Glücklich im nassen Element

Schwimmer können im Parkbad trainieren: Auch Gäste aus Langen pflügen durchs Wasser

Seit Mitte der Woche dürfen die Vereinsschwimmer das große Becken im Freibad zum Training nutzen. Holding-Chef Steffen Arta und Bürgermeister Martin Burlon hoffen, bald für die Allgemeinheit öffnen zu können.
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Seit Mitte der Woche dürfen die Vereinsschwimmer das große Becken im Freibad zum Training nutzen. Holding-Chef Steffen Arta und Bürgermeister Martin Burlon hoffen, bald für die Allgemeinheit öffnen zu können.

Olaf Blecken steht in seinem schwarzen SKG-Trainershirt am Beckenrand des Parkschwimmbads in Sprendlingen. Knapp 20 Sportler von der ersten bis zur dritten Mannschaft pflügen auf einer der drei abgesperrten Bahnen durchs Wasser.

Dreieich – Der Trainer gibt nur kurze Hinweise, nach mehr als drei Monaten Pause sollen die Schwimmer erst mal wieder ein Gefühl fürs nasse Element bekommen. „Wir freuen uns tierisch, dass es das Team des Parkbads und der Stadtwerke möglich gemacht hat, dass wir endlich wieder trainieren können. Es ist vielleicht ein bisschen merkwürdig mit all den Regelungen, aber auch daran werden wir uns gewöhnen“, ist Blecken optimistisch.

Die von ihm genannten Regeln sind klar definiert: Die Mannschaft sammelt sich mit Maske zum verabredeten Zeitpunkt vor dem Eingang des Bades, gemeinsam gehen die Sportler rein. Im Bad ist mit bekannten Symbolen aus der Verkehrswelt gekennzeichnet, wo ins Becken eingestiegen wird und wo die Schwimmer wieder rausklettern. „Wir führen genaue Listen mit Adressen, wer in der Gruppe ist. Wir testen das Verfahren jetzt zunächst mit den Großen und nächste Woche darf die Jugend mit dazu- kommen“, erläutert Blecken.

Die SKG-Schwimmer sind nicht alleine im großen Becken. Auf Bahn drei trainiert die Schwimmgemeinschaft von SVD, TVD und STG mit einer Leistungsmannschaft und einer Jugendgruppe, auf der mittleren Bahn schwimmen die Triathleten des Turnvereins Langen. „Wir sind natürlich glücklich und dankbar, dass wir in Dreieich Asyl bekommen. Bei uns sind das Freibad und auch der Badesee noch geschlossen. Ich hoffe, da tut sich die kommenden Wochen auch noch was“, sagt TVL-Trainer Frank Endt.

Den ganz großen Überblick beim verspäteten Start in die Saison hat Dalila Kahl, Betriebsleiterin der Dreieicher Bäder. Sie wacht mit ihren Kollegen über die Einhaltung der Coronaregeln. „Wir haben jetzt Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag die Vereine am Start. Es ist genau getaktet, dass nicht zu viele Menschen im Becken sind und alle haben ganz klare Trainingszeiten, Tag eins läuft schon mal sehr gut“, ist Kahl zufrieden.

Von oben, mit bestem Blick aufs Treiben, verschaffen sich Steffen Arta, Geschäftsführer von Stadtwerken und Stadt-Holding, und Bürgermeister Martin Burlon einen Eindruck. „Frau Kahl hat mit ihrem Team alles getan, damit das Schwimmbad für die Vereine wieder öffnen kann“, lobt Arta. Alle Wartungstermine seien schon im April erledigt worden, die letzten Sturmschäden aus dem vergangenen August sind beseitigt und seit Anfang Mai sind die Becken mit Wasser gefüllt. „Natürlich müssen wir jetzt die Einhaltung der Regeln beachten und haben auch alles gut sichtbar beklebt“, deutet Arta auf die gelben Pfeile, die anzeigen, wo die Schwimmer in einer Pause sitzen dürfen. Damit alles rund läuft, hat es vorher einen Ortstermin mit den Vereinen gegeben, bei dem alle Regeln, die Einhaltung der Trainingszeiten und die korrekte Führung der Listen besprochen wurden. „Es ist so unkompliziert, dass auch die Langener zu uns zum Schwimmen kommen können“, sagt der Holding-Chef augenzwinkernd.

Arta hofft, dass die Landesregierung die Bäder bald auch für die Allgemeinheit freigibt. Er rechnet mit einem Termin Mitte Juni. Das Team habe alle Vorbereitungen getroffen, um die Hygienemaßnahmen einhalten zu können. Das wird dann etwas komplizierter, als es für die Vereine ist: „Aber es ist sicher besser, als das Schwimmbad geschlossen zu lassen, in einem Sommer, in dem viele Menschen ihren Urlaub zu Hause verbringen werden“, findet Arta. Natürlich habe es die Überlegung gegeben, wie wirtschaftlich eine Öffnung mit deutlich weniger Gästen für das Schwimmbad ist: „Ich bin froh, dass der Aufsichtsrat sich hinter unsere Entscheidung gestellt hat, zu öffnen“, sagt Arta.

Auch Martin Burlon hält das für das richtige Signal. „Wir wollen den Bürgern in diesem schwierigen Sommer ein Angebot machen. Da gehört die Schwimmbadzeit für die Familien dazu.“

Zwei Stunden Schwimmen werden zwei Euro kosten

Wenn das Schwimmbad für alle Badegäste geöffnet wird, dann unter besonderen Bedingungen: Die Regelung von zehn Quadratmetern Wasserfläche pro Schwimmer ermöglicht einen Einlass von 160 Menschen gleichzeitig. Damit möglichst viele in den Genuss kommen, sich zu erfrischen, wird die Badezeit auf zwei Stunden begrenzt. Danach ist das Bad für eine halbe Stunde geschlossen, um alles zu desinfizieren und zu reinigen. „Um Andrang vor der Kasse zu vermeiden, vergeben wir Online-Tickets, für die die Plattform auch schon funktioniert. Um unserer älteren Stammkundschaft entgegenzukommen, können diese Termintickets auch bei den Stadtwerken gekauft werden“, kündigt Steffen Arta an. Saisonkarten wird es nicht geben. Statt 4,20 für eine Tageskarte werden dann zwei Euro Eintritt für die zwei Stunden fällig. Allerdings müssen die Schwimmer auf eine warme Dusche oder einen verschließbaren Spind verzichten, um das Reinigungsprozedere für das Personal möglichst klein zu halten und enge Begegnungen zu vermeiden.

VON NICOLE JOST

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