Lärmprobleme nach wie vor ungelöst

Dreieichbahn: Züge vom Typ "Pesa Link" sorgen für Ärger bei Anwohnern

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Die Dreieichbahn sorgt für Unmut.

Sie sind zu laut und auch nicht gerade umweltschonend. Eigentlich sollten sich mit den neuen Fahrzeugen Typ Pesa Link die Probleme bei der Dreieichbahn legen. Für die Anwohner hat sich jedoch nichts gebessert. 

Dreieich - Ausfälle, Verspätungen, liegen gebliebene Züge, streikende Klimaanlagen – die Dreieichbahn ist seit jeher für Ärger gut. Durch den Einsatz neuer Fahrzeuge vom Typ Pesa Link sollte alles besser werden. Doch die Hoffnungen erfüllten sich nicht. Ganz im Gegenteil: Die Triebwagen sind laut und unzuverlässig. Deshalb hat die Deutsche Bahn die Notbremse gezogen. War ursprünglich die Anschaffung von 470 Zügen aus Polen vorgesehen, will es die DB bei den gut 70 Exemplaren belassen, die unter anderem in Brandenburg, im Sauerland und eben zwischen Frankfurt und Dieburg verkehren. Zehn davon wurden für die Dreieichbahn abgerufen.

Seit im Februar die ersten Fahrzeuge aus Polen auf der Strecke der Dreieichbahn in Betrieb genommen wurden, protestieren Anwohner gegen den Krach, den Dieselmotoren, Lüftung und Bremsen verursachen. Problematisch für Passagiere ist die Klimaanlage: Sie läuft auf vollen Touren oder gar nicht. Dazwischen ist nix. Der Geräuschpegel soll schon mal bis 80 Dezibel ausschlagen.

Dreieich: "Pesa Link" bei Dreieichbahn sorgt für Ärger

Die Bahn gelobte Abhilfe, forderte Pesa und den Motorenhersteller MTU zu Nachbesserungen auf. Passiert ist allem Anschein nach wenig bis nichts. Jedenfalls nicht in der Wahrnehmung von Dreieichern, die in Bahnhofsnähe wohnen.

„Es hat sich einfach gar nichts verändert seit unseren ersten Beschwerden. Die Zuggeräusche sind gleichbleibend laut. Am Wochenende geht es, da sind es nur zwei einfahrende Züge in der Stunde. Aber an den Werktagen, wenn die Bahn so früh startet, ist es unerträglich“, sagt Elisabeth Keller aus der Bahnstraße in Dreieichenhain. Sie hat den Eindruck, dass der Protest gegen den Bahnlärm zum Erliegen kommt, „weil alle langsam resignieren“.

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Antje Schrom ist ebenfalls stinksauer. „Ich hatte große Hoffnung, als die Bahn endlich selbst Messungen vor Ort gemacht hat und danach klar war, dass die Lärmbelastung hier sehr hoch ist. Es gab ja wohl auch Verhandlungen mit dem Hersteller. Aber nachhaltig verbessert hat sich nichts. Jeder der neuen Züge, der hier in den Bahnhof einfährt, dröhnt und brummt“, ärgert sich die Anwohnerin. Schrom will nicht aufgeben und sich noch mal schriftlich bei der Bahn beschweren. „Wir wollen den Zustand nicht einfach so hinnehmen.“

Dreieich: Anwohner wollen Bahn um Lösung für "Pesa Link" bitten

Thilo Knöchel ist schleierhaft, warum das Eisenbahn- Bundesamt die Züge überhaupt zugelassen hat. Der Götzenhainer misst immer mal wieder die Lautstärke – und kommt auf 70 bis 80 Dezibel. Vor Kurzem sei er selbst mit der Dreieichbahn gefahren. „Das Ding ist ja auch innen unglaublich laut mit der Lüftung. Auch dort habe ich mal gemessen: 70 Dezibel. Das hat ein ICE auch, aber bei Tempo 300 und nicht bei 70.“ Knöchel will ebenfalls nicht locker lassen. „Wir sollten uns noch mal zusammentun und bei der Bahn nachdrücklich um eine Lösung unseres Lärmproblems bitten.“

Die Redaktion hat die Deutsche Bahn zum wiederholten Mal mit den Missständen konfrontiert und um Stellungnahme gebeten. Auch die neuerliche Antwort fällt mau aus. Ausgehend von den Messungen „bemühen wir uns, die Geräusche zu minimieren“, teilt ein Sprecher mit. Fahrzeug- und Motorenhersteller seien aufgefordert worden, technische Lösungen zu erarbeiten, um die Fahrzeuge beim Bremsen, aber auch in der Abstellung leiser zu machen. So werde die Firma MTU gemeinsam mit der DB „softwarebasierte Lösungen erproben, um Motoren- und Lüftergeräusche zu senken“. Bereits im März hatte die Bahn versichert, „mit Hochdruck“ an der Lösung der Probleme zu arbeiten.

Dreieich: "Pesa Link" Züge sind zugelassen und erfüllen alle Grenzwerte

Natürlich fehlt in der Bahn-Stellungnahme nicht der Hinweis, dass die Züge vom Typ Pesa Link vom Eisenbahn-Bundesamt zugelassen sind und alle gesetzlichen Regelungen und Grenzwerte erfüllen. 

Die Dreieichbahn macht seit langem Ärger. Die Kunden sind sauer, weil sie entweder zu spät oder gar nicht kommt, die Anwohner über den Lärm, den sie verursacht. Nach Problemen sorgte die Bahn Anfang des Jahres mit einer dürftigen Ausrede für Ärger.

VON NICOLE JOST UND FRANK MAHN

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