Barbara Schindler und Markus Buss

Gottes Wort geht online: Predigt von Pfarrerehepaar im Internet

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Gottesdienst vor leeren Kirchenbänken in Dreieich.

In Dreieich geht ein Pfarrerehepaar mit seinem Gottesdienst jetzt Online. Am Sonntagmorgen um zehn Uhr können Predigt und Gebet über die Webseite abgerufen werden.

Dreieich –  Der Scheinwerferspot ist auf Barbara Schindler und Markus Buss gerichtet, die Kamera läuft und das Pfarrerehepaar begrüßt seine Gemeinde im ersten Online-Gottesdienst in der mehr als 300 Jahre alten Geschichte der Burgkirche. Pünktlich am Sonntagmorgen zur gewohnten Zeit um 10 Uhr flimmern das gemeinsame Gebet und die Predigt über die Seite von www.of-tv.de.

Die beiden stehen bei der Aufzeichnung am Samstag nicht auf der Bühne in einem Fernsehstudio, sie haben ihren gewohnten Platz vor dem Altar der Burgkirche eingenommen. Noch bei den Stellproben mit Kameramann Thorsten Jaschek sagt Barbara Schindler, wie eigenartig es ist, vor leeren Bänken zu predigen: „Eine fast absurde Situation!“ Aber die Pfarrerin ist froh, dass sie Gelegenheit bekommt, zu den Menschen zu sprechen. „Dass wir bis Ende der Osterferien keine Gottesdienste mehr feiern dürfen, ist für uns und auch unsere Gemeindemitglieder ein sehr schmerzhafter Einschnitt“, sagt Schindler. Kirche müsse jetzt kreativ werden, um zu zeigen, dass sie da sei, dass Gott da sei, obwohl die Menschen derzeit nicht in die Kirchen gehen können. Umso mehr habe sie sich über die Möglichkeit des Online-Gottesdienstes gefreut: „Wir müssen eben alle Abstand voneinander halten, damit keiner der Gefahr ausgesetzt ist, sich möglicherweise anzustecken“, betont Schindler.

Aus diesem Grund ist die Zahl der Akteure vor der Kamera auf ein Minimum begrenzt. Das Pfarrerehepaar hält den Gottesdienst, Susanne (Keyboard) und Marlene Bruch (Querflöte), Mutter und Tochter, machen die Musik und Tanja Schmidkunz singt die Kirchenlieder. Es ist gar nicht so leicht für Thorsten Jaschek, alle fünf auf ein Bild zu bekommen und dabei den Mindestabstand von 1,50 Meter einzuhalten – aber es gelingt. Und dann gilt es: Kamera läuft, Ton ab. Der Kameramann filmt den Gottesdienst in einem Stück durch. Nichts soll nachher geschnitten werden, alles soll möglichst authentisch sein, wie eben in jedem Gottesdienst in der Burgkirche.

Tanja Schmidkunz übernahm den Gesang beim Online-Projekt in der Burgkirche. 

In der Predigt und den Gebeten wird schnell deutlich, dass sich die Menschen in diesen Tagen in einer absoluten Ausnahmesituation befinden. „Wir haben uns lange Gedanken darüber gemacht, in welche Richtung dieser besondere Gottesdienst gehen soll. Es darf kein Jubel- und Trubelgottesdienst sein, das passt nicht. Aber ebenso wenig wollen wir bei aller Sorge und Angst darüber, wohin uns das Virus und seine Folgen noch führen wird, zu düstere Stimmung verbreiten“, sagt Buss.

Das Ehepaar trifft den richtigen Ton, zieht Bibeltexte zum Vergleich heran, in denen die Menschen in Jerusalem beinahe keine Hoffnung mehr hatten und Gott Zuversicht und Hoffnung spendet. Die Pfarrer vergleichen die Menschen in dieser Ausnahmesituation mit einem weinenden Baby, das Trost der Mutter braucht, den Gott spenden kann. Das Paar benennt auch die Ängste der Menschen vor Krankheit, dem möglichen Verlust geliebter Menschen, existenzielle Sorgen, fallende Börsenkurse. Der Einkaufswagen voll mit Toilettenpapier sei nur ein Zeichen dieser Angst.

Auch wenn die Situation vielleicht sogar noch bedrückender werde, ist Schindler überzeugt: Eines Tages sitzen die Menschen wieder in der schönen Burgkirche, küssen sich zur Begrüßung bei einer spontanen Begegnung auf der Fahrgasse, die Kinder gehen wieder ins Basketballtraining und in die Schule. Die Pfarrer sind aber auch sicher, dass die Welt nach Corona eine andere sein wird: „Hoffentlich mit einem höheren Bewusstsein für Verletzlichkeit, vielleicht sind wir dankbarer für Kleinigkeiten und solidarischer.“

Buss und Schindler schildern im Gottesdienst auch Privates, wie sie die Mehrzeit im Kreis der Familie nutzen. „Ich habe mit den Kindern eine Runde Mario Kart gespielt, haushoch verloren und wurde dafür sogar noch ausgelacht“, erzählt Schindler.

VON NICOLE JOST

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