Gewalt gegen Frauen

SPD-Politiker und Praktikerinnen diskutieren in Dreieich über Ausstattung von Frauenhäusern

Seit 40 Jahren gibt es Frauenhäuser in Stadt und Kreis, in denen Frauen und Kinder Zuflucht vor häuslicher Gewalt finden (Symbolbild).
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Seit 40 Jahren gibt es Frauenhäuser in Stadt und Kreis, in denen Frauen und Kinder Zuflucht vor häuslicher Gewalt finden (Symbolbild).

Seit 40 Jahren gibt es Frauenhäuser in Stadt und Kreis, in denen Frauen und Kinder Zuflucht vor häuslicher Gewalt finden.

Dreieich – Über dieses wichtige Thema wurde bei einer Podiumsdiskussion – noch vor den coronabedingten Veranstaltungsabsagen – diskutiert, die die SPD im Unterbezirk Offenbach-Stadt zusammen mit den Dreieicher Sozialdemokratinnen organisiert haben.

Die frauenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagfraktion, Lisa Gnadl, der Kreis-Beigeordnete Carsten Müller (SPD) und die Frauenhaus-Mitarbeiterinnen Kirsten Michler (Frauen helfen Frauen, Kreis Offenbach) sowie Heidi Balthasar und Sylke Borgsmüller (Frauen helfen Frauen, Offenbach) sprachen über „Gewalt gegen Frauen“ und die lokalen Schutzstrukturen. Deren Kern ist der 2011 vom Europarat beschlossene völkerrechtliche Menschenrechtsvertrag, den die Bundesrepublik 2018 ratifiziert hat. Darin verpflichtet sich Deutschland, umfassende Maßnahmen zur Prävention, Intervention, zum Schutz und zu rechtlichen Sanktionen gegen geschlechtsspezifische Gewalt umzusetzen. Zuständig sind die Länder und Kommunen, die ausreichend Schutzplätze und Beratungsstellen schaffen müssen, wie die frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Uta Zapf aus Dreieich darlegte.

Dreieich: SPD-Politiker und Praktikerinnen diskutieren über Ausstattung von Frauenhäusern

Die Podiumsrunde begrüßte, dass Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) je 30 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre zur Verfügung stellen will. Doch das reiche nicht aus: So gebe es in Hessen nur 31 Frauenhäuser, davon konnten im Januar nur drei Frauen aufnehmen. 2018 wurden 2800 Schutz suchende Frauen in Hessen wegen Überfüllung der Häuser abgewiesen. Bundesweit gebe es nur 350 Frauenhäuser mit 7000 Plätzen, benötigt werden 20 000.

Die Sozialdemokratinnen fordern deshalb, mehr Frauenhäuser einzurichten. Überdies werde Wohnraum für Frauen benötigt, die die Schutzhäuser verlassen können. Weil die Verweildauer zu lang sei, gebe es keine Plätze für dringende Fälle. „Angesichts der skandalös hohen Zahlen von Gewaltopfern und Toten ist nicht verständlich, dass das Land den Ausbau von Frauenhausplätzen ablehnt“, sagt Lisa Gnadl.

Dreieich: Die Probleme von Frauenhäusern nur langfristig zu lösen

Die Landesregierung habe zwar angekündigt, für Frauen anderen Wohnraum zu finden. Doch das sei angesichts der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt kaum umsetzbar, bemängeln die Diskutierenden.

Die Probleme seien nur langfristig zu lösen, sagten die Frauenhaus-Mitarbeiterinnen unisono. „Wir brauchen dringend Planungssicherheit“, appellieren sie an die Politik. So sei die zwingende periodische Ausschreibung für die Trägervereine eine Zumutung, weil langfristige (finanzielle) Planung nicht möglich ist. Darüber hinaus brauchen die Frauenhäuser mehr qualifizierte Mitarbeiterinnen, um Beratung und Betreuung leisten zu können. Mehr Personal konnte Beigeordneter Carsten Müller zusagen. Nicht jedoch eine räumliche Verbesserung in den Häusern. Zudem sei oft die nötige Anonymität der bedrohten Frauen nicht gewährleistet, weil diese in den Frauenhäusern gemeldet werden müssen – auch für eine ladungsfähige Adresse bei Gericht. Deshalb forderte das Podium, dass die Bundesregierung das Meldegesetz ändert, ebenso wie das Gewaltschutzgesetz, damit Verstöße wirklich geahndet werden. „Der Mangel an Präventionsarbeit und eine verbesserte Täterarbeit ist dringend, um Gewalt zu verhindern und nicht nur einen Reparaturbetrieb zu betreiben“, so die Diskutierenden. Auch Kinder müssen mit Blick auf das Sorge- und Umgangsrecht besser geschützt werden. „Es bleibe noch unendlich viel zu tun“, resümierte Uta Zapf und versprach, das Thema in der SPD weiter zu verfolgen.  

jrd

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