Blick hinter die Kulissen

Potsdamer „Poetenpack“ glänzt mit Liebeskomödie von Marivaux

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Ganz entspannt zeigen sich die Schauspieler Jörg Vogel, Julia Borgmeier, Felix Isenbügel, Clara Schoeller, Martin Ludwig, Andreas Klopp und Willi Händler vor der Aufführung.

Kurz nach halb Sieben am Mittwochabend sind schon die ersten Besucher der Burgfestspiele eingetroffen und lassen es sich gut gehen. Gleichzeitig ist auf der Bühne einiges los.

Dreieichenhain – Die sieben Akteure des Potsdamer Theaters Poetenpack, die wenig später die Liebeskomödie „Das Spiel von Liebe und Zufall“ von Marivaux zeigen, sind damit beschäftigt, sich mit dem Burggarten vertraut zu machen. Sie reißen kurz Szenen an, um ein Gefühl für die Bühne zu bekommen, und schauen nach Auf- und Abgängen. Denn während der Aufführung werden sie auch in den Zuschauerreihen unterwegs sein.

„Ich habe das Stück in Magdeburg in einem ähnlichen Ambiente erlebt“, erzählt Wolfgang Barth, der für das Programm der Burgfestspiele zuständig ist. Ihm gefällt das „amüsante Stück“ mit flottem Tempo. Er verspricht nicht zu viel.

Hinter der Bühne ist noch alles ruhig. Dort ist während der Festspiele eine kleine Zeltstadt entstanden, ergänzt durch Hütten, Container und einem Wohnwagen. In dem Bereich können sich die Künstler zurückziehen, die Techniker und Bühnenarbeiter finden aber auch alles, was sie brauchen. Barth öffnet eine Werkstatt mit jeder Menge Bohrern, Schraubenschlüsseln und vielem mehr.

In der Nähe liegen die beiden Garderoben, ausgestattet auch mit Sofas. Die Potsdamer benötigen nur eine, wo die Kostüme aufgehängt sind. Was passiert bei Produktionen wie der „Italienischen Opernnacht“ mit zahlreichen Akteuren? „Die meisten Musiker haben sich bereits umgezogen, wenn sie mit ihren Instrumenten vom Bus kommen“, erzählt Barth. Etwas anders wird es bei den Musical-Aufführungen „Saturday Night Fever“ aussehen, wenn auch viele Tänzer dabei sein werden. Barth weist noch auf eine Besonderheit im Bereich hinter der Burgkirche hin. Dort findet sich ein Jacuzzi, der zum Entspannen einlädt.

So nach und nach finden sich die Mitarbeiter ein, die ihre einheitlich roten T-Shirts anziehen und sich für ihren Einsatz beispielsweise am Einlass fit machen. Im Technik-Häuschen am Rande des Zuschauerraums bereitet Oliver Derks alles vor, der für das Licht verantwortlich ist. Er erwartet einen entspannten Abend, da bei der Aufführung erst spät und dann ein gleichmäßiges Licht benötigt wird. „Bei Varieté unter Sternen sieht das anders aus. Dann bereiten wir mit den Künstlern einen Tag lang das Licht vor“, berichtet er.

Zuständig fürs Licht ist Oliver Derks.

Auch Stefan Mayer, der für den Ton zuständig ist, sieht an dem Abend keine Probleme auf sich zukommen. Von seinem Pult auf der Tribüne verweist er auf die Richtmikrofone, die am Rande der Bühne montiert sind. „Die brauchen wir bei den Theateraufführungen, um den Ton leicht zu verstärken“, erklärt er. Einzelkünstler wie Sänger oder Kabarettisten werden dagegen mit Headphones ausgestattet. Barth freut sich über das eingespielte Team, zu dem noch weitere Personen gehören. „Viele haben bei uns gelernt, sind das Jahr über mit bekannten Künstlern unterwegs und kommen zu den Festspielen wieder.“

So langsam kommen auch die Schauspieler von der Probe. „Das ist ein schöne Anlage hier“, lobt Willi Händler, der den Monsieur Orgon spielt. Für ihn und seine Kollegen kommt es an den jeweiligen Aufführungsorten darauf an, sich mit der Bühne und den Abmessungen vertraut zu machen. Doch das geht beim „Spiel von Liebe und Zufall“ relativ schnell, da das Team mit der Produktion gut vertraut ist. „Wir haben diese bestimmt schon 35 mal gespielt, drinnen und draußen“, berichtet er. Insgesamt ist das Poetenpack mit bis zu zehn Stücken regelmäßig auf Tour. Entstanden ist die Komödie für das Heckentheater im Park von Sanssouci. Passend zum Ambiente wird dort auf historische Stücke gesetzt. „Aktuell spielen wir Romeo und Julia.“ An dem Marivaux-Stück schätzt Händler die Beziehungskonstellationen und deren Entwicklung. „Es ist intelligent, eine Komödie mit Raffinesse“, verspricht er. Und die wird vom Poetenpack mit viel Witz umgesetzt, lässt sich hinzufügen. Zuvor finden die Akteure noch Zeit für ein Gruppenfoto. „Viel Spaß bei der Aufführung“, ruft ein Schauspieler.

Mächtig ins Zeug legt sich das Ensemble des Theaters Poetenpack dann bei der Aufführung.

Und den haben die schnell in den Bann gezogenen Zuschauer. Die Spielfreude, die schon bei den Proben deutlich wurde, zeigt das Ensemble auch bei der Aufführung. Die Geschichte um Silvia und Dorante, die von ihren Vätern füreinander bestimmt sind, aber mit ihren Dienern die Rolle tauschen, um sich unerkannt kennenzulernen, wird mit viel Schwung erzählt. Dabei dürfen auch derbe Späße nicht fehlen. Die Liebeswirren werden untermalt von wunderbar passenden Beatles-Songs, dargeboten vom Gitarristen Martin Ludwig und gesungen von Felix Isenbügel. Es ist perfektes Sommertheater, das vom Publikum gefeiert wird.

VON HOLGER KLEMM

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