Erdal Ciftci will sich nicht unterkriegen lassen

Schüsse auf sieben Fenster: Traumvilla wird zum Albtraum

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Erdal Ciftci zeigt auf eines der Einschusslöcher in seinem Neubau in Götzenhain. Vermutlich wurde mit einer Steinschleuder geschossen. Der Schaden beträgt mindestens 20.000 Euro.

Götzenhain – Die Einschusslöcher haben die erste Schicht der dreifach verglasten Fensterscheiben durchschlagen. Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer – nicht nur ein Fenster ist betroffen, insgesamt zählt Erdal Ciftci sieben Fenster mit gleich mehreren Einschusslöchern. Von Nicole Jost

Der Schaden an den erst im Dezember eingebauten Scheiben beträgt mindestens 20.000 Euro. Der fünffache Familienvater hat in einer der feinsten Gegenden in Dreieich, in der Albert-Schweitzer-Straße in Götzenhain, seinen Traum von einer Familienvilla verwirklicht – dieser wird aber mehr und mehr zum Albtraum. Die zerstörten Fenster sind dabei nur der Gipfel von einem Haufen Problemen, die der Versicherungskaufmann mit seinem Grundstück zu bewältigen hatte.

2016 hat er das Areal mit dem Haus, in dem einst die Dreieicher Schriftstellerin Ilse Pohl lebte, gekauft. „Wir, besonders meine Frau, haben uns in das Grundstück und das Haus verliebt“, erzählt Ciftci. Und das Grundstück ist – mit seinem alten Baumbestand und weit entfernt von den großen Straßen – wirklich ein kleines Paradies. Seit Mitte 2017 hat der 51-Jährige eine Baugenehmigung für seinen Neubau.

Die Lage ist kompliziert

„Nachbarn haben sehr bald versucht, uns das Grundstück madig zu machen. Sie haben gesagt, es gibt Ratten, und dass ich niemals eine Baugenehmigung bekommen werde“, berichtet Ciftci. Ganz unkompliziert ist die Lage des ehemaligen Ilse-Pohl-Hauses tatsächlich nicht. Das Grundstück ist nur über einen Privatweg zu erreichen, der zwei Nachbarn gehört, und auch die Kanalisation ist über ein weiteres Nachbargrundstück erschlossen. „Aber das sind alles Dinge, die rechtlich sehr genau geregelt sind. Für den Kanal gibt es ein sogenanntes Notleitungsgesetz und für den Weg haben wir Wegerecht“, hat sich der Hausbauer informiert. Ein Kaufangebot hat Ciftci dann auch aus der Nachbarschaft erhalten. Aber natürlich will die Familie nicht verkaufen, die Ciftcis wollen in Götzenhain leben.

Sieben Fenster des neuen Gebäudes wurden von Unbekannten beschädigt. Nach Angaben der Polizei wurden auf dem Grundstück kleine Metallkugeln gefunden.

Die Familie sah sich mit einer Vielzahl von Hindernissen konfrontiert: „Wir hatten die Fledermausbeauftragten hier, die Untere Naturschutzbehörde, mehrfach die Bauaufsicht des Kreises. Die Krönung war dann der Anruf meiner Bank, als ich im Urlaub war, dass es einen anonymen Brief gegeben habe, dass es ein Problem mit meinem Kredit gibt“, schildert Erdal Ciftci .

Familie lebt in Angst

Die zerstörten Fenster und die Schüsse sind der vorläufige Höhepunkt. „Wir haben natürlich Angst. Irgendjemand will uns hier nicht haben. Wir wissen auch nicht, warum wir nicht willkommen sind. Hat es einen ausländerfeindlichen Hintergrund, will jemand unbedingt das Grundstück haben? Ich habe mir schon viele Gedanken gemacht. Ich kann es mir nicht so recht erklären“, ist der Familienvater ratlos und betont, dass er eigentlich nur friedlich mit seiner Familie und auch mit den Nachbarn in Götzenhain leben will. Aber die Ciftcis wollen sich von den Schüssen nicht einschüchtern lassen. Die Familie plant auch nach diesen Vorfällen weiterhin, im Sommer gemeinsam in das Traumhaus einzuziehen. Die neuen Fenster sind schon bestellt.

Die wichtigsten Notruf-Nummern

Der mysteriöse Fall ist an die Staatsanwaltschaft weitergegeben worden. Polizeipressesprecherin Andrea Ackermann vom Polizeipräsidium Südosthessen in Offenbach erklärte, dass die Ermittlungen ergeben haben, dass für die Einschusslöcher in den Fenstern vermutlich eine Steinschleuder verantwortlich sei. Auf dem Grundstück seien kleine Metallkugeln gefunden worden. „Alles andere muss jetzt weiter untersucht werden“, sagt Ackermann auf Anfrage.

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