Kein Interesse an Erweiterung

Sparkasse gibt Filiale in Dreieich auf - Rewe expandiert trotzdem nicht

An der Volksbank-Filiale wird in einigen Monaten auch das Sparkassen-Logo zu sehen sein.
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An der Volksbank-Filiale wird in einigen Monaten auch das Sparkassen-Logo zu sehen sein.

Jetzt ist es beschlossen: Die Sparkasse Langen-Seligenstadt gibt ihre Zweigstelle in Offenthal auf. Eine Erweiterung kommt für Rewe trotzdem nicht in Frage. 

Dreieich - Jetzt ist es beschlossen: Die Sparkasse Langen-Seligenstadt gibt ihre Zweigstelle in Offenthal auf und schlüpft mit einem SB-Terminal unter das Dach der nur einen Katzensprung entfernten Volksbank Dreieich. Der Verwaltungsrat der Sparkasse hat die Pläne des Vorstands in dieser Woche abgesegnet. Die Umsetzung ist nach Angaben von Walter Metzger, Sprecher des Kreditinstituts, für Mai/Juni vorgesehen. In der Doppel-Filiale wird es kein Personal mehr geben, denn auch die Voba beschränkt sich ab Juli am Standort Offenthal auf Automaten (wir berichteten).

Man sei sich bewusst, dass es gerade unter den älteren Kunden „Härtefälle“ geben könne, sagt Metzger. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sei der Schritt aber unumgänglich. Die Zahl der Kunden habe in Offenthal „deutlich nachgelassen“. Das habe eine sechswöchige Frequenzanalyse im vergangenen Jahr gezeigt, so der Sprecher. Metzger erinnert daran, dass man vor ein paar Jahren die Geldausgabe am Schalter eingestellt habe. Seither gebe es die Möglichkeit, sich Geld von einem Mitarbeiter nach Hause bringen zu lassen. Den Service hat nach Metzgers Worten noch kein Kunde in Anspruch genommen.

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Der Auszug der Sparkasse aus dem Gebäudekomplex in der Borngartenstraße könnte dem Stadtteil eine Perspektive in Sachen Nahversorgung bieten, über die ja seit Jahren immer wieder diskutiert wird. Doch es bleibt beim Konjunktiv, denn Rewe hat kein Interesse daran, am Standort zu expandieren und die leer werdenden 160 Quadratmeter der Bank zur Erweiterung des Marktes zu nutzen. „Fakt ist: Wir werden die Verkaufsfläche nicht vergrößern. Der Markt bleibt, wie er ist“, sagt Anja Krauskopf, Pressesprecherin des Unternehmens. 

Die Sparkasse Langen-Seligenstadt gibt ihre Zweigstelle in Offenthal auf.

Die Argumente von Rewe sind bekannt: Die Immobilie erfülle nicht die Anforderungen an einen modernen Supermarkt, Park- und Anliefersituation seien schwierig. Bei einer Erweiterung um die Sparkassen-Räume würde die Verkaufsfläche von 520 auf 680 Quadratmeter wachsen – für Rewe sei das keine Option, so Krauskopf. Moderne Supermärkte seien heutzutage mindestens doppelt so groß und böten ihrer Kundschaft zwischen 80 und 100 Parkplätzen.

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Immerhin, auch wenn eine Erweiterung für Rewe kein Thema ist: „Es muss sich keiner Gedanken machen, ob der Markt geschlossen wird“, versichert Krauskopf. „Die Nahversorgung bleibt erhalten, bis es vielleicht mal eine neue Lösung für Offenthal gibt.“ Soll wohl heißen, bis sich die Möglichkeit auftut, einen Markt auf der grünen Wiese zu bauen.

Bürgermeister Martin Burlon ist froh, dass Rewe sich öffentlich zum Standort Offenthal bekennt. Dennoch müsse man davon ausgehen, „dass der Markt nicht ewig so bestehen bleiben wird“. Die Stadt sei nicht nur mit Rewe im Gespräch, sondern auch mit anderen Lebensmittelkonzernen. Man wolle ausloten, welche Perspektiven andere Anbieter für die Ortsmitte sehen, so der Rathauschef.

Vorrangiges Ziel der Stadt sei es, bestehende Nahversorgungs-Standorte zu erhalten, betont Burlon. Auch in der Borngartenstraße würde er eine Modernisierung und Erweiterung begrüßen. Erst wenn kein „angemessenes Angebot“ mehr gegeben sei, „muss man über den Außenbereich nachdenken“. Auf den, genauer auf die Fläche zwischen dem Autohaus Milzetti und der Tankstelle, schielt nicht nur Rewe. Es gibt weitere Interessenten. Allerdings ist laut Burlon in der Ortsrandlage nach aktuellem Stand nur ein Markt mit einer Größe von 800 Quadratmetern möglich. Diese Größenordnung wäre auch in der Ortsmitte möglich. „Für einen Markt draußen müsste ein größeres Rad gedreht werden“, so der Bürgermeister. Dafür sei eine Änderung des Flächennutzungsplans notwendig, zumindest aber eine Abweichung. Da gehen dann leicht ein paar Jahre ins Land.

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