Ein Erfolgsmodell

Runder Tisch Radverkehr hat in zehn Jahren viel bewegt

Dreieich – Schutzstreifen, Fahrradboxen, rote Aufstellflächen an Kreuzungen, Befestigung von Wegen, eine Mittelinsel zur gefahrlosen Querung oder die Fahrradstraße – die Liste dessen, was der Runde Tisch Radverkehr angeschoben hat, ließe sich noch locker fortsetzen. Von Frank Mahn

Und deshalb ist es auch nicht übertrieben, wenn Bürgermeister Dieter Zimmer mit Blick auf das zehnjährige Bestehen von einer Erfolgsgeschichte spricht.

Radverkehrsbeauftragter Dieter Fröhlich.

Es ist alles andere als üblich, was sich da in Dreieich entwickelt hat. Dieter Fröhlich erinnert sich an die Anfänge. „Anhand der Kommentare aus den Reihen der Fraktionen konnte man nicht feststellen, zu welcher Partei sie gehören. Das hat mich erstaunt. Sie gehörten alle der Radfahrerpartei an“, erzählt ADFC-Mitglied Fröhlich, der seit September 2016 auch ehrenamtlicher Radverkehrsbeauftragter der Stadt ist. „Wenn ich ADFC-Kollegen in anderen Städten treffe, merke ich, dass unser Runder Tisch etwas Besonderes sein muss. Die schauen mich immer mit großen Augen an, weil sie sich in ihrem Rathaus eine blutige Nase holen.“

Die Anfänge reichen sogar bis ins Jahr 2008 zurück. Mitarbeiter von Verwaltung und ADFC-Mitglieder unternahmen mit dem Verkehrsplaner, der zuvor im Auftrag der Stadt ein Radverkehrskonzept erstellt hatte, eine Radtour durch die Dreieicher Gemarkung. Zentrale Frage: Wie kann der Radverkehr in der Stadt sicherer werden? Weil es an vielen Ecken und Enden klemmte, waren sich die Beteiligten schnell einig, dass es nicht bei dieser einen Inspektionsrunde bleiben konnte. So nahmen die Dinge ihren Lauf. In Stichworten sind Geschichte und Projekte in einer Broschüre skizziert, die jetzt von der Stadt herausgegeben wurde.

Der Grundstein für die erfolgreiche Arbeit ist die Zusammensetzung des Gremiums. Vertreter der Fraktionen, Verwaltung und Experten suchen nach Lösungen, um den Dreieichern das Radeln noch schmackhafter zu machen. Zwar hat der Runde Tisch nur beratende Funktion, aber wenn dort über ein Projekt Einigkeit herrscht, sind die Weichen für die Umsetzung gestellt. „Die Arbeit macht Spaß. Auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind – es kommt etwas dabei heraus“, sagt Fröhlich.

„Wenn ich die Protokolle der über 50 Treffen durchsehe und bedenke, unter zum Teil welch schwierigen finanziellen Bedingungen der Runde Tisch gearbeitet hat, ist es erstaunlich, was wir trotzdem alles umsetzen konnten“, freut sich Erster Stadtrat und Verkehrsdezernent Martin Burlon. Für Verbesserungen steht im Haushalt ein Budget zur Verfügung, aktuell sind es 51. 000 Euro.

So kommen Radfahrer gut durch den Winter

Vor einigen Jahren hat auch der Kreis Offenbach anknüpfend an das Dreieicher Modell einen Runden Tisch Radverkehr installiert. Immer wieder bekommt die Stadt Anfragen, vor Kurzem zum Beispiel aus Weiterstadt. „Wir haben bei anderen Kommunen Aufmerksamkeit erregt. Manche haben unser Modell kopiert“, sagt Bürgermeister Zimmer stolz.

„Die Förderung des Radverkehrs als sinnvolle Ergänzung für kurze Strecken im Stadtbereich liegt vielen in unserer Stadt und auch mir am Herzen. Sie ist ein wichtiges Element in der dringend notwendigen Mobilitätswende, die wir auch in Dreieich brauchen“, so Burlon.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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