Raub der besonderen Art

Alkoholisiert, dilettantisch, erfolglos – Mann muss nach Überfall in Haft

Mit einem Überfall auf einen Supermarkt in Dreieich beschäftigte sich die erste Strafkammer des Landgerichts Darmstadt.
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Mit einem Überfall auf einen Supermarkt in Dreieich beschäftigte sich die erste Strafkammer des Landgerichts Darmstadt.

Mit einem Raubüberfall der besonderen Art beschäftigte sich die erste Strafkammer des Landgerichts Darmstadt. Ein Sprendlinger Pärchen überlegte sich am 7. Januar dieses Jahres kurz entschlossen, morgens um halb acht den Supermarkt Tegut an der Frankfurter Straße zu überfallen.

  • Landgericht beschäftigt sich mit gescheitertem Überfall auf Supermarkt in Dreieich
  • Die Aktion lässt sich in drei Worte fassen: Alkoholisiert, dilettantisch, erfolglos
  • Der angeklagte Mann muss über zwei Jahre in Haft

Dreieich – Januar dieses Jahres kurz entschlossen, morgens um halb acht den Supermarkt Tegut an der Frankfurter Straße in Dreieich zu überfallen. Die von den Überwachungskameras erfasste Aktion lässt sich in drei Worte fassen: Alkoholisiert, dilettantisch, erfolglos. Das dicke Ende kam trotzdem: Zwei Jahre und drei Monate Haft für den 37-Jährigen - wegen versuchtem besonders schwerem Raub.

Überfall auf Supermarkt in Dreieich: Angeklagter kann sich die Aktion nicht erklären

Warum sich der Angeklagte auf den Überfall in Dreieich einließ, kann er heute nicht mehr so richtig erklären. Es sei in erster Linie um seine Freundin gegangen, um deren Alkohol- und Drogenkonsum zu befriedigen.

Die Gleichaltrige kann dem nichts entgegensetzen – sie zieht es vor, die Veranstaltung gar nicht erst aufzusuchen. Die Vorsitzende Richterin Ingrid Schroff beauftragt die Polizei, sie im Gericht vorzuführen.

Doch an der Wohnanschrift, ebenfalls Frankfurter Straße, bleibt den Beamten nur, die Nachbarn zu befragen: „Nein, die haben wir seit Tagen nicht gesehen.“ Ergebnis: Erlass eines Haftbefehls, das Verfahren wird abgetrennt, Prozessstart mit einer Stunde Verspätung.

Überfall in Dreieich: Mann (37) zückt Messer und droht – dann scheitert er

Den Tathergang lässt man am besten von der betroffenen Kassiererin erzählen. Die 28-jährige Zeugin öffnet an dem Tag der Tat um sieben Uhr den Markt, schiebt „ihre“ Kassenlade mit dem Wechselgeld in die Halterung. „Kurz nach der Öffnung kam eine Frau herein, die fiel mir auf, weil sie nicht nur wegen ihrer Pyjamahose komisch wirkte. An ihren Augen sah ich, dass sie auf Alkohol oder Drogen war. Ich hatte sofort die Intuition, das etwas passieren würde“, erinnert sich die damalige Marktmitarbeiterin.

Die Frau verließ das Geschäft aber wieder, um nach zehn Minuten mit einem jungen Mann wieder herein zu kommen. „Ich war gerade beim Zigaretten einräumen, als der Mann sagte ‘Gib die Kasse her!’. Das hab ich zuerst gar nicht ernst genommen.“ Doch der unmaskierte, mit schwarzer Kapuzenjacke bekleidete Räuber sei auf ihre Kassenseite gekommen und habe drohend ein Küchenmesser gezogen. „Aus Reflex bin ich zurück gewichen, habe Panik bekommen. Da hat der Kerl selbst versucht, die Lade raus zu reißen. Was er aber nicht schaffte. Ich schrie um Hilfe!“

Dreieich: Kassiererin muss nach dem gescheiterten Überfall Therapie machen

Die Frau habe die ganze Zeit nur da gestanden. Als ihr Begleiter flüchtete, sei sie im Markt geblieben. Die Zeugin muss nach dem Vorfall zehn Tage pausieren, bekommt nach Arbeitsneustart Herzrasen, wenn der Markt zu voll ist. In einer Therapie der Berufsgenossenschaft versucht sie, die Geschehnisse zu verarbeiten. „Ich hatte damals Megaangst. Mit der Ladung kam alles wieder hoch“, gesteht die junge Frau. Der Angeklagte entschuldigt sich bei ihr. Es tue ihm leid, sie in Angst und Schrecken versetzt zu haben.

Dreieich: Täter schiebt die Schuld von sich

Konträr zur Zeugin behauptet der Gelegenheitsjobber, seine Freundin sei die treibende Kraft gewesen: „Sie hat zuerst gefordert, die Kasse raus zu geben. Ich hab einfach nur reagiert, war überfordert!“ Zumal er ja knapp 200 Euro im Geldbeutel hatte, auf Flohmärkten ehrlich verdient. „Ich wollte nur Bier holen, hab ihr gesagt, sie soll draußen bleiben. Aber sie wollte unbedingt an die Kasse“, klagt der Sprendlinger, der seit dem Tattag in Untersuchungshaft sitzt. Richterin Schroff ist damit nicht zufrieden. Sie will wissen, warum er ein Messer dabei hatte und warum er die Freundin bei der Polizei noch in Schutz nahm – und jetzt beschuldigt. „Mir ist mein Leben eben doch wichtiger. Das Messer hab ich immer dabei, um auf Märkten Kabelbinder aufzuschneiden“, so die Erklärung.

Überfall in Dreieich: Mann (37) war auf Bewährung

Oberstaatsanwalt Jens Neubauer lotet so einige widersprüchliche Schilderungen aus. Erschwerend fand die Tat unter laufender Bewährung statt, und der psychiatrische Sachverständige Peter Haag kann keine gesundheitlich strafmildernden Umstände erkennen. Doch auf der Habenseite hat der junge Mann genug zu bieten, um den knapp fünfstündigen Prozesses mit einem Urteil im minderschweren Fall zu beenden: Der Raubversuch war erfolglos, die Kasse morgens fast leer, der Alkoholpegel um die ein Promille. Nicht zu vergessen die hoffentlich ernst gemeinte Entschuldigung und das Geständnis.

VON SILKE GELHAUSEN

Bei einem anderen Überfall in Mühlheim– wie Dreieich ebenfalls im Kreis Offenbach – ist ein Schuss gefallen. Die Polizei setzte nach dem Raub einen Hubschrauber ein.

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