Werbung auf allen Kanälen

Verzweifelte Suche nach Erziehern

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Sind überzeugt, dass die Kampagne Früchte tragen wird (von links): Fachbereichsleiterin Ellen Grohe, Katja Westerwalbesloh und Daniela Buck von der Agentur 3drittel und Barbara Maurer vom Ressort Kinderbetreuung.

Dreieich - Der Markt ist hart umkämpft, Erzieherinnen und Erzieher sind begehrt, fast alle Kommunen sind verzweifelt auf der Suche nach Personal. Von Frank Mahn 

Die Dreieicher Stadtverwaltung hat jetzt eine groß angelegte Kampagne gestartet, um Lücken in ihren Betreuungseinrichtungen zu schließen. Sie braucht aber auch zusätzliche Kräfte, denn durch Neubauprojekte im Kitabereich wird der Bedarf weiter steigen.

18 Kitas unterhält die Stadt, aktuell sind dort zwölf Vollzeitstellen nicht besetzt. „Das Thema treibt uns schon seit einiger Zeit um. Wir stehen in einem harten Wettbewerb mit den anderen Städten, alle ringen um Fachpersonal“, sagt Bürgermeister Dieter Zimmer (siehe dazu Bericht auf der Neu-Isenburg-Seite). Die Situation könnte noch prekärer werden, wenn Anfang 2019 die in Auftrag gegebenen Erweiterungsbauten an den Kitas Wilhelmshof und Winkelsmühle an den Start gehen. Und: Weitere Anbauten sind geplant, denn Eltern, die einen Betreuungsplatz für ihr Kind suchen, stehen Schlange.

Doch was nutzt die schönste Kita, wenn das Personal fehlt? Im Rathaus hat man sich deshalb Gedanken gemacht, wie man Erzieherinnen und Erzieher für die Arbeit in Dreieich begeistern kann. Die Bezahlung allein, glauben die Verantwortlichen, sei nicht der ausschlaggebende Punkt. Denn Dreieich zahlt, wie viele Städte in der Region, über Tarif.

Crossmediale Kampagne

Ein Team aus Erzieherinnen der städtischen Kitas hat die Köpfe zusammengesteckt und in einem Workshop einen Slogan entwickelt, der mit einem Augenzwinkern daherkommt. „Bei uns sind noch Plätze frei – für Erzieherinnen und Erzieher!“ soll die Aufmerksamkeit von potenziellen Bewerbern auf sich ziehen. Das Team hat die Vorzüge herausgearbeitet, die aus seiner Sicht für Dreieich sprechen: guter Fachkräfteschlüssel, geregelte Vorbereitungszeiten, Spielräume für inhaltliche Gestaltung, Supervisionen, unbefristete Anstellung, Nähe zu Frankfurt mit kurzen Wegen in die Natur.

Die zunächst auf ein Jahr angelegte Kampagne setzt auf einen Mix unterschiedlichster Kanäle, Stichwort crossmedial. Homepage, Plakate, Banner im Stadtgebiet, Beschriftung städtischer Autos, Stellenanzeigen in Zeitungen und auf mehreren großen Jobbörsen im Internet – nichts bleibt unversucht, um Werbung für Dreieich als Arbeitgeber zu machen. Erreichen will die Verwaltung Leute, die aktiv auf der Suche sind, sie will sich aber auch als attraktive Alternative für Erzieher präsentieren, die sich mit dem Gedanken an einen Wechsel tragen.

Bilder: Erzieherinnen demonstrieren in Rodgau

Für die grafische Umsetzung verpflichtete die Stadt die Dreieicher Werbeagentur 3Drittel von Daniela Buck und Katja Westerwalbesloh. Das Duo hat eine bunte Signatur mit einem hohen Wiedererkennungswert geschaffen.

„Für die Fachkräfte in den Kindertagesstätten und für alle Eltern in Dreieich ist diese Kampagne ebenfalls ein wichtiges Zeichen dafür, dass sich Verwaltung und Rathaus der Situation bewusst sind und entsprechend verantwortlich handeln“, sagt Bürgermeister Zimmer. Nun bleibt abzuwarten, welchen Erfolg das „Paket an Ideen“ (Zimmer) zeitigt.

Derweil müssen sich Eltern, die einen Platz in der Kita Heckenborn herbeisehnen, noch länger gedulden als gedacht. In dem Neubau sollen bis zu 48 Kinder unter drei Jahren betreut werden. Doch der Fertigstellungstermin hat sich mehrfach verschoben. Erst war von April, dann von Juni die Rede. Nun wird es aller Voraussicht nach September werden, bis die ersten Kinder dort betreut werden. „Bei einem Gewerk hat es auf der Zielgeraden noch einmal geklemmt“, bedauert Erster Stadtrat Martin Burlon. Immerhin: „Das Personal dafür haben wir“, sagt Fachbereichsleiterin Ellen Grohe.

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