Es ging kein Wind

Waldbrand in Dreieich: Glück im Unglück verhinderte Schlimmeres

Flammenwand: Mehrere Stunden bekämpften Feuerwehrleute den Brand und verhinderten ein Übergreifen auf weitere Waldstücke. Gegen 20.45 Uhr war die Lage unter Kontrolle.
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Flammenwand: Mehrere Stunden bekämpften Feuerwehrleute den Brand und verhinderten ein Übergreifen auf weitere Waldstücke. Gegen 20.45 Uhr war die Lage unter Kontrolle.

Mehr als 100 Feuerwehrleute aus dem halben Kreisgebiet kämpften gegen die Flammen beim Waldbrand in Dreieich. Die Wasserversorgung war dabei eine große Herausforderung.

Dreieich – In der Nähe von Schloss Philippseich in Götzenhain war ein Holzstapel in Flammen aufgegangen. Der Feuerschein war weithin zu sehen, mehr als zweieinhalb Stunden pendelten pausenlos Tanklöschfahrzeuge, um die Einsatzkräfte vor Ort mit Wasser zu versorgen. Gegen 20.45 Uhr war die Lage unter Kontrolle.

Der Brandgeruch hängt am Montagmorgen um halb zehn noch deutlich in der Luft. Der Stapel mit dem aufgeschichteten Holz, der Feuer gefangen hatte, wird von einem Bagger richtiggehend durchgerührt. Immer wieder packen die Greifer die völlig verkohlten Äste und Stämme und lassen sie mit knackenden Geräuschen wieder sinken. An zwei Seiten stehen noch Einsatzkräfte der Dreieicher Feuerwehren mit Wasserschläuchen und halten mit großem Druck auf die Stämme drauf. „Wir wollen so sicher gehen, dass wir wirklich das letzte Glutnest finden und alles durchnässen, damit wir nicht in zwei Stunden wieder zum Löschen anrücken müssen“, erklärt der Dreieicher Stadtbrandinspektor Markus Tillmann.

Waldbrand in Dreieich: Holzstapel fängt Feuer

60 Meter lang, 15 Meter breit, zehn Meter hoch – der Holzstapel bestand aus Überresten des letztjährigen August-Unwetters. Am frühen Morgen glimmte es vereinzelt immer mal auf. „Da sind wir jetzt dankbar für die Unterstützung von Hessen Forst, dessen Mitarbeiter das Holz auseinander gezogen hat“, sagt Ulrich Schulz. Der Stellvertreter von Markus Tillmann verbrachte die ganze Nacht an der Einsatzstelle. „Auch wenn das Feuer um Viertel vor neun am Abend aus war, mussten wir natürlich Brandwache halten, um sicher zu gehen, dass sich nicht wieder etwas entzündet“, erläutert Schulz.

Ein paar der müden Einsatzkräfte, die gemeinsam mit ihm Wache hielten, sind schon mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Es gilt, viele hundert Meter Schlauch aufzurollen. „Eine nette Anwohnerin hat uns ganz früh schon Kaffee gebracht. Sie erzählte, dass sie sehr erschrocken gewesen sei, als sie die hohen Flammen aus dem Fenster beobachtete. Sie hat sich bei uns bedankt, dass wir das Feuer im Griff hatten“, freut sich Ulrich Schulz über das Lob, das seinen Leuten ein bisschen über die Müdigkeit hinweg half. Die Nachlöscharbeiten dauerten bis zum Mittag.

Dreieich: Wasserversorgung bei Waldbrand gestaltet sich schwierig

Die unmittelbar an den Stapel angrenzenden Bäume sind bis auf eine Höhe von rund 20 Metern angekokelt – Feuer gefangen haben sie nicht. „Wir hatten wirklich Glück, dass der Stapel hier wie freigeschnitten im Wald steht. Die nächsten Bäume sind ein paar Meter weg und auch auf die andere Seite des Weges, wo der Wald nach den Stürmen im vergangenen Jahr noch nicht ganz so aufgeräumt ist und viel trockenes Totholz liegt, hat das Feuer nicht übergegriffen“, berichtet Markus Tillmann. Das größte Glück im Unglück am Sonntagabend war allerdings ein anderes: Es ging kein Wind.

Das größte Problem bei einem Brand im Wald ist die Wasserversorgung. Aus dem Ortsgebiet von Götzenhain und aus dem Haag wurden zwei Schlauchleitungen von 800 und 600 Metern an die Einsatzstelle verlegt. Aufgrund der Größe des Feuers und der Gefahr des Übergreifens wurden Feuerwehren mit Großtanklöschfahrzeugen aus dem gesamten Kreisgebiet nach Götzenhain beordert. Sie fuhren im Pendelverkehr und wurden immer wieder am Ortseingang von Offenthal mit Wasser betankt. In den Spitzenzeiten waren rund 100 Einsatzkräfte mit 14 Fahrzeugen aus Dreieich, Rodgau, Mühlheim, Neu-Isenburg, Langen und Dietzenbach eingesetzt. Auch ein Privatunternehmen aus Offenthal unterstützte mit zwei Tanklastwagen die Löscharbeiten.

Über die Ursache für den Waldbrand in Dreieich kann nur spekuliert werden. Die Polizei hat nach Angaben von Pressesprecherin Andrea Ackermann keine Hinweise auf Brandstiftung. (Von Frank Mahn und Nicole Jost)

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