Wolfgang Lammeyer geht in den Teil-Ruhestand

Ganz lässt ihn Dreieich noch nicht los

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Spezialauftrag als Geschäftsführer der Stadt-Holding Fast 30 Jahre leitete Wolfgang Lammeyer Stadtwerke, Verkehrsbetriebe und Stadt-Holding. Zum Jahreswechsel ist er in den Ruhestand gegangen – teilweise. Der Holding bleibt er erhalten. Dieser Tage hat Lammeyer sein neues Büro im Hallenbad bezogen.

Dreieich - Nach fast 30 Jahren an der Spitze von Stadtwerken und Verkehrsbetrieben Dreieich hat Wolfgang Lammeyer jetzt mehr Zeit für die Familie und Hobbys. Der 66-Jährige ist seit dem Jahreswechsel Ruheständler – jedenfalls zum Teil. Von Frank Mahn 

Lammeyer bleibt Geschäftsführer der Stadt-Holding GmbH und ist in dieser Funktion mit einer Spezialaufgabe betraut worden. Alleiniger Chef von Stadtwerken und Verkehrsbetrieben ist seit Jahresbeginn Steffen Arta, den Lammeyer seit Februar 2015 eingearbeitet hatte. Gemeinsam teilen sich die beiden die Geschäftsführung der Holding – so lange, bis Lammeyer seine neue Mission erfüllt hat. Dabei geht es um die „Abarbeitung“ von Fraktionsanträgen zum Thema sozialer Wohnungsbau und zur Unterbringung von Flüchtlingen. „Ich bin froh, dass Wolfgang Lammeyer auch weiterhin noch als Geschäftsführer der Holding zur Verfügung steht. Er hat in den vergangenen Jahren durch sein umsichtiges unternehmerisches und zukunftsorientiertes Handeln viel für unsere Stadt erreicht“, sagt Bürgermeister Dieter Zimmer.

Konkret ist an eine Gesellschaft unter dem Dach der Holding gedacht, um dort verschiedene Aufgaben zu bündeln. Aus den Reihen der CDU war der Vorschlag gekommen, zum Erwerb, zur Bilanzierung und Bewirtschaftung von Flüchtlingsunterkünften die Gründung einer solchen Tochter zu prüfen. Lammeyer soll untersuchen, welche Auswirkungen das auf den städtischen Haushalt hätte und ob die Übertragung sämtlicher städtischer Immobilien in diese Gesellschaft wirtschaftlich sinnvoll wäre. „Die Vorteile einer Tochtergesellschaft liegen insbesondere in der Bündelung der Tätigkeiten. Die Liegenschaften selbst sowie deren Ausstattung und Wartung könnten unter einem Dach konzentriert werden. Diese Vorgehensweise bietet schnelle Reaktionsmöglichkeiten, eine hohe Kostentransparenz sowie eine Entlastung der Stadtverwaltung“, meint CDU-Chef Hartmut Honka. Auf Anregung der Grünen sollen Projekte des sozialen Wohnungsbau ebenfalls auf diesem Weg abgewickelt werden.

Über dieser komplexen Aufgabenstellung brütet Wolfgang Lammeyer seit ein paar Tagen in seinem neuen Büro. Der gebürtige Fuldaer ist auf „seine alten Tage“ umgezogen – vom Stadtwerke-Gebäude ins Hallenbad. Das passt auch inhaltlich. Schließlich sind die beiden Dreieicher Bäder unter dem Dach der Holding geparkt. Fast 30 Jahre lang ist der Vater zweier erwachsener Kinder täglich die weite Strecke von Worms zu seinem Arbeitsplatz gefahren. Das tut Lammeyer sich jetzt natürlich nicht mehr an. „Ich streue ein paar Rentnertage ein“, bemerkt er mit dem ihm eigenen süffisanten Lächeln. Praktisch: Im Hallenbad kann er gleich einen Vorsatz umsetzen: Lammeyer hat sich vorgenommen, wieder mehr Sport zu treiben. Die eine oder andere Bahn hat er bereits gezogen.

Archivbilder aus Dietzenbach:

Stadtbetriebe stellen sich vor

Ein besonders „inniges“ Verhältnis verbindet den Teilzeit-Ruheständler mit dem Parkschwimmbad. Das stand bekanntlich zur Disposition, wurde nach langem Hin und Her aber doch umgebaut. Dieter Zimmer bescheinigt Lammeyer eine „Meisterleistung in Sachen Verhandlungskunst“. Trotz schwieriger städtischer Finanzlage und starker Widerstände aus der Politik und von Interessengemeinschaften sei es ihm gelungen, eine Mehrheit im Stadtparlament von einer Sanierung zu überzeugen. Zu den Großprojekten in Lammeyers Amtszeit bei den Stadtwerken gehört der Bau des Solarparks auf der ehemaligen Mülldeponie in Buchschlag. Seit April 2012 ist die Anlage am Netz. „Mit dieser Investition von 15 Millionen Euro ist Dreieich einen großen Schritt für den Klimaschutz gegangen“, sagt Rathauschef Zimmer. Der Solarpark habe national und international Aufmerksamkeit erregt.

„Es war eine schöne Zeit“, bilanziert Lammeyer und gibt auf Nachfrage eine Anekdote aus seiner Anfangszeit zum Besten. Damals führte er ein Formular ein, das Mitarbeiter ausfüllten mussten, wenn sie einen Dienstwagen für private Zwecke nutzen wollten. Nachdem er eines Morgens eines abgezeichnet hatte, ohne genau drauf zu schauen, schockte ihn der Mitarbeiter: „Herr Lammeyer, Ihren Autoschlüssel bitte!“ Es war der 1. April.

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