Neue Hengstbachtreppe

Streit in Dreieich: Anwohnerin über Stadt verärgert – „Ich habe kein Vertrauen“

Hier wird ab Oktober eine neue Treppe gebaut: Hanne F. Juritz und ihr Mann Walter Diewok wollen weder ihre Bäume opfern noch ihren Zaun abbauen.
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Hier wird ab Oktober eine neue Treppe gebaut: Hanne F. Juritz und ihr Mann Walter Diewok wollen weder ihre Bäume opfern noch ihren Zaun abbauen.

Die geplante Sanierung der Treppe ins Hengstbachtal sorgt in Dreieich für Streit. Eine Anwohnerin ist verärgert.

Dreieich – Hanne F. Juritz ist entsetzt. Vor ein paar Wochen bekam die Dreieicher Schriftstellerin von der Stadt ein Schreiben, in dem erläutert wurde, dass die Treppe hinter ihrem Grundstück von der Kennedystraße bis in die Hengstbachaue saniert werden muss. Der mit Holzstufen versehene Weg war schon seit vielen Jahren über die Wintermonate gesperrt, weil die Stadt auf den dann glatten Stufen keinen Winterdienst verrichten kann. Seit einigen Jahren sind die Stufen so marode, dass die Wegeverbindung komplett gesperrt ist.

„Jetzt will die Stadt eine Betontreppe bauen, die vielleicht für ein U-Bahn-Gelände geeignet ist, aber doch nicht für einen Weg in das Landschaftsschutzgebiet“, sagt Juritz. Sie stört sich aber nicht nur an diesen Planungen. Die Verwaltung schreibt sie an, weil die Wurzeln zweier Bäume, die direkt an ihrer Grundstückgrenze stehen, in das Treppenareal hineingewachsen sind.

Streit in Dreieich: „Das kommt mir vor wie eine Enteignung“

Karl Markloff, Ressortleiter Infrastruktur und Umwelt im Rathaus, erklärt in einem Brief, dass die Wurzeln gekappt werden müssen, die Bäume damit möglicherweise ihre Standfestigkeit verlieren, aber die Stadt bereit ist, die Ersatzpflanzung vorzunehmen. Erster Stadtrat Markus Heller bietet in einem weiteren Brief an, den Zaun an der Grundstücksgrenze für die Dauer der Bauarbeiten abzubauen, um Beschädigungen zu vermeiden und anschließend wieder aufzubauen.

„Ich habe kein Vertrauen, nachher werden meine Bäume zerstört. Sie bauen den Zaun ab, fräsen das Grün ab, das kommt mir vor wie eine Enteignung. Ich lebe seit 53 Jahren hier, die Bäume sind auch ein wichtiger Sichtschutz für unser Grundstück. Also nein, ich bin nicht dazu bereit, hier über Wochen mit einem Bauzaun zu leben“, sagt Hanne F. Juritz.

Dreieich: Hengstbachtreppe muss auf Hochwasser vorbereitet sein

Bei dem Sturm im Jahr 2019 hat sie schon zwei große Bäume verloren. Sie stimmt dem Angebot, den Zaun abzubauen, nicht zu. „Ganz ehrlich, es braucht an dieser Stelle nicht so ein riesiges Treppenbauwerk. Das ist völlig überdimensioniert. Wieso kann man die vorhandenen Stufen nicht einfach reparieren? Die Stadt sollte sich lieber mal um den völlig ausgewaschenen Hans-Pfrommer-Weg kümmern, der für Senioren und kleine Kinder mit Rädern schon lange nicht mehr nutzbar ist“, sagt die Schriftstellerin. Sie hofft jetzt, dass die Planungen für den Neubau der Treppe noch einmal überdacht werden.

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Karl Markloff bedauert die Haltung von Juritz. „Die Gespräche waren schwierig“, so Markloff. Aber der Neubau der Treppe sei unumgänglich: „Wenn wir an der Stelle neu bauen, müssen wir das auch nach den jetzt geltenden rechtlichen Regeln tun“, so der Ressortleiter. Das Bauwerk benötige einen Handlauf für kleine und große Leute und eine Entwässerung sei notwendig. „Wir bauen nach ein paar Stufen immer ein Podest mit einem Ablauf, denn der Kanal ist an dieser Stelle schon vorhanden. Gerade in der Diskussion um die Starkregenereignisse ist es wichtig, weil das Wasser hier am Hang ja von oben runterläuft“, so Markloff weiter. Mit einem richtigen Bauwerk sei die Treppe das ganze Jahr begehbar, weil dann Winterdienst möglich sei.

Dreieich: Keine Übereinkunft bei Streit über neue Hengstbachtreppe

Die Bauarbeiten starten im Oktober und die Stadt handelt nach Paragraf 910 BGB. Der besagt, dass Wurzeln gekappt werden dürfen, wenn sie ins eigene Grundstück hineinragen. Auch die Untere Naturschutzbehörde sei im Boot. „Wir haben die Aussage bekommen, dass es sich hier nicht um eine naturschutzrechtliche Frage handele, sondern um ein nachbarschaftsrechtliches Problem“, erläutert Markloff. Aber natürlich muss man damit rechnen, dass der Baum, dessen Wurzeln beschädigt werden, an Standfestigkeit verliert. „Ich hätte es wirklich gerne anders geregelt. Wir kappen demnächst die Wurzel und das ausführende Unternehmen muss beim Bau sehr auf den Zaun achten“ Markloff hätte lieber einen neuen Baum gepflanzt und den Zaun für die Zeit der Baustelle versetzt. (Nicole Jost)

Auch an anderer Stelle sorgt der Hengstbach für Frust: Das Hochwasser in Dreieich im Juni hat nachhaltige Schäden hinterlassen.

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