Renate Hoffmann ist Enkelin des Bunkererbauers

Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt: Frau fand als Baby darin Schutz vor Luftangriffen

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Rückkehr: Renate Hoffmanns Opa hat den Bunker 1943 gebaut. Als Baby suchte sie während des Krieges mit ihrer Mutter darin Schutz vor einem Luftangriff auf Sprendlingen.

In Dreieich ist ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden: Jetzt erzählt eine Frau, wie sie darin als Baby Schutz vor Luftangriffen fand.

Dreieich – Vorsichtig sammelt Renate Hoffmann zwei alte Kunststoff-Brillengestelle aus dem Schmutz am Boden des Bunkers in Dreieich. Mit Kerzen sind die kleinen Gänge und Räume beleuchtet, mit einer Baustellentreppe sicher begehbar gemacht.

Der vor gut zwei Wochen gefundene Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg auf der Baustelle der Neuen Mitte hat den Investor Mohamed Younis die vergangenen Tage bis hin zu einem Baustopp in Atem gehalten. Inzwischen gibt es vom Landesamt für Denkmalpflege die Freigabe zum Abriss.

Bunker in Dreieich: Renate Hoffmann hat ganz persönliche Erinnerungen

Renate Hoffmann hat einen ganz persönlichen Bezug zu dem Bunker in Dreieich. „Mein Opa Ludwig Hofmann, Besitzer der Brillenfabrik, hat den Bunker 1943 gemeinsam mit seinem Nachbarn Steinmeier zum Schutz ihrer Familien und Mitarbeiter gebaut“, weiß Hoffmann aus Erzählungen. Sie selbst, damals gerade einmal ein paar Tage alt, wurde von ihrer Mutter bei einem Luftangriff auf Sprendlingen im Januar 1945 in einem Wäschekorb in den Bunker getragen. „Daran erinnere ich mich natürlich nicht. Aber meine Oma erzählte mir oft davon.“

Wilhelm Ott, Vorsitzenderder Freunde Sprendlingens, nutzt die Gelegenheit des letzten Baggerbisses, um anhand von alten Fotografien die Geschichte des Bunkers zu rekonstruieren. „Wir haben schon 2015 die Luftschutzanlagen in Sprendlingen dokumentiert und haben dabei erfahren, dass dieser Bunker existieren muss“, berichtet Ott.

Dreieich: Eingang des Bunkers aus dem Zweiten Weltkrieg ist verborgen 

Er habe dann Kontakt zu Schoofs aufgenommen und im Oktober den Anruf der Bauleitung erhalten, dass der Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg in Dreieich gefunden wurde. Es sei nicht ganz so leicht gewesen, den Eingang zu entdecken, die Bagger mussten zunächst eine Betonplatte zertrümmern. Als die Baufachleute den Zugang geschaffen haben, kam die Denkmalschutzbehörde mit ins Boot und verhängte erst einmal den Baustopp. Archäologen machen eine Bestandsaufnahme des Bunkers aus dem Zweiten Weltkrieg in Dreieich.

„Die Nottoilette, die wir bei der ersten Begehung entdeckt haben, dürfte noch aus den Kriegszeiten stammen. Auch die alten Bänke werden die Menschen genutzt haben, um hier unter der Erde den Luftangriff abzuwarten“, berichtet Ott. Die anderen Fundstücke – einige Möbelstücke und alte Maschinen aus der Brillenfabrik – stammen aus den 60er Jahren, als der Bunker in Dreieich als Lagerraum genutzt und schließlich zugeschüttet wurde.

Bunker in Dreieich entdeckt: Wilhelm Ott sichert sich Fundstücke

„Mein Vater hat immer gesagt, dass die nächste Generation, die den Bunker öffnet, sich sicher wundern wird, was für ein Durcheinander dort herrscht“, erinnert sich Renate Hoffmann. Dieses Durcheinander im Bunker in Dreieich hat Schoofs Immobilien inzwischen räumen lassen. Allerdings hat Wilhelm Ott so manch ein Fundstück gesichert. Darunter eine Flasche Jubiläumssekt der Sprendlinger Kelterei Löffler, anlässlich des 75. Firmenjubiläums aus dem Jahr 1940 – sie war allerdings leer.

Bunkerfunde: Alte Flaschen und jede Menge Brillen – Überreste der alten Brillenfabrik von Ludwig Hofmann – fanden sich im Inneren des Kriegsrelikts.

Wie geht es jetzt weiter mit den Betongängen unter der Erde, die zum Teil eine Stärke von fast zwei Metern aufweisen? Mohamed Younis kündigt an, dass er gerade prüfen lasse, ob es möglich ist, den Bunker zu erhalten.

Kann der Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg in Dreieich erhalten werden? 

„Das ist eine Zeit- und eine Kostenfrage, die der Rückbau bedeuten würde. Ich finde es aber auch spannend, dieses historische Gebäude zu erhalten“, sagt der Investor über den Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg in Dreieich. Dazu müsse er die Pläne ein wenig verändern. Der Neubau werde rund 30 Zentimeter höher, ein paar Kellerräume müssten umgelegt werden, aber laut Younis bedeute dies keinen größeren Aufwand. Für Wilhelm Ott wäre der Erhalt wünschenswert: „Wir haben es gar nicht zu hoffen gewagt, da es ja einen Flächenverlust für den Neubau bedeuten würde“, so der Vorsitzende der Freunde Sprendlingens. (njo)

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