Ein amüsantes Vergnügen

„Das Wirtshaus im Spessart“ kommt beim Publikum bestens an

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Die Mitglieder des Burgtheaters begeistern beim „Wirtshaus im Spessart“ von der ersten Szene an mit viel Spielfreude.

Dreieichenhain -   Eine spannende Geschichte, amüsante Wortwechsel und ein reduziertes Bühnenbild, das die natürliche Kulisse und die Strahlkraft der Schauspieler richtig wirken lässt – die Theatergruppe des Geschichts- und Heimatvereins zeigte an drei Abenden „Das Wirtshaus im Spessart“ vor begeistertem Publikum.

Schon zur Premiere am Freitagabend sind mehr als 300 Besucher in den Burggarten gekommen, um die Inszenierung des Wilhelm-Hauff-Klassikers von Regisseurin Tanja Garlt zu sehen. Und der Besuch hat sich wahrlich gelohnt. Großartig, wie die Schauspieler des Burgtheaters die Räuberposse um Prinzessin Christiane von Sandau (Antonia Treccarichi) mit Leben füllen. Schon gleich in der ersten Szene hat das Ensemble die Lacher auf seiner Seite. Es war einfach zu schön, wie sich die Räuber hinter ihren portablen Plastik-Tannenbäumen verstecken, um die adligen Damen im Wald zu überfallen.

Die Handlung ist schnell erzählt: Der Räuberhauptmann Karl (Gunnar Laumann) ist eigentlich selbst adelig. Als Graf von Hohenlohe ist ihm daran gelegen, Graf von Sandau (Michael Kohlhaas), der ihm alles nahm, eins auszuwischen. Doch bei der Entführung kommt ihm die Liebe dazwischen. Prinzessin Christine erobert sein Herz im Sturm und ihr Vater erweist sich als ein tief geiziger Knochen. Von Sandau hat nicht nur seinen Nachbarn über den Tisch gezogen und seine Bauern ausgebeutet, nicht einmal das Leben seiner Tochter ist ihm wert, ein Lösegeld heraus zu rücken.

Das Stück ist von Beginn an lustig. Es lebt von der ausdrucksvollen Spielweise der Laiendarsteller, denen die Spielfreude in jeder Szene anzusehen ist. Die Liebesgeschichte ist charmant erzählt, aber auch die Nebenschauplätze, die Liebeleien zwischen Geselle Frank (Jens Chobotsky) und Wirtinnen-Nichte Barbara (Nadja Krawczyk), der Kammerzofe Felicitas (Francesca Eifler) und dem zweiten Gesellen Felix (Maximilian Nowak) und nicht zuletzt auch Gouvernante Frau von Stöckli (Doris Brandau), die sich mit den Räubern Schwartenmagen (Jochen Rehse) und Affenheini (Michael Grevel) gleich zwei Liebhaber gönnt, machen das Theater zu amüsanten Vergnügen. Ob es die kleinen Anspielungen auf das Rumpelstilzchen sind oder die herrliche Reiterszene, in der Graf von Sandau mit seinen Gehilfen über die Naturbühne galoppiert – es gibt in dieser modernen Version vom „Wirtshaus im Spessart“ einiges zu lachen.

Auch Regisseurin Tanja Garlt lächelt immer wieder auf ihrem Stuhl in der letzten Reihe zufrieden. Was sie sieht, stimmt auch sie fröhlich: „Das macht echt ganz viel Spaß, mit dieser Gruppe zu arbeiten. Sie machen das wirklich gut. Ich bin auch noch selten so locker in einer Premiere gegangen wie heute Abend“, lobt die Kulturpreisträgerin des Kreises Offenbach ihr Ensemble. Als der lange Applaus verklingt, steht noch die Premierenparty im Burgkeller an. Auch Dieter Krebs, dieses Mal nur in der kleinen Rolle des so menschlichen Dieners Severin zu sehen, ist sehr glücklich. „Wir waren schon sehr gespannt, schließlich wachsen wir gerade erst so richtig zusammen und es waren auch einige neue Schauspieler dabei“, sagt das GHV-Vorstandsmitglied. Seine Bilanz fällt durchweg positiv aus: „Es war toll und die Resonanz war sehr gut. Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Inszenierung mit Tanja Garlt“, sagt der leidenschaftliche Schauspieler. Gut war auch die Resonanz. Zwei Vorstellungen mit mehr als 300 Gästen, der Sonntagabend ein klein bisschen schwächer, aber immer noch viele Besucher. So viel sei schon mal verraten: Auch 2019 wird das Burgtheater wieder spielen – vermutlich ein Shakespeare-Stück. (zco)

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