Quallen gegen die Leere

Kunst dazwischen: Ilse Dreher zeigt farbenfrohe Medusen-Installation vor der Parkterrasse Dreieich

Luft, Liebe und Quallen: Ilse Dreher bespielt den Zuschauerraum vor der Parkterrasse am Bürgerhaus mit ihren farbenfrohen Medusen. Ihre Werke hat die Kunsttage-Organisatorin aus Stoff und UV-Licht-Schläuchen gefertigt. Die Aktion ist nur ein kleiner Trost für die abgesagten Kunsttage. Fotos: jost
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Luft, Liebe und Quallen: Ilse Dreher bespielt den Zuschauerraum vor der Parkterrasse am Bürgerhaus mit ihren farbenfrohen Medusen. Ihre Werke hat die Kunsttage-Organisatorin aus Stoff und UV-Licht-Schläuchen gefertigt. Die Aktion ist nur ein kleiner Trost für die abgesagten Kunsttage.

Die Besucher der Open-Air-Veranstaltungsreihe „Luft & Liebe“ auf der Bürgerhaus-Terrasse können sich über Kultur in ihrer ganzen Bandbreite freuen.

Dreieich - Neben Musik, Kabarett und Comedy bekommt auch bildende Kunst ihren Platz: Ilse Dreher, Initiatorin der Dreieicher Kunsttage, belebt den Spielort mit farbenfrohen Installationen und entführt das Publikum mit ihren Medusen in eine Unterwasserwelt. Zur Premiere am Freitag, 3. Juli, mit Musiker und Comedian Andy Ost können Besucher die Werke bewundern.

Für das Format „Kunst dazwischen“ hat Dreher die 50-teilige Installation gefertigt, die die Terrasse in Szene setzen soll. „Bürgerhaus-Chef Benjamin Halberstadt hat mich angesprochen und gemeinsam haben wir das Konzept entwickelt. Es geht vor allem darum, dafür zu sorgen, dass es vor der Bühne bei den coronabedingt weit auseinanderstehenden Tischen und Stühlen kein bisschen traurig aussieht“, erklärt die Dreieicher Künstlerin schmunzelnd. Die Medusen sehen fröhlich aus, mit ihren bunten Köpfen mit rund 30 Zentimeter Durchmesser. Sie sitzen auf ein Meter hohen Aluminiumstäben, die das Bürgerhaus-Team gebaut hat.

Der besondere Hingucker sind die farbenfrohen Tentakeln, die aus insgesamt 120 Metern leuchtenden UV-Licht-Schläuchen hergestellt sind, und vom Kopf nach unten hängen. „Ich habe bei den Stoffen für die Körper auf acht Farben gesetzt. Dadurch, dass ich darunter unterschiedliche Körbe verbaut habe und der Stoff auch ein bisschen changiert, sieht es nach einem noch größeren Farbenspiel aus“, erklärt Dreher. Die Tentakel könnten mit Schwarzlicht auch zum Leuchten gebracht werden. „Aber wir wollen die Installationen ja nicht zum Mittelpunkt machen. Die Konzentration wird voll und ganz auf dem Geschehen auf der Bühne liegen“, so Dreher.

Die Künstlerin ist froh, dass der Kultursommer in Dreieich nicht ganz ausfallen muss: „Es ist toll, dass es für die Burgfestspiele und die Veranstaltungen im Mais einen kleinen Ersatz gibt und die Menschen unter freiem Himmel Konzerte und Kabarett erleben können“, sagt Dreher. Natürlich sei die „Kunst dazwischen“, wie sie ihre Installation getauft hat, kein vollwertiger Ersatz für die „Kunst in der Burg“. Dort hätte sie ein anderes Werk realisiert, das explizit zu den historischen Burgmauern gepasst hätte.

Für die Kunsttage ist die Pandemie, die den Ausfall aller Ausstellungen zur Folge hat, ein herber Rückschlag – schließlich hätten Initiatoren, Künstler und Kunstliebhaber den 30. Geburtstag der Veranstaltung gefeiert. „Wir hatten ein schönes Programm mit einer Ausstellung bei der Volksbank vorbereitet, bei der wir erstmals den Außenbereich in Sprendlingen mit bespielt hätten. Es war auch eine Schau im Galerieraum geplant. Eben ein ganzes Jubiläumsjahr mit 30 Künstlern, die uns die vergangenen 30 Jahre begegnet sind und uns begleitet haben. Unter anderem wäre Barbara Beisinghoff für eine Aktion im Rathaus gekommen“, erzählt Dreher von den Plänen mit der Künstlerin, die einst in Buchschlag lebte und schon seit vielen Jahren in Nordhessen wohnt. Ausstellungen wären ja vielleicht durchaus trotz Pandemie denkbar gewesen – aber ganz ohne Vernissagen und die vielen Besucher wäre das Jubiläum einfach nicht richtig zur Geltung gekommen. Aber für vieles in diesen Tagen gilt auch für die Kunsttage: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. „Wir feiern 2021 eben Dreißig plus eins“, sagt Dreher motiviert. Viele Künstler seien auch im kommenden Jahr an Bord, um den runden Geburtstag der Kunsttage zu feiern.

Von Nicole Jost

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