Detailplanung steht noch aus

Anwohner-Protest gegen Radschnellweg: Flugblatt mit abenteuerlichen Behauptungen verteilt

Der Radweg quert die Schienen der Dreieichbahn.
+
Harte Nuss für Planer: Der Radweg quert hier die Strecke der Dreieichbahn.

Der Radschnellweg zwischen Frankfurt und Darmstadt führt auch durch Dreieich. Und er hat nicht nur Fans. Unlängst tauchte ein Flugblatt mit abenteuerlichen Behauptungen auf.

  • Der Radschnellweg soll auch Radfahren in Dreieich verbessern.
  • Er entsteht zwischen Frankfurt und Darmstadt.
  • Doch der Radschellweg in Dreieich hat Gegner und die sind jetzt aktiv geworden.

Dreieich – Mehr Platz, ein Plus an Sicherheit, beleuchtet, asphaltiert, komfortableres und zügiges Fahren – diese Eigenschaften zeichnen den idealen Radweg aus. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist eine möglichst direkte Verbindung, um von A nach B zu kommen. In der Region entsteht derzeit ein Radschnellweg zwischen Frankfurt und Darmstadt. Doch nicht immer lässt sich die Trassenführung so gestalten wie zwischen Egelsbach und Wixhausen, wo sie schnurgerade an der Bahnstrecke lang verläuft. Zwischen Dreieich und Neu-Isenburg lässt sich diese Lösung nicht umsetzen (siehe Infobox). Die Route führt deshalb in einer Art Zickzackkurs durch Sprendlingen – was jetzt zu Protesten von Anwohnern führt.

Dreieich: Gegen den Radschnellweg geht ein Flugblatt mit abenteuerlichen Behauptungen um

Viele Sprendlinger fischten in diesen Tagen ein anonymes, reißerisch aufgemachtes Flugblatt aus ihrem Briefkasten. Da werden teils abenteuerliche Behauptungen in die Welt gesetzt. Die Rede ist von einem Prestige-Projekt der Fahrradlobby. Unter anderem heißt es darin, „dass wir hier einen teuren Schilderwald, Ampeln und noch mehr Einbahnstraßen bekommen werden, während normale Radwege vergammeln, diese Rad-Autobahn unseren gemütlichen, familiären Stadtteil wie ein Grenzwall zerschneiden wird, Anwohner nicht mehr vor ihrem eigenen Haus parken dürfen, künftig Kindergarten- und Schulkinder und Senioren in größter Gefahr sind, weil Schnellradfahrer oder E-Bikes auf dieser Autobahn immer Vorfahrt haben und man sie auch viel schlechter hört und sieht, die Häuser an Wert verlieren werden, weil niemand an so einer Fahrraddirektverbindung wohnen will“. Der oder die Verfasser hegt/hegen den „bösen Verdacht“, dass Corona als Vorwand genommen wird, um die Bürger überhaupt nicht an der Planung zu beteiligen.

„Ideallinie“ parallel zur Bahnstrecke lässt sich nicht realisieren

Der Radschnellweg zwischen Frankfurt und Darmstadt, einstmals auch Rad-Autobahn genannt, ist ein Pilotprojekt in Hessen. Die Strecke wird insgesamt knapp 30 Kilometer lang sein. Fertiggestellt ist der Abschnitt zwischen Wixhausen und Egelsbach. Jetzt arbeiten sich die Planer in Richtung Norden vor.

Die ursprüngliche Absicht, die Trasse in Dreieich parallel zur Bahnstrecke Frankfurt-Darmstadt zu führen, scheiterte unter anderem aus Gründen des Natur- und Landschaftsschutzes (ein Kriterium ist eine bis zu vier Meter breite asphaltierte Fahrbahn). Deshalb entschieden sich die Verantwortlichen für eine Route durch die Stadt. Das Stadtparlament stimmte dieser Lösung gegen die Stimmen der CDU 2018 zu. Federführend bei dem Projekt ist die Regionalpark RheinMain Südwest GmbH.

„Da werden Dinge in den Raum gestellt, die überhaupt noch nicht konkret sind“, sagt Bürgermeister Martin Burlon (parteilos). Fest stehe bislang nur, wie die Strecke verlaufen soll. Erst mal müsse eine Detailplanung her. „Vorher würden wir mit den Leuten im luftleeren Raum diskutieren.“ Und weil es noch keinen Entwurf gibt, lasse sich auch zum städtischen Kostenanteil nichts sagen. Im Flugblatt wird behauptet, „dass diese Fehlplanung 400 000 Euro kosten soll“. „Diese Summe ist komplett aus der Luft gegriffen“, ärgert sich der Rathauschef, dass mit solchen Unterstellungen Stimmung gegen das Projekt gemacht wird.

Dreieich: Anwohner-Protest gegen Radschnellweg

Fakt sei, dass in Dreieich und Neu-Isenburg inzwischen die Vermessungsarbeiten abgeschlossen seien. Im nächsten Schritt werde die Entwurfsplanung angegangen. Die Ausschreibung obliegt der Regionalpark RheinMain Südwest GmbH, die das Projekt Radschnellweg federführend betreut. Deren Geschäftsführer Manfred Ockel geht davon aus, dass die Detailplanung für Sprendlingen im Herbst beginnt.

Es sei vorgesehen, die Strecke in Dreieich in Abschnitte zu unterteilen und die Anwohner über die jeweilige Planung zu informieren. „Dabei sollen für jeden Abschnitt Anwohner, Naturschutzverbände, der ADFC und die Verwaltung einbezogen werden“, sagt Ockel. Die Arbeiten könnten 2022 anlaufen, die Fertigstellung der Sprendlinger Route schwebt ihm für das Jahr darauf vor.

Zickzackkurs in Sprendlingen: Zwischen Langen und Neu-Isenburg führt der Schnellweg durch Wohngebiete.

Der Planung der Radschnellroute durch Dreieich seien intensive Überlegungen und vor allem „Feldstudien“ vorausgegangen, heißt es in einer Mitteilung aus dem Rathaus. Mitglieder der AG Radverkehr des örtlichen ADFC seien viele Stunden mit den Rädern unterwegs gewesen, um die möglichen Streckenvarianten zu begutachten. Die Wahl fiel schließlich auf die innerörtliche, weil sich eine bahnnahe und damit möglichst direkte Trasse nicht realisieren lässt. Jedenfalls nicht, wenn sie die Kriterien eines Radschnellwegs (Breite, Bodenbelag, Beleuchtung etc.) erfüllen soll.

Dreieich: Verlauf des Radschnellwegs in der Stadt

Der Verlauf ist wie folgt skizziert: von Neu-Isenburg kommend über Tannenweg, Immanuel-Kant-, Erich-Kästner-, Breslauer Straße zum Verbindungsweg zur Poststraße, weiter über Liebknecht- und Wienandstraße, über die Gleise der Dreieichbahn in die Rostädter Straße Richtung Langen.

Die Radschnellverbindung soll nicht nur zügiges, sicheres Radeln ermöglichen, sondern auch Städte verbinden. Und zwar nicht nur Frankfurt mit Darmstadt, auch die Kommunen dazwischen. Ein Vorteil der Route durch Sprendlingen sei die Möglichkeit, vorhandene Infrastruktur wie die Fahrradstraße zu nutzen, meint Burlon. Zudem entstünden kurze Wege zu den Schulen, zum Arbeitsplatz, zum Einkauf oder zu Veranstaltungen.

Dabei gilt es für die Planer eine besonders harte Nuss zu knacken. Während der Großteil der Route über vorhandene Straßen führt, ist es mit der Planung des Übergangs der Dreieichbahn im Schnittpunkt von Eisenbahn- und Theodor-Heuss-Straße etwas komplizierter. Burlon spricht von einer Herausforderung für die Planer. Eine Unterführung sei jedenfalls aus Kostengründen illusorisch.

Dreieich: Radschnellweg als wichtiger Baustein der Verkehrswende

Pendler, die sich das ganze Gekurve durch die Wohngebiete ersparen und flott vorankommen wollen, können natürlich auch durch die Innenstadt fahren. Sie können aber auch die „alternative Sommerroute“ nutzen. Zwar wird die bahnnahe Ausbauvariante kurz- bis mittelfristig nicht weiter in Betracht gezogen, aber die Waldwege nahe der Schienenstrecke sollen eine wassergebundene Decke bekommen.

„Die Radschnellverbindung ist für Dreieich und die gesamte Region ein wichtiger Baustein für die Verkehrswende und ein zukunftsfähiges Mobilitätskonzept“, ist Martin Burlon überzeugt. (VON FRANK MAHN)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare