Bankgeschäft verlagert sich ins Netz

Beratung in Filialen von Volksbank Dreieich und Sparkasse wird zusammengestrichen

In der Offenthaler Volksbank-Filiale werden künftig nur noch Automaten stehen. Der hintere, nicht mehr benötigte Teil – gut 250 der bisher 300 Quadratmeter – soll untervermietet werden.
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In der Offenthaler Volksbank-Filiale werden künftig nur noch Automaten stehen. Der hintere, nicht mehr benötigte Teil – gut 250 der bisher 300 Quadratmeter – soll untervermietet werden.

Die Entwicklung war schon vor Corona zu erkennen – nun hat sie sich noch einmal beschleunigt: Die Digitalisierung geht auch an der Bankenwelt in Dreieich nicht spurlos vorüber.

Dreieich – „Immer mehr Kunden haben den Wunsch, ihre Bankgeschäfte online zu tätigen“, erklärt Jens Prößer, Vorstandsmitglied der Volksbank Dreieich. „Wir stellen sogar fest, dass auch die Telefonberatung zunimmt.“

Volksbank Dreieich wird umstrukturiert

Daraus zieht die Volksbank Konsequenzen – und strukturiert ihre fünf Filialen in Dreieich kräftig um. Wie zu Jahresbeginn angekündigt, gibt es in den Räumlichkeiten in Offenthal, Dreieichenhain und Buchschlag seit Anfang Juli keine Vor-Ort-Beratung mehr. „Die Mitarbeiter stehen aber weiter zur Verfügung“, betont Prößer. Nur eben an einem anderen Ort: Die Angestellten aus Offenthal und Dreieichenhain wurden nach Götzenhain abgezogen, die Buchschlager Angestellten arbeiten künftig von Sprendlingen aus.

In den drei nun mitarbeiterfreien Standorten wird es künftig nur noch sogenannte SB-Filialen (Selbstbedienungs-Filialen) geben. Bargeld abheben, Kontoauszüge drucken, Überweisungen tätigen – das alles ist weiterhin vor Ort möglich. Der Rest hingegen muss übers Internet oder Telefon abgewickelt werden – oder eben in Götzenhain beziehungsweise Sprendlingen.

In der Offenthaler Immobilie laufen aktuell schon die Umbauarbeiten zur SB-Filiale, in Buchschlag soll der Umbau laut Prößer „im Laufe des nächsten Jahres“ vollzogen werden. In beiden Filialen werden künftig auch Automaten der Sparkasse Langen-Seligenstadt stehen – dazu später mehr. Die Volksbank-Filiale in der Dreieichenhainer Waldstraße wurde hingegen bereits dichtgemacht, die Voba-Geldautomaten sind einen Steinwurf entfernt in der Sparkasse am Dreieichplatz eingezogen.

Volksbank und Sparkasse: Kundenverhalten verschiebt sich ins Digitale

Beim Kundenverhalten sei eine deutliche Verschiebung hin ins Digitale erkennbar, erzählt Prößer. Rund 500 Volksbank-Kunden würden pro Monat auf Online-Kontoauszüge umsteigen, vor der Corona-Krise seien es monatlich nur halb so viele gewesen. Bei Fragen zur Baufinanzierung oder Altersvorsorge kämen die Kunden aber weiterhin lieber persönlich vorbei, so Prößer.

Die Sparkasse Langen-Seligenstadt erlebt einen ähnlichen Prozess. Deswegen planen beide Geldhäuser, ihre Kooperation in Dreieich weiter zu intensivieren. So wurde die Sparkassen-Filiale in Götzenhain wie angekündigt bereits im Februar geschlossen und ist bei der Volksbank untergekommen – ebenfalls nur noch in Form eines SB-Terminals. In Offenthal und Buchschlag ist der gleiche Schritt geplant. Auch hier sollen die Zweigstellen dichtgemacht werden und Sparkassen-Automaten bei der Voba einziehen. Einen konkreten Zeitplan für Schließung und Ortswechsel gibt es laut Sparkassen-Sprecher Walter Metzger noch nicht: „wahrscheinlich Ende dieses oder Anfang nächstes Jahr“. Während der Umbauarbeiten könnten die Volksbank-Kunden in Offenthal (und später in Buchschlag) in der Sparkassen-Filiale Geld abheben, erklärt Metzger.

Die Sparkassen-Angestellten wurden oder werden zum Großteil in die Hauptstelle in Sprendlingen versetzt. Diese soll 2021 wiederum in ein frisch gebautes, großes Beratungszentrum in der Neuen Mitte ziehen. Vereinzelt könnten auch Angestellte nach Neu-Isenburg oder Dreieichenhain beordert werden. „Eben so, wie sie gebraucht werden“, betont Metzger. „Aber wir haben niemanden freigesetzt.“

Die Umstrukturierung sei auch bei der Sparkasse Langen-Seligenstadt eine Reaktion auf das veränderte Verhalten der Kunden. „Wir haben Untersuchungen angestellt und herausgefunden, dass in manchen Zweigstellen nur noch drei oder vier Kunden am Tag zur Beratung vorbeikommen“, berichtet Metzger. „Das rentiert sich gar nicht.“ Vieles verlagere sich ins Internet, die Corona-Krise habe den Prozess noch einmal beschleunigt. „Das ist ein enormer Wandel“, so Metzger. Fast 80 000 Online-Konten gebe es mittlerweile bei der Sparkasse Langen-Seligenstadt.

Deswegen soll die Vor-Ort-Beratung auf einige größere Beratungszentren statt auf viele kleine Filialen konzentriert werden. „Wir haben aber den Grundsatz, dass es in jeder Stadt mindestens eine Beratungsstelle geben soll“, betont Metzger. (Manuel Schubert)

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