„Der Abschied fällt mir nicht leicht“

Sprendlingen verliert einen seiner engagiertesten Protagonisten

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Mit vielen schönen Erinnerungen wird Claus Liewerkus Mitte August Sprendlingen verlassen.

Als Claus Liewerkus 1966 nach Sprendlingen kam, ahnte er nicht, dass er mit dem Stadtteil eines Tages so eng verbunden sein würde.

Dreieich – 53 Jahre später packt der gebürtige Frankfurter Liewerkus seine Kisten und neben den persönlichen Habseligkeiten ganz viele schöne Erinnerungen ein. Bald zieht er in die Nähe von Waldburg. Die ersten Jahre im Sprendlinger Norden sind geprägt von seiner Arbeit beim größten deutschen Luftfahrtunternehmen. Als Flugdienstberater sorgt er dafür, dass die Kapitäne die passenden Pläne mit an Bord nehmen und auch das Kerosin in der richtigen Menge berechnet ist. Er kommt herum in der Welt, arbeitet jeweils für einige Wochen in Kingston, Rio de Janeiro, Nairobi und Beirut. Nach New York geht er für zwei ganze Jahre. „Ich lebte dort alleine, meine Familie ist in Sprendlingen geblieben. Die Skyline von New York und das Leben in Manhattan inspirierten mich zur Fotografie“, erzählt Claus Liewerkus.

Ende der achtziger Jahre, wieder daheim in Sprendlingen, tritt er in den Fotoclub ein. Sein Engagement verstärkt sich, als er 1995 mit 57 Jahren seinen Job nach einer großen technischen Umstellung aufgibt. 1998 wird er Schriftführer bei der Volkshochschule – als Vertretung für den Fotoclub – und füllt dieses Amt 16 Jahre lang aus. Noch intensiver ist sein Engagement in seinem Stadtteil. „Meine Frau war aktiv im Café Motz“, berichtet der inzwischen 81 Jahre alte Sprendlinger, „als sich daraus der Verein Forum Sprendlingen Nord im November 1999 konstituierte, war ich eines der ersten Mitglieder“, erzählt Claus Liewerkus.

"Wir hatten es hier schön"

Seit 20 Jahren ist er bei der Nachbarschaftshilfe nicht wegzudenken. Die ersten Jahre des Forums sind von allerhand Aufbauarbeit geprägt. Der Verein richtet sich in dem Pavillon im Berliner Ring ein. Jede Schraube, jedes Regal hat Liewerkus als Teammitglied der Hausmeistertruppe „Die Heinzelmännchen“ in der Hand. Auch bei der vereinseigenen Zeitung „Ringepost“ arbeitet der engagierte Sprendlinger mit, liefert Artikel und unzählige seiner Fotografien erscheinen in dem Nachbarschaftsblatt.

„Ich habe mich immer für den Stadtteil stark gemacht und mich gegen das schlechte Image, das der Sprendlinger Norden hat, verwahrt. Wir hatten es hier schön, auch wenn sicher nicht immer alles toll war“, stört er sich vor allem an den Mitmenschen, die sich nicht um ihre Mitmenschen scheren und den eigenen Müll im Viertel verteilen.

Als Fotograf stellt Liewerkus in Einzelausstellungen zweimal in der Begegnungsstätte Winkelsmühle aus. Und die Fotoschau „Fundsachen“ mit einem Blick für skurrile Situationen im neuen Stadtteilzentrum Nord im vergangenen Jahr ist vielen Menschen noch gut in Erinnerung. Seit der Eröffnung vor gut zwei Jahren gehört Liewerkus gemeinsam mit Michael Kimmel zum Hausmeisterteam des städtischen Hauses. Ein weiteres Hobby hält Liewerkus über viele Jahre in Atem: Als Mitglied der Europa-Union organisiert und begleitet er unzählige Reisen nach Straßburg und auch zum Europäischen Gerichtshof nach Luxemburg.

Knochenschaden im Fuß

Jetzt kehrt Claus Liewerkus Sprendlingen den Rücken. Nach einem Knochenschaden im Fuß fällt das Gehen schwer. „Meine Tochter bearbeitet mich schon seit zwei Jahren, doch zu ihr zu ziehen“, erzählt der umtriebige Senior. Die drei Enkelkinder seien inzwischen ausgezogen; Schwiegersohn und Tochter haben in ihrem Haus in Waldburg, einer 4 000 Einwohner zählenden Gemeinde in der Nähe von Ravensburg, eine Wohnung eingerichtet.

„Ich habe lange überlegt, mich lange gewehrt und der Abschied fällt mir alles andere als leicht. Aber jetzt, wo ich die Entscheidung getroffen habe, geht es mir doch ganz gut“, betont Claus Liewerkus lächelnd. Am 19. August ist es soweit: Enkeltochter und Enkelsohn kommen zum Kistenschleppen nach Dreieich und brechen die Zelte gemeinsam mit dem Opa ab. Im Forum Nord, im Stadtteilzentrum, im Fotoclub und bei der Europa-Union wird man Claus Liewerkus schmerzlich vermissen. Er selbst nimmt viele gute Erinnerungen mit – vor allem an die Menschen, die sich mit ihm gemeinsam engagiert haben.

Nicole Jost

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