Mittelbahnsteig in Buchschlag gefordert

Dreieich setzt Protestzug aufs Gleis

Dreieich - Der Protestzug nimmt Fahrt auf. Magistrat und Stadtverordnete wehren sich gegen die von der RTW-Planungsgesellschaft aus dem Hut gezauberte Änderung für den Bahnhof Buchschlag. Von Frank Mahn 

Sie befürchten, dass der ÖPNV bei der jetzt ins Spiel gebrachten Variante deutlich an Attraktivität verliert. Im November war aus Dreieicher Sicht noch alles gut gewesen. Für die Regionaltangente West, die von Bad Homburg kommend in Buchschlag endet, hatte RTW-Geschäftsführer Horst Amann eine Planung mit einem Mittelbahnsteig präsentiert. Dabei ist ein direktes und barrierefreies Umsteigen von der Dreieichbahn in die künftige Regionalstadtbahn möglich. Bei einer Informationsveranstaltung für Bürger verkündete Amann vergangene Woche eine Änderung – statt eines Mittelbahnsteigs ist jetzt ein Außenbahnsteig vorgesehen. Dabei müssen Pendler mindestens 70 Meter zurücklegen, Rollstuhlfahrer müssten unter Umständen zweimal Aufzug fahren, um von einem Zug in den anderen zu gelangen. Wer in einem hinteren Waggon sitzt, hat zudem noch einen Teil des insgesamt 105 Meter langen Bahnsteigs vor sich.

Der Magistrat wurde von dieser Entwicklung kalt erwischt – und hält die Variante für nicht akzeptabel. Die Stadtregierung will sich mit der Änderung nicht abfinden und arbeitet an einer Stellungnahme, die sie bis zum 26. März eingereicht haben muss. Dabei hat der Magistrat seit Mittwochabend die volle Unterstützung der Fraktionen. Im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Energie ging ein von der SPD initiierter interfraktioneller Antrag einstimmig durch. Kern des Papiers ist die Forderung nach einem Mittelbahnsteig – der komplett neu gebaut werden müsste.

Vor diesem Hintergrund hatte die Planungsgesellschaft ihren Schwenk vollzogen. Die für Pendler deutlich „geschmeidigere“ Lösung ist nämlich um einiges teurer. Die Kalkulation geht von sechs Millionen Euro aus. Für die „nutzerfeindliche“ Alternative sind 2,3 Millionen veranschlagt – plus dem eventuellen Baus eines Aufzugs für geschätzte 500.000 Euro.

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Magistrat und Politik ziehen an einem Strang, um eine Umsetzung der Billig-Variante zu verhindern. Sie sind überzeugt davon, dass sich neue Fahrgäste nur auf die Schiene locken lassen, wenn das Angebot attraktiv gestaltet wird und kundenfreundlich ist. Ein wesentliches Kriterium für die Nutzung sei eine kurze Umsteigezeit. Andernfalls, so die Befürchtung, fahren vermehrt Pendler mit dem Auto nach Buchschlag und erhöhen dort den Parkdruck. Bei einem Mittelbahnsteig ist zudem der Waldeinschlag deutlich geringer.

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„Auch andere Kommunen müssen Interesse an einem reibungslosen Umstieg haben“, sagt SPD-Fraktionschef Holger Dechert am Mittwoch im Ausschuss. Erster Stadtrat Martin Burlon (parteilos) nimmt den Ball auf. Er habe sich schon mit Rödermarks Bürgermeister Roland Kern (Grüne) in Verbindung gesetzt. Der wolle Kontakt aufnehmen zu den anderen Anrainer-Kommunen der Dreieichbahn. Burlon hofft auf einen Schulterschluss und eine breite Front des Protests.

Dr. Günter Gericke (FDP) regt an, über einen Einstieg bei der RTW-Planungsgesellschaft nachzudenken, um mehr Einfluss nehmen zu können. „Einen Beitritt werden wir abwägen müssen“, entgegnet Burlon. Es sei ein kostspieliges Unterfangen, Gesellschafter zu werden. Momentan vertritt der Kreis als Gesellschafter die Dreieicher Interessen. Die Nachbarstadt Neu-Isenburg ist den anderen Weg gegangen, hat sich eingekauft und bekommt eine vorher nicht geplante Verlängerung der RTW ins Neubaugebiet Birkengewann.

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