Flexibilität ist gefragt

Sibylle Ruppersberg hat vorübergehend umgesattelt und näht Mundschutzmasken

Ich habe mir eine Nähanleitung der Feuerwehr angesehen und bin direkt in die Produktion gegangen. Aus kochbarem Leinenstoff näht Sibylle Ruppersberg Mundschutzmasken. Ihren Laden mit den Produkten aus Schafswolle musste die Unternehmerin schließen.
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Ich habe mir eine Nähanleitung der Feuerwehr angesehen und bin direkt in die Produktion gegangen. Aus kochbarem Leinenstoff näht Sibylle Ruppersberg Mundschutzmasken. Ihren Laden mit den Produkten aus Schafswolle musste die Unternehmerin schließen.

Schafbock Rambo und seine inzwischen auf neun Damen angewachsene Herde auf der Wiese im Sprendlinger Seegewann ahnen nichts von den Sorgen von Sibylle Ruppersberg.

Dreieich – Die Schafe lassen sich die Frühlingssonne auf ihren schon geschorenen Pelz scheinen und genießen das Leben. Vor etwas mehr als einem Jahr hat die gelernte Erzieherin sich mit ihrer Geschäftsidee „Five Sheep“ selbstständig gemacht. „Es lief auch gut, die medizinische Schafswolle ist gefragt und noch besser läuft das Kursangebot. Wir haben Kitagruppen zu Gast, eine kinderpsychiatrische Einrichtung ist regelmäßig hier und wir hatten viel geplant“, berichtet die Unternehmerin. Doch Covid-19 hat alles verändert: „Es sind alle Veranstaltungen erst mal abgesagt, der Laden mit den Schafswollprodukten musste schließen. Ich weiß ja nicht, wie lange das noch dauert. Ich musste mir schnell etwas einfallen lassen, um mein Leben und das meiner Tiere zu finanzieren“, sagt Ruppersberg.

Neben Toilettenpapier, Mehl und Hefe steigt besonders die Nachfrage nach Masken. Immer mehr Menschen wollen sich und andere schützen. „Ich habe mir eine Nähanleitung von der Feuerwehr Essen angesehen und bin direkt in die Produktion gegangen“, berichtet die Sprendlingerin. Aus kochbarem Leinenstoff näht sie beige und weiße Masken, die mit einer speziellen Faltentechnik und einem Draht gut an die Nase anzupassen sind und so beim Anlegen Mund und Nase verdecken. Statt Gummibänder verwendet Sibylle Ruppersberg Bänder aus dem gleichen Leinenstoff, die verknotet werden.

Das hat den Vorteil, dass die Maske immer wieder hygienisch komplett ausgekocht werden kann. „Das ist kein medizinisches Material, keine Maske, wie sie im Krankenhaus verwendet wird. Ich nenne sie eine Behelfs-Mund-Nasen-Maske, die beim Einkaufen oder im Bus andere Menschen schützen kann.“ Vor dem ersten Tragen soll der Stoff bei 90 Grad gewaschen werden. Am besten sei es, ihn in einem Topf auf dem Herd zirka fünf Minuten auszukochen und anschließend zu trocknen. Nach jedem Tragen muss die Maske so gereinigt werden, dass das Überleben möglicher Viren ausgeschlossen ist. Die Maske soll die Verbreitung von Tröpfchen durch den Träger reduzieren.

Rund eine Dreiviertelstunde benötigt Sibylle Ruppersberg, um den Stoff an der Nähmaschine zu verarbeiten. Sie verkauft die weißen und beigen Masken für 14,90 Euro das Stück und zwei für 27,50 Euro. „Mal sehen, wie es anläuft. Wenn die Nachfrage groß ist, werde ich mir noch Hilfe holen, damit ich mehr Masken produzieren kann“, kündigt die Unternehmerin an. Unter www.fivesheep.de können die Masken bestellt werden.

VON NICOLE JOST

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