Misshandelter bekommt 8500 Euro Schmerzensgeld

Überfall auf Autohändler: Täter kommen mit Bewährung davon

Dreieich - Weil er ihm absichtlich einen defekten Wagen verkauft haben soll, hat ein 57-Jähriger zusammen mit Komplizen einen Autohändler krankenhausreif geschlagen und in den Kofferraum gesperrt. Nun wurden die Männer vor dem Landgericht verurteilt.

Schon einen Tag nachdem der Mann den vermeintlich günstigen Gebrauchtwagen bei dem Sprendlinger Händler erworben hat, springt er nicht mehr an. Der Käufer glaubt schließlich, der Wagen sei frisiert worden und will sein Geld zurück. Der Autohändler lehnt dies ab. Daraufhin holt sich der Mann Verstärkung und fordert den Kaufpreis gewaltsam von dem Händler ein.

Zu viert tauchen die Männer am 30. November bei dem Autohändler auf, schlagen und treten ihn, besprühen ihn mit Pulver eines Feuerlöschers und schleifen ihn über den Boden. Das alles filmt die Überwachungskamera auf dem Firmengelände. Anschließend fahren sie mit dem zur Tatzeit 34-Jährigen zur Bank und zwingen ihn, 800 Euro von seinem Konto abzuheben. Als ihr Opfer sich weigert, noch mehr Geld abzuheben, sperren sie es in den Kofferraum und fahren mit ihm auf einen Waldweg in der Nähe der Langener Asklepios Klinik. Erst nachdem sie ihn dort weiter bedroht und geschlagen haben, lassen sie ihn frei.

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Richterin Cornelia Hartmann-Grimm verurteilte nun die 57 und 25 Jahre alten Haupttäter vor dem Landgericht Darmstadt zu je zwei Jahren Haft auf Bewährung. Ihr Komplize, ein 27-Jähriger, bekam für Beihilfe sechs Monate auf Bewährung. Zudem müssen alle drei dem Opfer ein Schmerzensgeld von insgesamt 8500 Euro zahlen. Der Fall des vierten Tatbeteiligten wird in einem gesonderten Verfahren verhandelt.

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Die Strafe für das Trio hätte deutlich höher ausfallen können. Das Gericht wandelte den in der Anklage formulierten Tatbestand der besonders schweren räuberischen Erpressung und schweren Raubs, auf den mindestens drei Jahre Haft stehen, in Absprache mit Staatsanwaltschaft und Verteidigern ab. Richterin Hartmann-Grimm verurteilte die Männer wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung und Freiheitsberaubung. Das Gericht begründete dies damit, dass die Täter Geständnisse abgelegt hatten. Das Schöffengericht verhängte allerdings das für diesen Tatbestand maximal vorgesehene Strafmaß. Die Anwältin des als Nebenkläger auftretenden Autohändlers bemängelte dennoch, die Höhe der Haftstrafen würdige nicht genügend das Martyrium, das ihr Mandant durchlitten habe.

Dass die Vermutung des Käufers über das Streitobjekt nicht abwegig ist, bestätigte ein Gutachter dem Gericht: Laut dem Experten sollen Kilometerstand und Motor des Wagens manipuliert worden sein. Statt der angegebenen 100.000 Kilometer habe der 17 Jahre alte Mercedes rund viermal so viel auf dem Tacho. (jrd)

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: dpa

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