstück“, sind sich viele von ihnen sicher: Die Kirche besticht durch die petrolblaufarbene Empore, dunkelbraun lasierte Kirchenbänke, edle, neue Beleuchtung und in Weiß-Gold gefasste Orgel.

Spannend, amüsant und sehr verständlich erläutern Restauratorin Katrin Elsner, Architekt Andreas Hein und Jörg Held, Meister im Vergolder-Handwerk und Geschäftsführer der Firma Steuernagel und Lampert, in einer Expertenrunde, welch ein Abenteuer die Restaurierung der Kirche aus dem 15. Jahrhundert war. Sie beantworten auch die Fragen des Publikums.

Zufrieden ist auch Pfarrer Marcus Losch.

Marcus Losch räumt dabei auch ein für alle Mal mit dem Gerücht auf, dass seine Vorgänger in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten das Innenleben der Kirche willkürlich grün angestrichen hatten. Denn Restauratorin Elsner bestätigt, dass sie bei den detaillierten Proben im Holz der Empore meist grüne Farbe auf ihrem Spatel hatte. Aber der Hartnäckigkeit von Timo Seibert, dem Denkmalschutzbeauftragten der Kirche, ist es zu verdanken, dass es zu einer Pigmentuntersuchung der alten Farbschichten kam. Er hatte in alten Kirchenbüchern entdeckt, dass sich ein Pfarrer vor mehreren hundert Jahren eine blaue Kirche gewünscht hatte. Und wirklich: Die Probe ergab, dass die ursprünglich blaue Farbe durch das Bindemittel chemisch zu Grün reagiert hatte. Bei jeder Innensanierung (1770, 1822, 1906, 1954 und 1980) wurde also nur Grün nachgestrichen, in dem Glauben, das sei die ursprüngliche Farbe gewesen.

Großer Andrang.

Und noch mehr Entdeckungen gab es während der Restaurierung: Im Kanzeldeckel fanden die Fachleute ein Apostelkreuz, das wiederhergestellt wurde. Und die Pigmente an der Orgel, der Kanzel und der Empore – so verrät der Goldmaler – bestehen sogar aus 23 ¾-karätigem Echtgold.

Jörg Held lässt sich in der Expertenrunde in seine handwerklichen Karten blicken: Um die besondere Holzoptik der braun gestalteten Bänke zu erreichen, hat er mit einer speziellen Bier-Lasierung und historischen Rosshaarpinseln gearbeitet. „Nur mit diesem Pinselhaar erreichen wir die jetzt hergestellte Struktur. Wir kaufen bei Ebay sämtliche historischen Werkzeuge auf, weil wir sie für solche Arbeiten brauchen“, verrät der Handwerker schmunzelnd.

Marcus Losch ist mehr als zufrieden mit seinem „neuen, alten“ Schmuckstück. „Die Kirche hat mehr Helligkeit und Raum. Wenn ich sie betrete, habe ich den Eindruck, ich komme in eine größere Kirche.“ Er bedankt sich ausdrücklich bei den Fachleuten, die mit viel Leidenschaft und Liebe zum Detail an der Offenthaler Kirche gearbeitet haben. Mit einem selbstgedichteten Musikstück zu „Marmor, Stein und Eisen bricht“ haben der Organist Klaus Reitz und Gitarrist Carsten Otremba ein besonderes Geschenk für Kirche und Gemeinde parat.

Instrumente richtig säubern und lagern

Bei allem Augenmerk auf eine historisch passende Innenraumgestaltung wurde auch modernste Technik verbaut. Thorsten Kamper, der Vorsitzende des Bauausschusses der Gemeinde, präsentiert die neue Lichtanlage der Offenthaler Kirche, die mit dem Smartphone per Bluetooth gesteuert wird. „Wir können jetzt für jeden Anlass die richtige Licht-Atmosphäre schaffen“, freut sich Pfarrer Losch darüber.

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