Argumente gegen Standort

Umstrittene Rochade

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Die Georg-Büchner-Schule in der Konrad-Adenauer-Straße ist deutlich größer und könnte das Raumproblem lösen. Der Kreistag entscheidet morgen über einen Tausch.

Die Schillerschule erreicht ihre Kapazitätsgrenze. Gut 200 Kinder besuchen aktuell die mehr als 100 Jahre alte Grundschule in der Sprendlinger Moselstraße. 

Dreieich – Im nächsten Sommer gehen 54 Kinder aus der vierten Klasse ab, derzeit stehen 96 Mädchen und Jungen auf der Liste für die neuen ersten Klassen. Dafür reicht der Platz hinten und vorne nicht. Am morgigen Mittwoch liegt dem Kreistag ein Antrag des Kreisausschusses vor, der einen Standort-Tausch mit der Georg-Büchner-Schule vorsieht (wir berichteten).

Diese Idee stößt bei Tina Vieweber auf wenig Gegenliebe. „Wir haben in Gesprächen mit den Eltern viele Fragen, Bedenken, Anregungen und Wünsche zusammengetragen, die wir auch Landrat Oliver Quilling und dem Kreistagsvorsitzenden Bernd Abeln vorgelegt haben“, sagt die Elternbeiratsvorsitzende der Schillerschule. Zum einen ist die engagierte Mutter enttäuscht, dass es keinerlei Gespräche mit dem Elternbeirat gegeben habe und alle Entscheidungen über die Köpfe der Eltern hinweg getroffen worden seien. Zudem fragen sich die Eltern, ob zwei Grundschulen in nur 200 Metern Entfernung (Erich-Kästner-Schule) sinnhaft sind und warum keine der Alternativen ernsthaft geprüft wurde. „Wir wissen, dass es in der Schillerschule zu eng wird. Wir wissen auch, dass die Schule kaum Vergrößerungspotenzial hat. Aber eine Dependance an der Georg-Büchner-Schule, eine neue Grundschule in Kombination mit der Förderschule oder eine komplett neue Grundschule östlich der Offenbacher Straße wären in unseren Augen auch Optionen.“

Aus Viewebers Sicht sprechen viele Argumente gegen einen Tausch. Eine riesige Grundschule mit mehr als 500 Kindern, auf die die Schillerschule im neuen Gebäude perspektivisch anwachsen werde, sei nicht wünschenswert für die ersten Schuljahre der Jüngsten. Für einige Kinder werde sich der Schulweg erheblich erweitern, manche müssten zwei Hauptverkehrsstraßen kreuzen, was vermutlich dazu führe, dass noch mehr Kinder mit dem Auto gebracht werden. „Viele baufachliche Fragen wie die Umgestaltung des Schulhofs und den Umbau der sanitären Einrichtungen für die Grundschulkinder sind nicht geklärt. Auch die Frage, ob die jetzigen Hortkinder dann in die neue Grundschulbetreuung an der neuen Schule wechseln müssten, ist noch offen.“

Die Eltern wollten nichts blockieren, was sinnvoll sei, betont Vieweber. „Aber wir haben den Eindruck, dass die Politiker im Kreis Offenbach am Mittwoch eine Entscheidung über eine Lösung treffen sollen, die am Reißbrett entstanden ist und über deren Auswirkungen sie sich persönlich gar kein Bild machen können.“

Ruwen Guggenberger, Leiter der Schillerschule, versteht die Beiratsvorsitzende. Den Ansatz des Kreises, die Standorte zu tauschen, kann er aber auch verstehen. „Der Wechsel an die Georg-Büchner-Schule ist erforderlich. Wir können auf Dauer die steigenden Schülerzahlen in dem alten Gebäude nicht mehr auffangen. Was die weiteren Alternativen angeht, gehe ich davon aus, dass der Kreis sich hierzu ausreichend Gedanken gemacht hat.“

Lukas Kracht, Leiter der Georg-Büchner-Schule, erklärt, dass er den Wechsel der Gebäude von Schillerschule und seiner Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen „zur Kenntnis genommen“ habe. „Wir haben für unsere Schüler den Bildungsgang in dem neuen Gebäude zu realisieren. Dazu brauchen wir Fachräume beispielsweise für Arbeitslehre und Musik.“ Auch die Vielzahl der Kollegen – mit den Sonderschullehrern, die in der Inklusion tätig sind, kommt die Schule auf 70 Pädagogen plus Fachpersonal und Teilhabeassistenten – sieht er als Herausforderung. „Ich werde als Schulleiter immer darauf achten, unsere Schüler bestmöglich zu fördern“, betont Kracht.

Von Nicole Jost

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