Klimaschonende Alternative zum Auto

Dreieich testet Lastenräder: Nachfrage größer als Angebot


Ausflug mit Beifahrerin: Eine Woche lang hat Sven Zerbes das Lastenrad getestet. Mit der Schwägerin strampelte er nach Dietzenbach.
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Ausflug mit Beifahrerin: Eine Woche lang hat Sven Zerbes das Lastenrad getestet. Mit der Schwägerin strampelte er nach Dietzenbach.

Das Interesse war groß. Knapp drei Monate lang konnten Privatleute und Gewerbetreibende zwölf Lastenfahrräder testen – „die Termine waren allesamt ausgebucht“, sagt der städtische Klimaschutzmanager Theo Felber. Er hatte die Aktion „Radfahren neu entdecken“ nach Dreieich geholt.

Dreieich – Einkäufe erledigen, Kinder durch die Gegend kutschieren, Material transportieren – im Stadtgebiet können Lastenräder viele Zwecke erfüllen. Dabei schonen sie die Umwelt und sind deshalb für immer mehr Leute eine Alternative zum Auto. Von ihren Vorzügen konnte sich jetzt eine Reihe von Dreieichern überzeugen. Die „Lastesel“ wurden kostenlos zur Verfügung gestellt – dabei übertraf die Nachfrage das Angebot. „Gerne hätten noch mehr Dreieicher die Lastenräder gefahren“, berichtet Felber. „Alle Räder waren komplett ausgebucht und die, die welche hatten, wollten sie am liebsten nicht mehr hergeben.“ Dank Elektromotor sind auch schwere Lasten und Steigungen kein Problem. Viele der Tester denken nach Felbers Worten über die Anschaffung eines Lastenrads nach. Einer von denen, die auf den Geschmack gekommen sind, ist Sven Zerbes.

Eine Woche war der Götzenhainer mit dem Modell der Marke Urban Arrow unterwegs. Und ist höchst angetan. „Ich ziehe ernsthaft in Erwägung, mir ein Lastenrad anzuschaffen. Ich bin sehr viel gefahren und es hat viele Vorteile“, schildert der 36-jährige Familienvater. Wenn er sich dazu entscheidet, wird Sohn Simon einen Luftsprung machen. Der Dreijährige war begeisterter Mitfahrer, erzählt der Papa. Die beiden sind auch größere Touren gefahren, zum Beispiel über Offenthal, Egelsbach und Langen wieder heim nach Götzenhain. Die Südliche Ringstraße hoch hat Zerbes dann auch mal den Motor eingeschaltet, auf dessen Unterstützung er ansonsten verzichtete. Denn obwohl das Teil stolze 45 Kilo wiegt: „Wenn’s mal rollt, dann rollt es“, schildert er. Bergab kann der „Pfeil“ ordentlich Fahrt aufnehmen – 48 km/h zeigte der Tacho einmal an. Auch an das im Vergleich zu einem normalen Fahrrad andere Lenkverhalten habe er sich schnell gewöhnt, erzählt Zerbes.

Mit einem solchen Lastenrad sei im Prinzip „alles außer einem Möbelkauf möglich“, meint der Dreieicher, dem die umweltfreundliche Nutzung gefällt. „Wir kaufen zu 95 Prozent in Dreieich ein, das kann man ohne Auto erledigen.“ Drei Getränkekisten habe er locker transportieren können, sagt Zerbes. Beim Einkaufen hat er allerdings einen Nachteil ausgemacht. Wenn man mehrere Geschäfte abklappert, sind die dann im Kasten deponierten Einkäufe nicht wirklich vor Diebstahl geschützt. „Ich habe eine Sicherung mit Schloss vermisst.“ Es gibt aber auch Modelle, die eine Klappe zum Abschließen haben. Noch einen Nachteil hat Zerbes ausgemacht. Man braucht zu Hause ordentlich Platz zum Abstellen.

Dass Lastenräder immer beliebter werden, zeigt die Tatsache, dass der Fördertopf des Landes Hessen für 2020 – immerhin 1,2 Millionen Euro – ratzfatz leer war. Das Umweltministerium prüft, ob es eine zweite Runde gibt. Die maximale Förderung betrug tausend Euro. (Von Frank Mahn)

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