Posten des Ersten Stadtrats

Aus Trio wird Duo: Ein Kandidat zieht Bewerbung zurück

Marco Lang will die Digitalisierung in der Stadtverwaltung vorantreiben. 
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Marco Lang will die Digitalisierung in der Stadtverwaltung vorantreiben.

Wenn die Stadtverordnetenversammlung am 5. Februar einen neuen Ersten Stadtrat wählt, sind nur noch zwei Kandidaten im Rennen. Dr. Ralf Joachim Klann (parteilos) hat seine Bewerbung zurückgezogen.

Dreieich – Die Entscheidung fällt folglich zwischen Steffen Seinsche (FDP) aus Mörfelden-Walldorf und Marco Lang, Vorsitzender der FWG im Dreieicher Stadtparlament.

Klann weilte bis Donnerstag mit seiner Familie im Urlaub. Er habe sich schon länger überlegt, ob er seine Kandidatur aufrechterhalten wolle, sagt der Offenthaler im Gespräch mit der Redaktion. Bereits am Mittwochabend habe er dazu tendiert, von seiner Bewerbung Abstand zu nehmen. Am Donnerstag sei die Entscheidung dann gereift, was sich unglücklicherweise mit dem Erscheinen des Artikels überschnitten habe. Für seinen Schritt seien persönliche Gründe ausschlaggebend gewesen, sagt Klann.

Somit ist aus dem Drei- ein Zweikampf geworden. Während Steffen Seinsche vom parlamentarischen Wahlvorbereitungsausschuss vorgeschlagen wurde, basiert Langs Nominierung auf einem Vorschlag der FWG-Fraktion. Er hatte seine (erneute) Bewerbung allerdings erst nach der letzten Sitzung des Gremiums eingereicht.

Lang sieht gute Chancen für sich, gewählt zu werden. Er habe in der ersten Ausschreibungsrunde, die im Sommer aufgehoben wurde, die eine oder andere Fraktion „zumindest in Teilen“ hinter sich gesehen, sagt der 44-Jährige, der seit 2014 in Dreieich lebt. Im Vogelsberg aufgewachsen, studierte Lang in Fulda, wohnte lange in Frankfurt, ehe es ihn nach Sprendlingen zog. Seit 2015 mischt er bei den Freien Wählern mit und „möchte Dreieich aktiv mitgestalten“. Und zwar nicht nur im Ehrenamt, sondern als hauptamtliches Magistratsmitglied an der Seite von Bürgermeister Martin Burlon (parteilos).

Steffen Seinsche strebt den Wechsel vom Mörfelden-Walldorfer ins Dreieicher Rathaus an. 

Lang arbeitet seit 19 Jahren bei der AOK Hessen, seit elf Jahren in führenden Funktionen. Der Diplom-Pflegewirt ist Vorgesetzter von mehr als 100 Mitarbeitern und verantwortet den Bereich Hilfsmittel mit einem Jahresbudget von mehr als 200 Millionen Euro. Digitalisierung bezeichnet Lang als eines seiner Steckenpferde. Und auf diesem Gebiet seien zum Beispiel im Fachbereich Planung und Bau oder im Bürgeramt Verbesserungen notwendig. Lang will den Online-Service für die Bürger ausbauen und gleichzeitig den Bediensteten die Arbeit erleichtern. Mit seiner Abteilung habe er mehrfach Pilotprojekte für Automatisierungsprozesse umgesetzt, die dann auf die restlichen Bereiche der AOK ausgerollt worden seien. „Ich denke, ich habe ein paar gute Ideen, um die Verwaltung zu modernisieren und weiterzuentwickeln.“

Mit den Abläufen einer Rathausverwaltung ist Steffen Seinsche vertraut. Seit Mai 2016 ist der 49-Jährige ehrenamtlicher Stadtrat im Magistrat von Mörfelden-Walldorf. Und das mit großer Freude, wie der frühere langjährige FDP-Fraktionschef sagt. „Diese Arbeit kann ich mir auch hauptberuflich vorstellen.“ In der Doppelstadt ist der gebürtige Frankfurter, der in Langen Abitur machte, für das Bürger- und Ordnungsamt zuständig. Dazu gehört das Amt des Gemeindewahlleiters. Der Arbeitgeber des Juristen, die Hessische Lehrkräfteakademie, hat den stellvertretenden Abteilungsleiter für fünf Stunden in der Woche freigestellt. Allerdings reichen die selten aus, hinzu kommen noch Abendtermine wie Ausschusssitzungen. Im Sommer 2019 Jahres war Seinsche an der Spitze drei Wochen auf sich allein gestellt, als sich der Resturlaub des ausscheidenden Bürgermeisters mit dem des Ersten Stadtrats überschnitt.

Er sei zwar kein Baufachmann, „aber als Verwaltungsrechtler habe ich schon im Studium viel mit Baurecht zu tun gehabt“, sagt Seinsche. Zudem sei er bei einer Kanzlei beschäftigt gewesen, die Kommunen in genau diesen Fragen vertrete. Mit Dreieich verbindet Seinsche seinen Berufseinstieg. Nach dem Bestehen der Zweiten Staatsprüfung 1999 arbeitete er eineinhalb Jahre als Rechtsanwalt in Sprendlingen, um 2001 in die Verwaltung des Landes Hessens zu wechseln.

 Nach der Absage Klanns kommt der Wahlvorbereitungsausschuss am Montag, 13. Januar, zu einer erneuten Beratung zusammen. Das teilte dessen Vorsitzende Kerstin Mandel mit.

VON FRANK MAHN

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