Von der Gleichzeitigkeit

Tobias Ballweg präsentiert seine Ausstellung „Isochrone“ zu den Burgfestspielen

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Der Künstler Tobias Ballweg hat die drei Köpfe am Weg zum neuen Notausgang in der Burg platziert. Sie scheinen aus verschiedenen Zeiten und Räumen zu stammen.

Köpfe, die aus unterschiedlichen Zeiten und Räumen zu stammen scheinen, schwebende Torsos und eine große in sich ruhende Figur bevölkern aktuell den Burggarten. 

Dreieichenhain – Sie sind Bestandteil der Ausstellung „Isochrone“ von Tobias Ballweg, mit der die Kunstinitiative Dreieich die Burgfestspiele bereichert.

Hinter dem Titel verbergen sich die griechischen Begriffe gleich (iso) und Zeit (chronos). Die Gleichzeitigkeit von unterschiedlichen Dingen sowie von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft interessieren den Künstler schon seit längerem und ist immer wieder Thema seiner Arbeiten. Es geht auch um das Zeitempfinden, das bei jedem ganz unterschiedlich ist.

Für die Ausstellung in der Burg hat sich der Dreieicher Künstler, der 1983 mit dem Kulturförderpreis der Stadt ausgezeichnet worden war, ausschließlich Skulpturen ausgesucht, die aus ganz unterschiedlichen Materialien und verschiedenen Schaffensperioden stammen. Die schwebenden Torso sind aus Polyester, die Köpfe aus Beton, die zum Teil mit Metalloxid bemalt sind, das sich durch äußere Einflüsse verändert. Die große Figur neben der Bühne wiederum ist aus einem Baumstamm geschlagen.

Raum zum Nachdenken

„Für den Torso war ich selbst das Modell“, berichtet Ballweg. Er ließ sich mit Pappe einwickeln, die anschließend gehärtet und entsprechend verformt werden konnte. Die Köpfe auf dem Weg zum neuen Notausgang erinnern, auch wenn sie wesentlich kleiner sind, an die Osterinsel. „Der rechte Kopf wirkt auf mich wie ein Außerirdischer“, meint Ballweg. Bei den anderen beiden spielen Comiceinflüsse eine Rolle. An eine Comicfigur scheint auch die große dominierende Skulptur aus Holz zu erinnern. Doch da findet sich die Gleichzeitigkeit einer klassischen Skulptur mit entsprechendem Stand- und Spielbein.

Ballweg hofft, dass die Besucher sich selbst Zeit nehmen, über die Skulpturen miteinander ins Gespräch kommen und sich ihre Gedanken machen. Passend dazu hat er auf einer Tafel zu den Kunstwerken geschrieben: „Der Reiz des nicht eindeutig zuzuordnenden/Das ungewöhnliche – übertriebene zu erschaffen und ansehen – eröffnet den Raum zum Nachdenken über einen Raum, der noch nicht da war.“

Ballweg war von der Kunstinitiative gefragt worden, ob er den diesjährigen künstlerischen Beitrag zu den Festspielen gestalten wolle. Der Bitte ist er gerne nachgekommen. „Die Kunstinitiative ist sehr engagiert und besteht aus sehr guten Leuten.“ Und da seien schon ganz hervorragende Sachen entstanden, die Gemeinsamkeit schaffen.

„Warum sollte ich mich denn festlegen lassen?"

Auch wenn die Schau „Isochrone“ sich auf Skulpturen beschränkt, ist das Werk des freischaffenden Künstlers, der an der Frankfurter Städel-Schule studierte, wesentlich vielseitiger. In zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland zeigt er neben Skulpturen auch Bilder, Zeichnungen, Transparente und Multiples. „Warum sollte ich mich denn festlegen lassen? Es interessiert mich doch so viel“, sagt der Künstler.

Die Ausstellung „Kunst in der Burg“ ist bis zum Ende der Festspiele am Sonntag, 18. August, zu sehen. Die Herbstausstellung der 29. Kunsttage steht dann in der Zeit vom 5. bis 22. September in der Städtischen Galerie, Fichtestraße 50a, auf dem Programm. Die Vernissage ist am Donnerstag, 5. September, um 19 Uhr.

Holger Klemm

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