RICARDA-HUCH-SCHULE

Reale Bienen in virtueller Lern-Welt

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Ihr Lieblings-Insekt haben Jona (links) und Julika mit einem Plakat porträtiert. Lehrerin Renate Schwarz-Rössler ist stolz.

Der gemeinsame Einsatz als Innenarchitekten für das neue Bienenhotel auf dem Grundstück des Kräutergartens ist für die Fünftklässler der Ricarda-Huch-Schule ausgefallen.

Dreieich – Dabei hatten Klaus Rehwald, der Vorsitzende des Vereins, Erhard Kohl vom Obst- und Gartenbauverein Dreieichenhain und Renate Schwarz-Rössler, Biologielehrerin an dem Sprendlinger Gymnasium, den Aktionstag auf der Streuobstwiese akribisch geplant.

„Es sollte der praktische Teil unserer Insekten-Einheit zum Abschluss vor den Osterferien werden“, bedauert Schwarz-Rössler, dass die Corona-Epidemie die Pläne durchkreuzt hat. Aber obwohl die Schüler schon drei Wochen vor den Osterferien den Klassenraum wegen der Schulschließungen nicht mehr besuchen konnten, haben Schüler und Lehrerin gemeinsam spannenden Unterricht zum Thema Bienen, Hummeln, Wespen, Libellen, Ameisen und anderen Tieren erarbeitet. „Wir alle müssen uns auf diese neue Art des Unterrichts einlassen. Gerade mit den Fünftklässlern ist das eine Herausforderung, weil sie das Arbeiten mit unserer internen Schul-Onlineplattform noch nicht gewohnt sind“, sagt die Pädagogin. Man müsse als Lehrerin auf die individuellen Gegebenheiten der Kinder eingehen. „Nicht jeder Schüler hat die Möglichkeit, an einem Laptop zu arbeiten. Aber wir haben Wege gefunden, dass jedes Kind Zugang zu den Materialien hatte“, berichtet die Biologielehrerin, dass die Eltern – auch hinsichtlich der technischen Ausrüstung – geholfen haben.

Schwarz-Rössler hat Wert darauf gelegt, dass die Kinder die Welt der so wichtigen krabbelnden und fliegenden Tierchen möglichst abwechslungsreich erfassen können. „Es gab Links und Bücher zum Lesen, die Kinder haben ein kleines Filmchen gesehen und Material zum Hören. Sie haben gemalt, geschrieben und gebastelt und mir vor den Ferien die Mappe mit der Post zugeschickt oder sie bei mir vor der Haustür abgelegt“, erzählt die Lehrerin, dass diese besonderen Zeiten für alle besonderen Einsatz bedeuten. Über die Schulplattform verschickt sie Infos und hält mit den Schülern den Kontakt. Sie kann dabei sehen, wann die Kinder zuletzt online waren. „Ich weiß dann, dass sie die Informationen bekommen haben; ob sie auch daran arbeiten, ist die andere Frage“, sagte die Lehrerin lachend.

Nach den Ferien werde der Unterricht für die Schüler, die weiterhin zu Hause bleiben müssen, noch besser koordiniert und für alle Klassen an dem Gymnasium einheitlicher gestaltet: „Diese Sondersituation gibt unserer Schule und uns als Lehrern einen immensen Schub im Hinblick auf die Digitalisierung. Auch Kollegen, die Moodle bislang nicht nutzten, beschäftigen sich jetzt damit“, verrät die Lehrerin.

Für Jona und Julika ist das „Homeschooling“ ein Erlebnis. „Es hat gut geklappt und auch Spaß gemacht“, berichtet Jona. Die Kinder haben eine Filmkritik geschrieben und als „Meisterstück“ zum Abschluss ein Plakat über ihr Lieblings-Insekt gestaltet. „Wir müssen die Aufgaben ja erledigen, aber ich kann eben mal eine Pause einlegen, wenn mir danach ist“, hat Julika die Vorteile der Schule zu Hause entdeckt. Als kleine Belohnung für die gelungenen Arbeiten dürfen Jona und Julika sich das Bienenhotel im Kräutergarten mit der Lehrerin ansehen – mit dabei alle entstandenen Arbeiten zu den Insekten.

„Wir haben das Insektenhotel in Vertretung der Schüler fertig eingerichtet, die ersten Wildbienen sind schon eingezogen“, zeigt Klaus Rehwald den Kindern die verkapselten Eingänge der kleinen Wildbienen-Zimmer. „Wir hoffen jetzt, dass wir vor den Sommerferien noch mit der ganzen Klasse in den Kräutergarten kommen können. Es gibt hier viel für die Kinder zu entdecken“, will Schwarz-Rössler die Kooperation zwischen dem Verein und der Schule mit Leben füllen.

VON NICOLE JOST

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