Wohnsitzloser zu 17 Monaten Gefängnis verurteilt

In fremder Wohnung Gelage gefeiert

Dreieich - 17 Monate Gefängnis wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs hat sich ein 38-jähriger Wohnsitzloser am Amtsgericht Darmstadt eingehandelt. Der Mann war am 23. September dieses Jahres in eine unverschlossene Wohnung in der Frankfurter Straße eingedrungen und hatte sich dort häuslich niedergelassen. Mit satten 17 Vorstrafen ist der Arbeitslose hinlänglich justizbekannt.  Von Silke Gelhausen 

„Die Wohnung war gerade fertig geworden und hatte noch kein Zylinderschloss. Ich war eben erst eingezogen“, erklärt der Mieter vor Amtsrichter Markus Herrlein. „Als ich an dem Sonntag nach Hause kam, lagen Bierflaschen, Zigaretten und übelriechende Klamotten herum. Mein Laptop mit Tasche fehlte und einige meiner Kleidungsstücke.“ Im Umfeld gebe es einige Obdachlose, deshalb habe er zunächst gezögert, ob er die Polizei rufen oder sich selbst draußen umsehen solle. Also habe er erst mal versucht, Ordnung zu schaffen. „Nach ein paar Stunden ging die Tür auf und der Täter kam zurück. Ich habe ihn sofort am Geruch erkannt“, sagt der 31-jährige Zeuge. In der Hand habe er einen Becher mit Tütensuppe gehalten und ihn gefragt, ob er auch etwas wolle. Der Student: „Ich habe ihn festgehalten und hinausgeführt, dann den Hauseigentümer alarmiert. Nachbarn haben die Polizei gerufen.“ Richter Herrlein will es genauer wissen: „Was hatte er denn an?“ – „Was er jetzt auch anhat, das sind meine Sachen!“ Die wolle er auch nicht zurückhaben. Der Laptop im Wert von rund 150 Euro tauchte indes nicht wieder auf. Wahrscheinlich hat ihn der Cannabis- und Alkoholabhängige in Nachschub umgesetzt.

Der schmächtige Mann will sich nicht äußern. Überhaupt ist er alles andere als kooperativ, nicht mal seinem Verteidiger gegenüber. Während manche Angeklagten bei ihrem Rechtsbeistand fast auf dem Schoß sitzen, spricht hier der große Abstand Bände. Entsprechend ungewöhnlich fällt das Plädoyer von Christian Kunath aus – er fordert die gleiche Strafe wie Staatsanwältin Eva Wörner, die der Richter auch in das Urteil umsetzt. Der Rechtsanwalt: „Das war ziemlich dreist, was er da für ein Gelage veranstaltet hat. Sein Verhalten lässt mich zweifeln, ob er noch psychisch gesund ist. Er sollte dringend zum psychologischen Dienst der Justizvollzugsanstalt gehen.“ In der JVA Dieburg sitzt er ohnehin schon ein, der Haftbefehl bleibt bestehen.

Nach Sonderschule und Hauptschulabschluss begann der gebürtige Offenbacher eine Lehre als Gebäudereiniger, die er nach einem Jahr abbrach. „Arbeit ist nicht meine Sache“, soll er in einem anderen Verfahren kundgetan haben. Nicht nur der tägliche Konsum von – laut eigenen Angaben – drei Gramm Marihuana und einer Flasche Wein führen den Angeklagten immer mehr ins Abseits, sein Verhalten im sozialen Umfeld lässt zu wünschen übrig. So ließ er den Verteidiger in der JVA eine halbe Stunde warten, weil er lieber schlafen wollte. Beratungstermine werden ignoriert, sämtliche Hilfsangebote verweigert. Das Bundeszentralregister ist fester Bestandteil seines Lebens. Von den vielen Einträgen sind die meisten einschlägig: schwerer Einbruchsdiebstahl, räuberische Erpressung, gewerbsmäßiger Diebstahl und so weiter – manchmal nur einen Tag nach der Haftentlassung.

Bilder: Designt für das Leben auf der Straße

Ob die mahnenden Worte des Amtsrichters noch etwas ausrichten können, sei dahin gestellt: „Ich habe Ihnen vor zwei Jahren schon gesagt, dass sich in ihrem Leben etwas ändern muss. Wie soll das weitergehen die nächsten 40 Jahre? Der lange Drogenkonsum hat bei Ihnen zu einer immensen Gleichgültigkeit geführt – auch mit Blick auf Ihr Verhalten hier im Gerichtssaal. Eine Therapie geht aber immer nur freiwillig, was momentan nicht der Fall zu sein scheint. Die Strafe gibt Ihnen noch mal die Chance, in sich zu gehen. Sprechen Sie mit dem Mitarbeiter des psychologischen Dienstes. Dann wird man sehen, ob man für Sie einen Therapieplatz findet!“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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