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Dreieichenhainer Burgruine bereitet Sorgen

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Von: Nicole Jost

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Gehen den dauerhaften Erhalt der Burgruine strategisch an (von links): Helmut Holzmann, Wolfgang Mühlschwein, Frank Oppermann und Detlef Odenwald.
Gehen den dauerhaften Erhalt der Burgruine strategisch an (von links): Helmut Holzmann, Wolfgang Mühlschwein, Frank Oppermann und Detlef Odenwald. © jost

Am 5. Juli 1881 gründete sich in Dreieichenhain eine Bürgerinitiative. Die Hainer wollen sich für den Erhalt ihrer Burg einsetzen und sind auch die regelmäßigen Plünderungen leid. „Teile der Burg fielen zusammen und immer wieder holten sich Menschen dort Steine für den Eigengebrauch“, berichtet Detlef Odenwald, Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins. Der Vorläufer heißt damals Geschichtsverein für die Landschaft Dreieich.

Dreieich - 50 Jahre später, am 31. Oktober 1931, unterschreibt der Vorstand jenes Vereins den wohl wichtigsten und verantwortungsvollsten Vertrag in seiner Historie: Er übernimmt die Eigentumsrechte des heute 1000 Jahre alten Mauerwerks von den Erben Graf Karl Ferdinands von Isenburg. „Wir sind stolz darauf, dass wir seit 90 Jahren dafür sorgen, dass die Burg als Denkmal erhalten bleibt“, betont Odenwald. Es ist ein Leuchtturmprojekt, das weit über die Grenzen von Dreieich hinaus strahlt. „Die Turmburgwand ist eine der letzten salischen Bauten, die überhaupt noch stehen und die dazu noch 23 Meter hoch ist“, sagt der Dreieicher Ingenieur Wolfgang Mühlschwein, der 1995 zum ersten Mal den Auftrag erhielt, die Turmburgwand statisch zu analysieren.

In den vergangenen Jahrzehnten hat der Verein mehr als eine Million Euro allein in die Instandhaltung der Burgruine investiert – dabei sind Kosten wie für das Museum und den Ausbau des Burgkellers nicht inkludiert. „Natürlich haben wir diese Summe nicht alleine aus den Vereinsbeiträgen gestemmt, es gab Zuschüsse und Förderungen, aber es ist ein Kraftakt“, schildert Odenwald. Es wird einer bleiben, denn der Zahn der Zeit nagt an den Mauern. „Die Feuchtigkeit ist der größte Feind der historischen Steine“, erläutert Helmut Holzmann, seit 40 Jahren Baufachmann im Vorstand des GHV. In den Jahren 2000 bis 2008 hat der Verein zum Teil mit Unterstützung durch spezialisierte Firmen bereits alle Mauern angefasst.

„Aber wir können uns den aktuellen Erkenntnissen nicht verschließen und müssen insbesondere die Turmburgwand mit modernster Technik untersuchen“, kündigt Holzmann ein Substanzerhaltungsprogramm für den markantesten und höchsten Teil der Ruine an. Das Mauerwerk ist 23 Meter hoch, an seiner breitesten Stelle unten 13 Meter breit bei 2,50 bis 1,50 Meter Mauertiefe und war im Jahr 1050 als Turmburg erbaut worden – sie stand im Quadrat. „Das ist auch so eine Sache, denn erst seit 1750 ist es nur noch eine einzelne Wand, das ist eine erhebliche Schwächung und hat auch Auswirkungen auf die Standfestigkeit“, weist Mühlschwein auf mögliche Schwierigkeiten hin. Auch im Hinblick auf Extremwetterlagen mit Sturm und Niederschlägen muss das berücksichtigt werden.

„Wir wollen vermeiden, dass uns eine plötzliche Sanierung aus dem Nichts auf den Kopf fällt und uns konkret mit der Bauunterhaltung beschäftigen, um damit auch die Kosten besser kalkulieren zu können“, erklärt Prof. Frank Oppermann, der Denkmalschutzexperte im Vorstandsteam. Auf die alte Turmburgmauer werden etliche Untersuchungen zukommen. Der Geschichts- und Heimatverein holt sich dazu Experten aus ganz Deutschland ins Boot. Dr. Andreas Bruschke aus Dresden hat bereits eine fotogrammetrische Erfassung und Darstellung der Wand erstellt. Zwei Professoren aus Darmstadt haben eine umfangreiche Baugrunderkundung vorgenommen, die für die Standsicherung wichtig ist, die Ergebnisse erwartet der Verein noch. In den nächsten Monaten stehen Mauerwerkserkundungen, statische Untersuchungen und eine zweite Meinung durch einen Prüfingenieur aus Landau an, der auch beim Dom zu Speyer Instandhaltungen übernommen hat. Bis zum Sommer sollen die Untersuchungen, die alle keinen Eingriff ins Mauerwerk bedeuten, abgeschlossen sein. Die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises Offenbach ist natürlich ebenfalls involviert.

Zu den Kosten kann der Vorstand noch keine konkreten Angaben machen. Alleine für die ersten beiden Schritte sind rund 50 000 Euro notwendig. All die Untersuchungen, wie auch die Forschungen und Sanierungsaktionen der vergangenen Jahrzehnte – zurückreichend bis zu den Unterlagen von Heimatforscher Karl Nahrgang – sollen professionell dokumentiert und digitalisiert werden, damit alle Informationen jederzeit abrufbar sind.

Überhaupt haben die Männer in der Vorstandsriege den Wunsch. den Verein moderner aufzustellen. „Wir sind alle 70 plus. Wie wir uns bislang mit der Geschichte und der Erhaltung der Burg beschäftigt haben, locken wir keine 20-Jährigen mehr hinter ihren iPhones hervor. Also müssen wir in die iPhones kommen“, so Oppermann. Der Verein brauche ein Informationssystem, in dem alle bautechnischen und auch die historischen Fakten zur Burg hinterlegt sind. Es sei das oberste Ziel, bei den Bürgern die Begeisterung für das Baudenkmal alte Burg zu wecken und Informationen besser zugänglich zu machen. Ob das eine App, eine Internetseite oder auch QR-Codes sein werden, ist noch nicht entschieden.

Von Nicole Jost

Mit einer Drohne hat Dr. Andreas Bruschke aus Dresden eine fotogrammetrische Untersuchung angestellt.
Mit einer Drohne hat Dr. Andreas Bruschke aus Dresden eine fotogrammetrische Untersuchung angestellt. © -privat

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