An der Schule für Erwachsene durchgestartet

Trotz erfolgreicher Integration muss Zaen Kadhim mit Abschiebung rechnen

Hat ein glänzendes Abi gemacht: Zaen Kadhim.
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Hat ein glänzendes Abi gemacht: Zaen Kadhim.

Unter den diesjährigen Absolventen der Schule für Erwachsene (SfE) in Dreieich sticht Zaen Kadhim hervor. Er legte einen Abiturschnitt von 1,8 hin – dabei konnte er vor Jahren noch kein einziges Wort Deutsch sprechen.

Dreieich – Als 18-Jähriger war er mitten in seinen Abiturprüfungen aus Bagdad nach Deutschland geflüchtet. Über Hamburg und Gießen kam Kadhim nach Obertshausen, wo er heute noch lebt. „Die ersten Worte und Sätze lernte ich in den Integrationskursen, aber das reichte nicht aus.“ Vor allen Dingen durch Bücher, Lieder und das Fernsehen habe er sich Deutsch beigebracht. „Anfangs habe ich kaum etwas verstanden, aber dann habe ich die Lieder immer wieder gestoppt und die Worte nachgeguckt.“

Sehr geholfen haben Zaen Kadhim auch die Kontakte, die er über den Sport und später in der Schule für Erwachsene im Haus des lebenslangen Lernens fand. In der Klasse haben sich echte Freundschaften entwickelt, was für das Lernen sehr gut war. „Aber ich habe mir auch sehr viel Mühe gegeben und immer alle Hausaufgaben gemacht“, sagt der junge Mann lächelnd. „Käme er aus Berlin, wäre die große Politik schon längst auf ihn aufmerksam geworden und es hätte einen Fototermin mit der Bundesfamilienministerin gegeben“, meint Lehrer Gregor Kannberg.

Dass Zaen überhaupt an der SfE aufgenommen wurde, verdankt er seinen Leistungen in Mathematik und Englisch sowie dem obligatorischen Aufnahmegespräch mit der Schulleiterin. „In der Regel ist es so, dass Schüler aufgenommen werden, wenn sie zwei der drei Aufnahmetests in den Fächern Mathematik, Deutsch, Englisch bestehen. Das war der Fall, aber Zaens Sprachfähigkeiten waren damals eindeutig noch nicht ausreichend, um die gesamte Oberstufe und das Abitur erfolgreich zu meistern“, erzählt Schulleitern Bernadette Bork. Nachdem sie sich mit Zaen unterhalten hatte, ging sie im Rahmen ihres Ermessensspielraums das Risiko ein – und lag mit ihrer Einschätzung richtig.

„Ich bin der Schulleiterin sehr dankbar. Sie hat sich sehr für mich eingesetzt und auch außerhalb der Schule versucht, Hürden aus dem Weg zu räumen“, berichtet der erfolgreiche Absolvent. Auch der Bürgermeister seines Wohnorts Obertshausen hat ihn in schwierigen Situationen unterstützt. Dies gelte aber nicht für alle Behörden und offiziellen Institutionen, mit denen der junge Mann bislang in Deutschland zu tun hatte, bedauert Kannberg. „Obwohl es kaum vorstellbar ist, dass sich jemand innerhalb dieser kurzen Zeit besser integriert als Zaen Kadhim, ist sein Asylantrag abgelehnt worden und ihm droht die Abschiebung.“ Dennoch hofft er darauf, in Deutschland bleiben und studieren zu können. Zurzeit sucht er einen Nebenjob, was aufgrund der Coronasituation nicht ganz einfach ist. Wer einen zuverlässigen jungen Mann mit einer schnellen Auffassungsgabe benötigt, könnte sich bei ihm melden. Unsere Redaktion, z 06103 3108521, stellt den Kontakt her.  fm

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