Corona bremst Schulalltag aus

„Es hat sich ganz gut eingependelt“ - Unterricht in Corona-Zeiten

Hygienepoint der Weibelfeldschule: Hier sitzt immer ein Lehrer und achtet darauf, dass die Schüler die richtigen Laufwege und Abstand einhalten. Damit sie sich auf den Treppen nicht begegnen, gilt ein Einbahnstraßensystem.
+
Hygienepoint der Weibelfeldschule: Hier sitzt immer ein Lehrer und achtet darauf, dass die Schüler die richtigen Laufwege und Abstand einhalten. Damit sie sich auf den Treppen nicht begegnen, gilt ein Einbahnstraßensystem.

Während der Corona-Pandemie ist der Alltag der Schüler noch immer ausgebremst: An den Treppenaufgängen der Weibelfeldschule in Dreieich etwa hängen Einbahnstraßenschilder, die Übergänge sind mit Flatterbändern abgesperrt, damit sich die Schüler nicht überraschend entgegenkommen. 

Dreieich – Das Wort „Abstand“ prangt in großen Lettern vor dem sogenannten Hygienepoint, einem Tisch, an dem immer ein Lehrer mit Mund-Nasen-Schutz zur Aufsicht sitzt. „Es ist durchaus anstrengend, aber wir haben uns ganz gut einpendelt“, sagt Susanne Strauß-Chiacchio, Schulleiterin der größten Dreieicher Gesamtschule, „wir halten uns strikt an die Vorgaben des Ministeriums. “.

Dreieich: Präsenzunterricht in der Schule während Corona

Wie lange die Schüler mit Präsenzunterricht in die Schulen kommen müssen – mindestens sechs Stunden – ist allgemeingültig. Wie jede Schule das organisiert, bleibt dieser selbst überlassen und ist damit individuell. „Bei uns kommen die Oberstufenschüler nur am Nachmittag. Und wir haben das Konzept, dass die jüngeren Schüler der fünften und sechsten Klasse lieber öfter und dafür kürzer kommen. Im Augenblick sind das vier Tage in der Woche für je zwei Stunden“, erläutert Strauß-Chiacchio. 

Wie auch die anderen Schulen hat die Weibelfeldschule die Pausenzeiten verschoben, damit sich auch draußen möglichst wenig Kinder begegnen. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes an der Gesamtschule ist freiwillig: Einige Schüler haben eine Maske an, andere nicht. Nicht alle nehmen aber das Unterrichtsangebot wahr: „Wir haben rund 20 Anträge auf Unterrichtsbefreiung erhalten. In wenigen Fällen gehören die Kinder selbst zu einer Risikogruppe, meist lebt ein Risikopatient in der häuslichen Gemeinschaft“, sagt die Schulleiterin.

Corona in Dreieich: Homeschooling statt Präsenzunterricht in der Schule

Homeschooling sei weiterhin ein Thema, die Weibelfeldschule nutzt eine schuleigene Plattform. Es gebe einen geringen Prozentsatz von Kindern, den die Lehrer damit nicht erreichen – deshalb sei es umso wichtiger, dass alle Kinder wieder in den Unterricht kommen können. „Wir haben inzwischen eine AG zum Thema Homeschooling eingesetzt, in der Eltern und Lehrer vertreten sind. 

Es ist unser Ziel, digitales Lernen voranzutreiben“, betont die Schulleiterin. Auch das neue Schuljahr ist schon geplant: Strauß-Chiacchio bereitet es so vor, als starte der Unterricht nach den Sommerferien ganz normal. „Wir werden uns dann auf die neuen Vorgaben einstellen müssen“, kündigt die Schulleiterin an, die derzeit mit ihrem Kollegium jede Woche neue Stundenpläne erstellt.

Dreieich: Andere Schule, anderes Corona-Konzept

An der Heinrich-Heine-Schule sieht das Konzept ein bisschen anders aus. An der Europaschule kommen die Klassen jahrgangsweise jeweils für einen kompletten Schultag und werden getrennt in zwei Gruppen sechs Stunden lang unterrichtet. Die neunten Klassen haben zwei Tage Unterricht und die zehnten Gymnasialklassen kommen zwei Tage mit je sechs Stunden. „Ich finde, es läuft ganz gut“, ist Schulleiterin Sigrid Harnischfeger zufrieden. Aus eigenen Mitteln hatte die Heine-Schule mitten in der Krise eine Schul-Cloud angeschafft, die hilft, Schüler und Lehrer miteinander zu vernetzen. 

Das sei besonders praktisch, weil es zum Arbeiten innerhalb dieses Systems keine Drucker für Arbeitsblätter und Unterlagen mehr brauche. Es sei vorher oft ein Problem gewesen, dass nicht jeder Schüler einen Zugriff auf einen Drucker habe. „Wir haben abgefragt, wer zu Hause die Möglichkeit hat, am Rechner zu arbeiten. Oft ist es schon so, dass sich drei bis fünf Personen in der Familie einen Computer teilen. Aber ein Smartphone hat eigentlich jeder“, erklärt Harnischfeger. 

Dreieich: Corona-Krise hat Zusammengehörigkeitsgefühl in der Schule gestärkt

Die Krise habe das Zusammengehörigkeitsgefühl an der Schule gestärkt, die Kommunikation habe auch mit den Eltern gut geklappt. „Aber jetzt sind wir alle sehr froh, dass das Lernen in der Schule wieder möglich ist. Die Schüler arbeiten überraschend konzentriert. Es läuft“, so die Schulleiterin. Die Gesamtschule war unmittelbar vom Coronavirus betroffen: Zwei Kollegen haben durch Covid-19 Familienangehörige verloren. „Es sind für uns nicht bloß Zahlen und Statistiken“, sagt Harnischfeger, dass Schock und Trauer tief sitzen. Aus diesem Grund fühlt sie sehr mit den Kollegen der Grundschulen mit, die jetzt nach Ansage des Ministeriums alle Abstandsregeln fallen lassen müssen und alle Kinder wieder gemeinsam beschulen sollen. „Das kann ich nicht so recht nachvollziehen“, versteht die Schulleiterin nicht, warum man in Wiesbaden dieses Risiko eingeht.

20 Stunden Schule trotz Corona in Dreieich

An der Ricarda-Huch-Schule gibt es mehr Unterricht als an den beiden anderen Schulen: Schulleiter Torsten Lampert hat alle Klassen in A und B unterteilt: Eine Gruppe von rund 14 Schülern hat jeweils Präsenzunterricht, während die andere mit Hilfe des Schulportals zuhause lernt. So sind alle Schüler alle zwei Wochen für 20 Stunden in der Schule. Eine Ausnahme bilden die elften Klassen, die durch das Kurssystem eine größere Durchmischung der Gruppen haben. 

„In diesen Klassen unterrichten wir nur Deutsch, Mathe und Englisch für zwölf Stunden in der Woche und das dann im gleichbleibenden Klassenverband“, erläutert Lampert sein Konzept. Ansonsten sind die Laufwege des Gymnasiums ebenfalls im Einbahnstraßensystem organisiert, die Eingänge mit Handdesinfektion ausgestattet und es herrscht Maskenpflicht. Lampert plant das Schuljahr 20/21 wie gewohnt. Aber es kommt wohl einem Blick in die Glaskugel gleich, sich verlässlich darauf einzustellen, wie es mit der Schule nach den Ferien weiter geht. 

VON NICOLE JOST

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare