80 weitere Flüchtlinge im ersten Halbjahr 2015

Noch mehr Anstrengungen notwendig

Dreieich - Eigentlich wollte sich der Ausschuss für Soziales, Sport und Kultur allgemein mit den Handlungsempfehlungen des Kreisausländerbeirats zum Umgang mit Flüchtlingen beschäftigen. Von Holger Klemm 

Doch dann bekam das Gremium einen konkreten Sachstandsbericht zur Situation in Dreieich von Karin Scholl (städtisches Integrationsbüro) und Martina Geßner (Diakonisches Werk), die für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig sind. Eine Kernaussage: Die Stadt muss im ersten Halbjahr mit weiteren 80 Flüchtlingen rechnen.

Der Dreieicher Ausländerbeirat hatte die Empfehlungen zur Beratung, Begleitung und Integration von Flüchtlingen in den Geschäftsgang der Stadtverordneten eingebracht. Vorsitzende Betül Gülmez-Götzmann sprach von einem sinnvollen Fahrplan für die Stadt, auch um auf weiteren Zulauf reagieren zu können. „Momentan läuft es gut, aber läuft es auch noch gut, wenn 200 weitere Flüchtlinge kommen?“ Diese Zahl steht für dieses Jahr im Raum.

Karin Scholl bezeichnete ganz viele Dinge in dem Papier zwar als sinnvoll, sie seien aber in Dreieich schon umgesetzt – wie die Willkommenskultur oder die Begleitung der Flüchtlinge. Auf andere Punkte wie die Veränderung des Betreuungsschlüssels oder Sprachkurse habe die Stadt keinen Einfluss, diese seien Sache des Kreises.

Ein Sozialarbeiter für 80 Flüchtlinge

Der Kreisausländerbeirat hatte einen Sozialarbeiter für 80 Flüchtlinge angeregt, momentan ist das Verhältnis 1:100. Geßner kündigte aber an, sofort eine neue Vollzeitstelle zu schaffen, wenn weitere 100 Flüchtlinge da sind. Momentan gibt es 145 Flüchtlinge, die von der Stadt untergebracht sind, und damit eineinhalb Stellen.

Bisher konnten die Flüchtlinge überwiegend dezentral in allen Stadtteilen, zum großen Teil in Wohnungen, untergebracht werden. Für die Neuankömmlinge werden händeringend weitere Unterkünfte gesucht. Die Stadt hat zwar ein Haus in der Gleisstraße gekauft. Zudem werde ab Februar noch eine Gemeinschaftsunterkunft zur Verfügung stehen. Beide Objekte bieten aber nur Platz für 56 Personen. Scholl: „Wir werden um weitere Gemeinschaftsunterkünfte nicht herumkommen.“ Zurzeit gebe es Gespräche mit einem Investor über eine Unterkunft mit 60 bis 80 Plätzen. Scholl appellierte, weiterhin leer stehende Wohnungen oder Häuser zu melden – auch Eigentumswohnungen, die von der Stadt gekauft werden könnten.

Peter Graff (Grüne) fragte nach den vom Kreis vorgegebenen Mindeststandards bei der Unterbringung. Scholl sprach von sechs bis zehn Quadratmetern pro Kopf. Dreieich versuche sich der Obergrenze anzunähern, manchmal seien es aber auch nur sieben Quadratmeter. In der Stadt gebe es zahlreiche angemietete Wohnungen mit hervorragendem Standard, es gebe aber auch einfache Unterkünfte, wie sie einräumt.

Viele Dreieicher wollen helfen

Geßner und Scholl sind beeindruckt vom Engagement der Dreieicher. „Viele melden sich, um zu helfen“, so Scholl, die von aktuell bis zu 40 Aktiven spricht. Allerdings müssten diese richtig eingesetzt werden. Denn einige wollen sich um Kinder, andere um Erwachsene und wiederum andere um das Sammeln von Spenden kümmern. Daneben gibt es weitere Initiativen. Das Forum Sprendlingen Nord packt Willkommenspakete, die katholische Gemeinde St. Laurentius plant ein Lerncafé für Erwachsene. Ein Glücksfall sei die Nähe zum Haus des lebenslangen Lernens und der Kreis-Volkshochschule mit ihren Sprachkursen.

Mittlerweile gebe es die ersten Flüchtlinge, die schnell Deutsch gelernt haben und sich beispielsweise im Forum Nord engagieren. Einige Mädchen, die 2014 die Ferienspiele besuchten, seien regelmäßig im Mädchencafé des Juz Benzstraße oder im BIK-Haus anzutreffen.

Nach Meinung von Martina Geßner spielt das Thema Bildung in vielen Flüchtlingsfamilien eine große Rolle. Viele wollten ihre Kinder so schnell wie möglich in Schulen unterbringen. Ein weiterer Schwerpunkt werde in diesem Jahr die Frage bilden, wie die Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Dabei könnten Praktika in Betrieben helfen. Auf Vorschlag von Peter Graff verzichtete der Ausschuss auf eine Abstimmung zur Handlungsempfehlung. Sie soll als Leitfaden dienen.

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Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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