„Mich haben Niederlagen nie entmutigt“

Rhena Landefeld ist mit dem Lu-Röder-Preis ausgezeichnet worden

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Preisverleihung in der „Wunder-Bar“: LBS-Vizepräsidentin Juliane Kuhlmann (links), Brigitte Senftleben (Zweite von rechts), Vorsitzende des Landesausschusses Gleichstellung im Sport, und ihre Stellvertreterin Sally Kulemann (rechts) gratulieren Rhena Landefeld zum Lu-Röder-Preis. 

Noch bevor Rhena Landefeld überhaupt als Spielerin in ihrer ersten Ligapartie im Softball auf dem Feld stand, hatte sie als 16-Jährige bereits die Schiedsrichterlizenz erworben. 

Dreieich – „Und wer weiß, was für ein dickes Buch unser Regelwerk ist, kann erahnen, wie stolz ich damals war, dass ich diese Prüfung auf Anhieb bestanden habe“, erzählt die heute 39 Jahre alte Spielerin und Trainerin der Dreieich Vultures mit einem Augenzwinkern.

In der „Wunder-Bar“ der SG Götzenhain hat Landefeld aus den Händen von Juliane Kuhlmann, der Vizepräsidentin des Landessportbundes Hessen, den Lu-Röder-Preis in der Kategorie „Engagierter Nachwuchs“ entgegengenommen. Seit mehr als zwanzig Jahren treibt Rhena Landefeld nicht nur die eigene Karriere auf dem Spielfeld voran, sondern engagiert sich insbesondere für die Mädchen und Frauen im Verein, auf Landesebene und Bundesebene in ihrem Sport.

„Rhena wurde schon sehr früh bewusst, dass der Spaß an der eigenen Sportaktivität das eine ist. Das andere ist jedoch der Einsatz für eine nachhaltige Sportentwicklung, die Strukturen benötigt, vor allem aber das Engagement von Personen, die Verantwortung übernehmen“, sagt Laudatorin Sally Kulemann vom Landesausschuss Gleichstellung im Sport des Landessportbundes Hessen.

Die Dreieicherin war nicht nur selbst für die Vultures sehr erfolgreich auf dem Feld, mit Anfang 20 machte sie 2004 den Trainerschein, betreute die Jugend im eigenen Verein, übernahm darüber hinaus die Softball-Hessenauswahl U19 und war maßgeblich an der Gründung der Perspektivliga U19 beteiligt. Trainingslager, Feriencamps, die Organisation von Deutschen Meisterschaften sowie Ländervergleichsturnieren und viele weitere Aktionen gehen auf sie zurück.

Das außergewöhnliche Engagement blieb auch beim Bundesverband des Base- und Softballs nicht unbemerkt: Die Verantwortlichen engagierten die Dreieicherin vor acht Jahren als Assistenztrainerin für die U16-Nationalmannschaft und auch als Schiedsrichterin war sie über Jahre im Einsatz. Auf Funktionärsebene ist Landefeld im heimischen Verein aktiv und im Vorstand des Landesverbands.

Weil ihr die Entwicklung des Softballsports nicht schnell genug ging und die Förderung von Mädchen und Frauen in ihren Augen nicht genügend im Fokus stand, gründete sie einen bundesweit ausgerichteten Förderverein. „Für Rhena Landefeld ist der Sport eben weit mehr als ein eins zu null. Sie bezeichnet die Mitspielerinnen als ihre Sportfamilie. Mädchen und Frauen ein qualifiziertes Training zu bieten und gleichzeitig Teamgeist, Zusammenhalt und andere Werte des Sports zu vermitteln, stand und steht für Rhena Landefeld im Vordergrund“, bedankt sich Kulemann für das Engagement. „Sie ist keine, die zögert, sondern eine, die handelt. Damit ist sie ein Vorbild für junge Frauen. In Ihrer Sportart haben Sie Lu Röders Mission weiter geführt und sich damit um den Sport in Hessen verdient gemacht“, gratuliert Kulemann zur Preisverleihung.

Beruflich hat sich die studierte Sportwissenschaftlerin aus Buchschlag und Mutter eines kleinen Sohnes übrigens ebenfalls dem Sport verschrieben: Sie arbeitet als Referentin für Integration beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

„Dieser Preis ehrt mich sehr. Ich freue mich über die Anerkennung meiner Arbeit, aber natürlich auch über die öffentliche Wirksamkeit für meinen doch eher unbekannten Sport“, sagt Rhena Landefeld. Sie sagt außerdem, dass das Engagement für den Sport für alle Lebensbereiche wichtig und wertvoll gewesen sei: „Mich haben Niederlagen nie entmutigt. Wahrscheinlich hat mich der Einsatz im Sport und im Verband auch tougher für alles andere im Leben gemacht.“ Sie könne junge Frauen und Mädchen nur dazu ermutigen, Verantwortung im Sport zu übernehmen – „auch gegen Widerstände, die es leider noch immer gibt“.

Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel bedankt sich für den Einsatz Landefelds für den Sport. „Eines habe ich inzwischen auch gelernt: Dort wo Frauen am Ruder sind, funktioniert‘s“, gibt der Funktionär zu. Für den Heimatverein, die SG Götzenhain, gratuliert Anke Engel: Erst seit 2018 sind die Dreieich Vultures, die seit 1992 auf dem Hartplatz in der verlängerten Rheinstraße trainieren, eine Abteilung des Götzenhainer Traditionsvereins. Die Vultures, zu Deutsch Geier, zählen um die 100 Mitglieder. „Wir sind mega-stolz auf Dich“, so Engel. Immerhin ist Rhena Landefeld die erste Lu-Röder-Preisträgerin des Vereins.

VON NICOLE JOST

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