Bedenken zur Unzeit

US-Veto bereitet Biotest Sorgen

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Über dem Firmensitz von Biotest im Dreieichenhainer Gewerbegebiet – rechts das neue Produktionsgebäude – sind dunkle Wolken aufgezogen. Die Übernahme durch einen chinesischen Investor ist in Gefahr geraten.

Dreieich - Es sind turbulente Zeiten für die Biotest AG. Das Veto eines amerikanischen Ausschusses gegen die Übernahme des Pharmaunternehmens durch die chinesische Creat Group drückt am Firmensitz im Dreieichenhainer Gewerbegebiet erheblich auf die Gemütslage der etwa Beschäftigten. Von Frank Mahn 

Die Verantwortlichen kündigen indes einen neuen Anlauf an.
Vor ein paar Wochen noch schienen die im März öffentlich gemachten Übernahme-Pläne bereits in trockenen Tüchern zu sein. Doch zu Beginn dieser Woche folgte der Rückschlag. Da mussten Biotest und Tiancheng, eine Tochter der Creat Group, verkünden, dass der für Auslandsinvestitionen zuständige Ausschuss der US-Regierung (CFIUS) dem Deal skeptisch gegenüber steht. Mehr noch: Nach Prüfung des Übernahmeangebots meldete er nationale Sicherheitsbedenken an. Biotest und Tiancheng zogen daraufhin die Anmeldung der Transaktion zurück.

Mutmaßlicher Knackpunkt für den Einspruch: Biotest unterhält in den Staaten 22 Plasmasammelstationen. Die Daten der Spender werden erfasst und für 30 Jahre gespeichert. Die Amerikaner sind wohl in Sorge, dass Tiancheng Zugang zu Daten von Spendern und Patienten bekommt.

Gemeinsam mit ihrem chinesischen Partner will die Biotest AG nun einen weiteren Versuch starten, die Bedenken von CFIUS zu zerstreuen. Dabei wollen die beiden Parteien einen Antrag für ein beschleunigtes Prüfungsverfahren einreichen. Man sei optimistisch, dass die Vorbehalte in weiteren Gesprächen mit dem Prüfungskomitee ausgeräumt werden könnten, sagt Biotest-Sprecherin Dr. Monika Buttkereit. Aber: Eine Garantie, dass CFIUS den Überprüfungszeitraum verkürzen wird, gibt es freilich nicht. Die Übernahme soll nach den bisherigen Plänen bis zum 20. Januar 2018 abgeschlossen sein. Kein Wunder, dass die Dreieicher und der chinesische Kaufinteressent auf eine rasche – positive – Entscheidung aus Amerika hoffen.

Wer ist im DAX?

Zuversichtlich gibt sich auch Betriebsratsvorsitzender Berni Seitz. Die Amerikaner hätten die Übernahme ja nicht abgelehnt, sondern nur Bedenken vorgebracht. Er geht davon aus, dass die Verantwortlichen das Verfahren heilen können. „Die Belegschaft traut dem Vorstand zu, das Problem zu lösen“, meint Seitz. Für die Mitarbeiter sei eine Informationsveranstaltung am Montag angesetzt.

Biotest steckt mitten in der größten Expansionsphase seiner 70-jährigen Geschichte. Der Arzneimittelhersteller hat im Zuge des Ausbauprogramms „Biotest Next Level“ gerade ein neues Produktionsgebäude an der Landsteinerstraße hochgezogen. Mehr als 250 Millionen Euro fließen in die Erweiterung des Standorts, 2020 soll die Produktion im neuen Gebäude anlaufen. Creat hat weitreichende Zusagen für Standort, Investitionen und Arbeitsplätze gegeben. Das Gesamtvolumen der geplanten Transaktion liegt bei rund 1,3 Milliarden Euro inklusive Schulden.

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