Schmutzwasser

Sommerserie: Der Weg zum klaren Wasser

Die letzte Stufe der Wasseraufbereitung: Klärwerksleiter Bernd Heberer überwacht, wie das Wasser nach vielen Reinigungsschritten aus dem Nachklärbecken in die Rinne des Zulaufs zum Hengstbach überläuft.
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Die letzte Stufe der Wasseraufbereitung: Klärwerksleiter Bernd Heberer überwacht, wie das Wasser nach vielen Reinigungsschritten aus dem Nachklärbecken in die Rinne des Zulaufs zum Hengstbach überläuft.

In den vergangenen Wochen haben wir in unser Wasserserie erklärt, wo das Wasser herkommt, das die Dreieicher aus dem Hahn laufen lassen. Im letzten Teil der Sommerserie beleuchten wir, wo das Schmutzwasser hinfließt, wenn die Dreieicher die Klospülung drücken.

Dreieich - Blubbernd und teilweise schaumig kommt die bräunliche Brühe in zwei großen Zulaufkanälen in der so idyllisch im Wald gelegenen Kläranlage Hengstbachtal an. Der Geruch ist bei weitem nicht so streng, wie man vermuten könnte. Der Weg, den das Abwasser hier jenseits der Buchschlager Bahnschranke nimmt, bevor es gereinigt wieder in den Hengstbach zurückgeleitet werden kann, ist ebenso spannend wie hochkomplex.

Berit Stein, Produktverantwortliche für den Bereich Abwasserentsorgung, und Bernd Heberer, Leiter des Klärwerks, sorgen hier täglich mit zehn Mitarbeitern dafür, dass zwischen 8000 und 10000 Kubikmetern Wasser (an den eher trockenen Tagen) in mehreren Reinigungsstufen von Exkrementen, Feststoffen, Waschmitteln und was die Leute eben noch so in die Toilette und den Abfluss schütten, gereinigt werden.

Mit zwei großen Schneckenhebewerken gelangt das Wasser aus dem Kanal ins Klärwerk. Es fließt in das sogenannte Rechengebäude. Hier müffelt es gewaltig: Dies ist der Ort, an dem all die feuchten Toilettenpapiertücher, die sich kein bisschen auflösen, Plastik, Hygieneartikel, die nichts in der Toilette verloren haben, und der andere Kram, der fälschlicherweise im Abwasser landet, heraus sortiert wird. Die Berge stinkigen Abfalls landen vollautomatisch in bereit gestellten Containern.

Das Wasser unterliegt vielen Kontrollen: Klärmeister Michael Ostrowski untersucht das Wasser im Labor, ob es sauber genug ist, um in den Hengstbach zu fließen.

„Es gibt eigentlich nichts, was nicht hier ankommt. Klar, Smartphones, die versehentlich in die Toilette fallen. Einmal hat ein Mann angerufen, ob sein Gebiss bei uns aufgetaucht ist. Ihm konnten wir leider nicht helfen“, berichtet Bernd Heberer schmunzelnd aus seinem Alltag. Im nächsten Becken trennen sich Sand und Fett aus den Essensresten von dem Wasser. „An Weihnachten ist das Fett dunkler – von der vielen Bratensoße“, erzählt Mitarbeiter und Klärmeister Michael Ostrowski bei der Besichtigung eine weitere Anekdote. In einem dritten Schritt der mechanischen Reinigung setzen sich die letzten Feststoffe durch eine genau getaktete Fließgeschwindigkeit des Wassers ab. Überhaupt ist das Klärwerk ein ganz genau austariertes, empfindliches System, das so individuell ist, dass die Fachleute genau auf „ihr Klärwerk“ eingearbeitet sind und den Prozess mit ständigen Kontrollen im Blick behalten.

Noch deutlicher wird das in den nächsten Becken, in denen das jetzt schon ganz sauber aussehende Wasser die biologischen Reinigungsstufen durchläuft. Microorganismen fressen Kohlenstoff-, Stickstoff- und Phosphorverbindungen aus dem Wasser heraus. Durch die Zugabe von genau dosiertem Sauerstoff wird den Organismen die Arbeit erleichtert. „Das Wasser, was vorher schon so klar aussah, bekommt hier wieder eine sehr dunkelbraune Farbe“, deutet Berit Stein auf die dicken, braunen Flocken, die sich auf der Wasseroberfläche absetzen. Diese Reste nennen die Fachleute „Schlamm“, der in den einzelnen Schritten aus den Becken in die beiden großen Faultürme transportiert wird. „Dort entsteht Methan Gas, das wir zum Heizen des Faulturms nutzen. Gleichzeitig bleibt noch genügend Energie übrig, mit der wir rund ein Drittel unseres Strombedarfs decken können“, erläutert Stein. Der Schlamm, der nach rund 20 Tagen aus dem Turm kommt, muss wiederum entwässert werden. Dazu hat die Stadt Dreieich erst kürzlich zwei neue Schlammentwässerungszentrifugen angeschafft. Die beiden Geräte, die inklusive des Umbaus und der Aufstockung des Gebäudes beachtliche 2,2 Millionen Euro gekostet haben, können durch die Leistung von 3250 Umdrehungen in der Minute den Klärschlamm so entwässern, dass er abtransportiert, der Verbrennung zugeführt und der Energiegewinnung dienen kann.

Das Wasser fließt übrigens nach der biologischen Reinigung weiter in drei große Nachklärbecken. Dort setzen sich noch die letzten Kleinstteilchen nach unten ab, bevor klarstes Wasser in den innersten Kreisel des Beckens überläuft und dann in dem Zulauf zum Hengstbach abfließen kann. „Auch wenn das Wasser viele Reinigungsstufen durchlaufen hat, ist es kein Trinkwasser“, warnt Berit Stein. „Es ist einfach noch mikrobiologisch noch mit Viren, Bakterien und Medikamentenresten belastet.“ (Von Nicole Jost)

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