Ehemaliges Opelgelände in Dreieich 

Wohnbauprojekt in Dreieich verteuert sich erneut - 100 neue Wohnungen geplant

Die Nachfrage ist riesig: Im Juni beginnt eine Langener Firma mit dem zweiten Bauabschnitt an der Hainer Chaussee. Foto: dreieichbau
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Die Nachfrage ist riesig: Im Juni beginnt eine Langener Firma mit dem zweiten Bauabschnitt an der Hainer Chaussee in Dreieieich (Kreis Offenbach). Dort sollen auch 80 Sozialwohnungen entstehen. 

Der Auftrag für zweiten Bauabschnitt auf dem ehemaligen Opelgelände in Dreieich ist vergeben. Er liegt deutlich über der ursprünglichen Kalkulation. 

  • Am ehemaligen Opelgelände in Dreieich im Kreis Offenbach sollen 100 neue Wohnungen entstehen
  • Der Auftrag für den zweiten Bauabschnitt wurde an eine Firma aus Langen vergeben
  • Mit 11,2 Millionen Euro liegen die Kosten deutlich über der ursprünglichen Kalkulation

Dreieich – Eine Firma aus Langen hat den Zuschlag für den zweiten Bauabschnitt auf dem ehemaligen Opelgelände an der Hainer Chaussee in Dreieich im Kreis Offenbach bekommen. Der Auftrag hat ein Volumen von 11,2 Millionen Euro und liegt damit deutlich über der ursprünglichen Kalkulation.

Dass sich das soziale Wohnungsbauprojekt erneut verteuert, geht der FDP gewaltig gegen den Strich. Sie fordert für künftige Vorhaben variierende Quoten, also einen den jeweiligen Erfordernissen angepassten Anteil frei finanzierter Wohnungen.

Dreieich im Kreis Offenbach: Bauprojekt für neue Wohnungen am Opelgelände wird deutlich teurer

Am ersten Bauabschnitt wird schon länger gewerkelt. In Modulbauweise hat die Firma ALHO zwei dreigeschossige Häuser mit insgesamt 37 Wohnungen in Dreieich im Kreis Offenbach hochgezogen. Sie sollen im Oktober fertig zum Bezug sein. Nachdem der Haupt- und Finanzausschuss Anfang vergangener Woche einstimmig den Nachtragswirtschaftsplan der DreieichBau AöR hatte passieren lassen, konnte die städtische Wohnungsbaugesellschaft Nägel mit Köpfen machen und den Auftrag für Abschnitt zwei an die LIG Bau aus Langen vergeben. 

Sie errichtet ab Juni 63 Wohnungen in konventioneller Bauweise. Angepeilter Fertigstellungstermin ist der September 2021. Für das Gesamtprojekt sind nach aktuellem Stand Investitionen von 24,8 Millionen Euro erforderlich, 2,4 Millionen mehr als nach der bis dahin letzten Kalkulation.

Kreis Offenbach: 100 neue Wohnungen am Opelgelände in Dreieich

„Es ist eine gute Zeit für den Baubeginn“, sagt Dirk Böttcher, Technischer Vorstand der DreieichBau AöR. „Die schwierigste Phase, nämlich die der Kanal- und Erschließungsarbeiten auf dem Grundstück, ist nahezu abgeschlossen.“ Neben Gas-, Wasser-, Strom- und Fernwärmeleitungen wurde auch gut ein halber Kilometer an Entwässerungsleitungen verlegt, darunter ein etwa 60 Meter langer und bis zu fünf Meter tiefer Stauraumkanal mit einem Durchmesser von zwei Metern. 

Er dient zur Regenwasserrückhaltung im Quartier. Die Arbeiten stehen nach Böttchers Worten kurz vor dem Abschluss, sodass die Firma LIG Bau gleich loslegen kann.

Insgesamt entstehen auf dem Gelände zwischen Hainer Chaussee, Dreieichbahnstrecke und Autobahnbrücke in Dreieich im Kreis Offenbach 80 Wohnungen für einkommensschwache Mieter und 20 für den freien Wohnungsmarkt. Sie werden dringend gebraucht, die Nachfrage ist enorm, wie die Liste der Bewerbungen zeigt. Fast täglich erreichen die DreieichBau Anfragen von Interessenten. Böttcher: „Wenn es nach der Zahl der Bewerbungen ginge, müssten wir 200 Wohnungen auf den Markt bringen.“

Neue Wohnungen in Dreieich bei Offenbach: Bauprojekt wird teurer

Die ausführende Firma beginnt mit dem Haus, in dessen Keller die Stadtwerke ein Blockheizkraftwerk für das Quartier unterbringen. Dabei sollte nix schief gehen, damit die Mieter der 37 Wohnungen nach dem Einzug im Oktober nicht frieren müssen. Von daher ist Eile angesagt. „Wir schaffen das“, ist Böttcher überzeugt. 

„Die Firma steht in den Startlöchern und befindet sich im Abstimmungsprozess mit den Stadtwerken. Alles geht Hand in Hand.“ Von dem Blockheizkraftwerk, das sich durch einen hohen Energiestandard und einen geringeren Emissionsausstoß auszeichnet, profitieren im Übrigen nicht nur die Bewohner, sondern auch das benachbarte Freibad. Mit der überschüssigen Wärme, die während der Sommermonate nicht für die Wohnungen benötigt wird, kann das Wasser in den Becken um bis zu zwei Grad erhöht werden.

Stichwort baden gehen: Diese Sorge treibt die FDP mit Blick auf die DreieichBau um. Im Nachgang zur Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses melden die Liberalen große Bedenken an. „Die Kosten sind erneut massiv gestiegen, auf jetzt rund 25 Millionen Euro. Bei Projektbeginn 2016 wurden gegenüber dem Parlament noch rund 15 Millionen Euro Baukosten prognostiziert. Auf Basis dieser Budgetschätzung wurde der Anteil an Sozialwohnungen seinerzeit auf eine Quote von 80 Prozent festgelegt“, erinnert die FDP. Schon damals habe man vor möglichen Budgetüberschreitungen gewarnt, die aufgrund der gewählten Quote kaum zu korrigieren seien.

Wohnbauprojekt im Kreis Offenbach: FDP kritisiert Anstieg der Kosten

„Selten haben wir so ungern recht behalten. Es ist traurig, dass sich unsere seinerzeitigen Befürchtungen derart bewahrheitet haben“, bedauern die Liberalen. „Wir sind jetzt bei zehn Millionen Euro Mehrkosten innerhalb von nur dreieinhalb Jahren. Und obwohl mehr Quadratmeter erschlossen werden sollen und sogar günstiger, teils ohne Keller gebaut wird, steigt auch der Quadratmeterpreis deutlich.“

Das Projekt sei zwar rechnerisch immer noch wirtschaftlich, aber das verdanke die DreieichBau externen Umständen, auf die sie selbst keinen Einfluss gehabt habe, so die FDP. „Dass das Zinsniveau noch weiter sinkt und gleichzeitig auch noch die erlaubte Höchstmiete für Sozialwohnungen steigt, sind glückliche Zufälle, die bei Projektbeginn nicht abzusehen waren.“ 

Damit sozialer Wohnungsbau in Dreieich funktionieren könne, dürfe er nicht zum reinen Zuschussgeschäft verkommen, denn in wirtschaftlich klammen Zeiten wackelten dann erst die Projekte und danach die Baugesellschaft selbst. „Beispiele für solche Pleiten gibt es genug.“

Dreieich im Kreis Offenbach: 80 Wohnungen für einkommensschwache Mieter 

Darüber hinaus habe die Stadt bei allen bisherigen Projekten der AöR (Hainer Chaussee, BIK-Haus, Schlagfeldstraße) nichts oder wenig für die Grundstücke bezahlt, weil sie sich entweder bereits in ihrem Bestand befanden oder aber unter Marktpreis erworben werden konnten. „Wirtschaftlich gesehen bedeutet das: Bei zukünftigen Projekten würden wir, falls wir den vollen Marktpreis bezahlen müssen, bei einer Sozialwohnungsquote von 80 Prozent kaum mehr ohne Zuschüsse auskommen.“

Die aktuelle Situation zeigt nach Auffassung der FDP, dass es bei zukünftige Projekten des sozialen Wohnungsbaus flexible Quoten geben muss. Dabei sollte der Anteil an Sozialwohnungen immer bei 60 bis 70 Prozent liegen. Ein Verhältnis von 70:30 sei aber bereits deutlich wirtschaftlicher als 80:20.

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