Schnell, unbürokratisch, transparent

Dreieich testet den Online-Mängelmelder

Dreieich - Ob defekte Straßenlaterne, überfüllter Mülleimer, Schlaglöcher, illegale Abfallablagerungen oder ein verstopfter Gully – gestern hat in Dreieich das Zeitalter des modernen Beschwerdemanagements begonnen. Von Frank Mahn

Der Online-Mängelmelder ist an den Start gegangen, der städtische Internet-Denkzettel Geschichte. Schnell, unbürokratisch, transparent – Bürgermeister Dieter Zimmer spricht von einer „guten Sache“, die einen schnellen Austausch zwischen Bürgern auf der einen und Stadt beziehungsweise Dienstleistungsbetrieb (DLB) auf der anderen Seite garantiere. Zu alledem ist das Projekt auch noch vergleichsweise günstig. Die Kosten für die Anschaffung belaufen sich auf 6 000 Euro, hinzu kommen 1 000 Euro für eine halbtägige Schulung von knapp 30 Mitarbeitern und 1 500 Euro jährlich für die laufenden Kosten.

Gut Ding will Weile haben: Die Einführung des Systems, entwickelt von der Darmstädter Firma „wer denkt was“, die auf Beteiligungsprojekte im Internet spezialisiert ist, geht auf einen Beschluss des Stadtparlaments vom September 2014 zurück. Im Sommer 2015 hatte der Magistrat das Unternehmen mit der Einrichtung beauftragt. Die Darmstädter haben es dann auf die Dreieicher Bedürfnisse zugeschnitten – die Bearbeitung der eingehenden Meldungen kann sowohl von städtischen Angestellten als auch von Mitarbeitern des DLB erledigt werden.

Der Service kann vom heimischen Computer aus, aber auch über die Mängelmelder-App genutzt werden. Das System ist nach den Worten von Tobias Vaerst („wer denkt was“) vor allem für Smartphones und andere mobile Geräte konzipiert. Wer beispielsweise beim Joggen im Wald einen Haufen Bauschutt entdeckt und sein Handy dabei hat, kann die Meldung gleich absetzen. Der Standort wird durch GPS erfasst. Absolut hilfreich ist es, wenn ein Foto gemacht wird. „Das hilft uns enorm für eine erste Einschätzung“, sagt DLB-Chefin Petra Klink. Der Bearbeitungsstand ist online für jedermann stets nachvollziehbar, da er mit einem farblichen Ampelsystem gekennzeichnet ist. Statusveränderungen sind öffentlich sichtbar und können um individuelle Kommentare ergänzt werden. Es kann freilich auch passieren, dass ein Anliegen nach der Prüfung abgelehnt wird.

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Die App gibt es seit 2011 und wird von Städten quer durch die Republik verwendet. „Die Verwaltung wird nicht in Anliegen ertrinken“, weiß Tobias Vaerst aus Erfahrung. „Am Anfang steigt die Zahl an, aber das pendelt sich auf ein angemessenes Niveau ein.“ Auf 1 000 Einwohner kommen pro Jahr etwa zehn Mitteilungen – im Falle von Dreieich wären das um die 400. „Über alle Städte hinweg sind Müll und Bauschutt die dominierenden Themen“, sagt Vaerst und spricht von einer „sehr guten Lösungsquote“, die zwischen 60 und 70 Prozent liege.

Um das Beschwerdemanagement weiter zu stärken, denkt die Stadt an den Einsatz von ehrenamtlichen Stadtkümmerern, wie es in Neu-Isenburg praktiziert wird. Das dortige Parlament hat sich im Übrigen vorerst gegen den Mängelmelder entschieden. Die Dreieicher gehen schrittweise vor. Nach einer halbjährigen Erprobungsphase des Mängelmelders will der Magistrat Ehrenamtler für die Aufgabe der Kümmerer gewinnen. Sie sollen bei Rundgängen nach Missständen Ausschau halten, diese fotografieren und ihre Feststellungen ebenfalls im neuen System erfassen. Bei allem Fortschritt wird’s aber weiterhin die klassischen Mängelkärtchen geben.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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